Nürnberg


Nürnberg

Nürnberg (hierzu der Stadtplan mit Registerblatt), zweite Haupt- und bedeutendste Handelsstadt des Königreichs Bayern, ehemalige deutsche Reichsstadt, jetzt unmittelbare Stadt, liegt im Regbez. Mittelfranken, 296–352 m ü. M., in flacher, gut angebauter Gegend, am Donau-Mainkanal. N. verdankt sein Emporkommen nicht allein seiner günstigen Lage inmitten der fränkischen Stufenlandschaft als Mittelpunkt des Verkehrs zwischen Süd- und dem östlichen Norddeutschland, sondern auch seiner frühen wirtschaftlichen Entwickelung als Reichsstadt.

Wappen von Nürnberg.
Wappen von Nürnberg.

[Bauwerke, Denkmäler etc.] N. wird durch die Pegnitz in zwei ziemlich gleiche Hälften, die Sebalder und die Lorenzer Seite, geteilt. Die Pegnitz bildet vier Inseln (die größte »Schütt« genannt) und hat 14 Brücken und 11 Stege, darunter die aus einem einzigen Bogen von 32 m Spannung bestehende Fleischbrücke, die neue Wöhrdertal-, die neue Johannis- und die Kettenbrücke. Die alte Stadt ist ringsum mit einem 10 m tiefen und bis 30 m breiten Graben, starken Doppelmauern mit Türmen und Bastionen umgeben. Die Umwallung ist jetzt an mehreren Stellen durchbrochen und der Graben überdämmt. Die Gesamtfläche der Stadt beträgt nach Eingemeindung zahlreicher Vororte 5624 Hektar. Von den Toren (4 große und 6 kleinere) sind die erstern mit großen, runden Türmen versehen, die 1555–68 von Georg Unger erbaut wurden, vom Volk aber Albrecht Dürer zugeschrieben werden. Die Wohnhäuser sind meist altertümlichen Aussehens und nach altdeutscher Weise mit Erkern (Chörlein) versehen. Unter den merkwürdigen Gebäuden der Stadt nehmen die Kirchen die erste Stelle ein. Die St. Lorenzkirche, ein Prachtbau in gotischem Stil, 1274–1477 errichtet und in neuerer Zeit mehrmals renoviert, mit zwei 77 m hohen Türmen, schönem Portal und prachtvoller Fensterrose von 9 m Durchmesser, ist 101 m lang und 34 m breit, hat drei Schiffe, von denen das Mittelschiff 25 m hoch ist, und enthält von Kunstwerken das berühmte Sakramentshäuschen von Ad. Kraft, eine zierliche, 19 m hohe Pyramide mit der Darstellung der Leidensgeschichte Christi, den Englischen Gruß von Veit Stoß (s. Tafel »Bildhauerkunst VIII«, Fig. 6), ein figurenreiches Holzschnitzwerk, eine neue Kanzel mit reichen Skulpturen, mehrere Altäre mit wertvollen Bildern, schöne Glasmalereien etc. Die zweite berühmte Kirche ist die St. Sebalduskirche, eins der schönsten gotischen Bauwerke Deutschlands, dessen ältere Teile aus dem 13. Jahrh. herrühren, während Chor und beide Türme dem 14. Jahrh. angehören; vollendet wurde sie 1377, die Türme 1483. Sie ist 94 m lang und 32 m breit; 20 Säulen von 26 m Höhe tragen das Gewölbe. Das Innere birgt wertvolle Kunstwerke, darunter das berühmte, fast 5 m hohe Grabmal des heil. Sebaldus von P. Vischer (1508–19 gefertigt), mit den Statuetten der zwölf Apostel und mehrerer Kirchenväter nebst zahlreichen andern Figuren (s. Tafel »Bildhauerkunst VIII«, auf der eine Anzahl der vorzüglichsten Werke der Nürnberger Bildnerei dargestellt ist), einen schönen Hauptaltar, alte Glasgemälde etc. Außen an der nordöstlichen Seite der Kirche befindet sich das Schreyersche Grabmal in Stein von 1492, ein Hauptwerk Ad. Krafts, an der Südseite des Langhauses die sogen. Schautür, darüber ein Relief von demselben Meister, das Jüngste Gericht darstellend. Die Marien- oder Frauenkirche, 1355–61 in gotischem Stil erbaut und 1878 bis 1881 von Essenwein restauriert, hat ein großartiges, vorspringendes Portal mit reichen Skulpturen, treffliche Glasmalereien, Ölgemälde von Wolgemut u.a., eine Kunstuhr (1509 von Georg Heuß gefertigt) etc. und ist 1816 den Katholiken eingeräumt worden. Die Ägidienkirche, 1711–18 an der Stelle der alten, 1696 abgebrannten Kirche in italienischem Stil erbaut, enthält die romanische Euchariuskapelle und ein treffliches Altarblatt von van Dyck. In der 1850 restaurierten Kirche Zum Heiligen Geist (Spitalkirche), 1333–41 erbaut, wurden seit 1424 die Reichskleinodien aufbewahrt, die sich jetzt in Wien befinden. Die St. Jakobskirche, ehemals Kirche des Deutschen Ordens, die schon im 12. Jahrh. bestand und ihre jetzige Gestalt im 14. und 15. Jahrh. erhielt, ward 1824–1825 unter Heideloffs und Eyrichs Leitung renoviert. Die St. Johanniskirche ist von einem berühmten Kirchhof (s. unten) umgeben. Die großartig angelegte Elisabethkirche mit Kuppel, aus dem Beginn des 19. Jahrh., ist den Katholiken eingeräumt. Die neuerbaute gotische Christuskirche in Steinbühl mit 74 m hohem Turm wurde 1894 eröffnet. Im ganzen zählt die Stadt 16 evangelische und 6 kath. Kirchen. Von den beiden Synagogen wurde die eine 1869–74 von Baurat Wolf in maurisch-byzantinischem Stil erbaut.

Unter den weltlichen Gebäuden nimmt das alte Kaiserschloß, die Burg genannt, den ersten Rang ein. Sie wurde wahrscheinlich schon unter Heinrich II. erbaut und erhielt unter Friedrich Barbarossa ihre jetzige Gestalt. Bemerkenswerte Teile dieses Baues sind der runde Vestnerturm (der höchste Punkt der Stadt), der viereckige, sogen. Heidenturm mit zwei übereinanderliegenden Kapellen, der fünfeckige Turm, das älteste Bauwerk der Stadt, und die 1854–56 geschmackvoll eingerichteten Gemächer der königlichen Familie mit trefflichen Holzschnitzereien aus der Schule von Veit Stoß, Gemälden von Holbein d. Ä., L. Cranach, Burgkmair u.a. Die Linde im innern Burghof soll 800 Jahre alt sein. Die Burg der Burggrafen, die sich nahe der Kaiserburg befand, besteht, abgesehen von einigen unbedeutenden Baulichkeiten, nicht mehr; sie wurde 1420 niedergebrannt. Zwischen dem fünfeckigen Turm und dem Turm Luginsland erbaute der städtische Werkmeister Hans Beheim 1494–95 das mächtige Kornhaus oder die Kaiserstallung, die jetzt militärischen Zwecken dient. Das Rathaus, 1616–1622 in italienischem Stil erbaut, hat eine 89 m lange Fassade von zwei Stockwerken, drei große Portale, im Hofe den schönen bronzenen Brunnen von Pankraz Labenwolf (1557), den 1896 im Polizeihof aufgestellten Apollobrunnen aus der Schule P. Vischers und mehrere interessante Säle, worunter der sogen. große, durch zwei Stockwerke gehende Saal 39 m lang, 11 m breit und mit Wandgemälden nach A. Dürers Entwürfen von dessen Schülern und mit Glasmalereien von Hirschvogel geschmückt ist. Bemerkenswert ist auch der kleine Rathaussaal, sogen. Prunksaal, mit Gemälden und einer kunstvollen Decke, wozu neuerdings noch die vortrefflichen Wandgemälde Wanderers, die Nürnbergs Blütezeit darstellen, gekommen sind, dann der mit schönem Portal und alten Wandvertäfelungen sowie mit Glasmalereien aus Nürnbergs neuester Geschichte geschmückte Standesamtssaal. Der nordöstliche Teil des Rathauses wurde in neuester Zeit nach den Plänen Essenweins umgebaut. Hier sind besonders der schöne gotische Hof und der gegen den Fünferplatz gelegene Turm bemerkenswert. Das alte Rathaus ist durch einen die Rathausgasse überbrückenden Gang mit dem 1896–99 erbauten Amtsgebäude verbunden, das unter anderm den großen, durch zwei Stockwerke gehenden Sitzungssaal umfaßt, der von Professor Heim mit Gemälden aus der neuern Nürnberger Geschichte geschmückt ist. – Von andern öffentlichen Gebäuden sind noch zu erwähnen: das neue Stadttheater, 1901–05 erbaut, das große Heilige-Geist-Hospital (wovon ein Teil auf zwei Bogen über der Pegnitz erbaut ist), das 1845 erbaute allgemeine Krankenhaus, das neue städtische Krankenhaus (s. Tafel »Krankenhäuser III«, Fig. 1), das neue Ausstellungsgebäude für das bayrische Gewerbemuseum etc. Von den ältern Privatgebäuden sind zu nennen: das sogen. Nassauer Haus (Schlüsselfeldersches Stiftungshaus) mit dem Brunnenstandbild König Adolfs von Nassau; das Grundherrsche Haus, worin 1356 die Goldene Bulle zum Teil abgefaßt wurde; das Tuchersche Haus, das Haus Albrecht Dürers (vgl. »A. Dürers Wohnhaus und seine Geschichte«, Nürnb. 1896) und gegenüber das sogen. Pilatushaus; das Haus des Dichters Hans Sachs und des Volksdichters Grübel; das Pfarreigebäude von St. Sebald, mit gotischem Erker (einst Wohnung Melchior Pfintzings, des Verfassers des »Theuerdank«); das Pellersche Haus (s. Tafel »Wohnhaus I«, Fig. 6), 1605 in venezianischem Stil vollendet, und das Petersensche (ehemals Topplersche) Haus, das Kraftsche Haus, der Historische Hof, das Ruprechtsche Haus, das Herdegensche Haus u.a. Von den neuern Privathäusern passen sich die meisten dem ältern Stil an. Unter den öffentlichen Denkmälern sind hervorzuheben: der sogen. Schöne Brunnen am Markt, eine äußerst zierlich gearbeitete, figurenreiche, 19,5 m hohe, aus drei Abteilungen bestehende Steinspitzsäule (1385–96 unter dem Stadtbaumeister Friedrich Pfintzing vom Meister Heinrich dem »Parlier« erbaut, neuerdings restauriert). Ebenfalls auf dem Markt aufgestellt wurde 1902 der Neptunbrunnen, eia Abbild des im Schloßgarten zu Peterhof stehenden Brunnens, der in N. modelliert und gegossen, aber in der Zeit äußerster Not (1797) an den Zaren Paul I. verkauft wurde; der zierliche, unter dem Namen des »Gänsemännchens« bekannte eherne Brunnen hinter der Frauenkirche (von Pankr. Labenwolf) und der Tugendbrunnen neben der Lorenzkirche, in Erz gegossen, mit dem Standbilde der Gerechtigkeit (s. Tafel »Brunnen«, Fig. 5 und 7); der Kunstbrunnen auf dem Plerrer, zur Erinnerung an die 1835 erfolgte Gründung der ersten Eisenbahn Deutschlands zwischen N. und Fürth (Entwurf von Professor Schwabe, Guß von Lenz), der Kunstbrunnen in Steinbühl (entworfen von Zadow, gegossen von Lenz), dann die weitern von Zadow und Lenz hergestellten Kunstbrunnen in den Anlagen des Marienplatzes und bei der Burgschmietstraße; das Standbild A. Dürers auf dem gleichnamigen Platz (von Rauch entworfen und von Burgschmiet gegossen); das des Meistersingers Hans Sachs auf dem Spitalplatz (von Kraußer modelliert und von Lenz gegossen); das Steindenkmal Melanchthons auf dem Platz vor dem Gymnasium; das 1876 errichtete Siegesdenkmal (Viktoria) in der Adlerstraße (nach Wanderers Entwurf), der 1881 nach Wanderers Entwurf errichtete Grübelbrunnen mit Statuette des Volksdichters Grübel; das 1890 enthüllte Denkmal des Seefahrers Martin Behaim (entworfen von Professor Rößner, gegossen von Lenz); der Monumentalbrunnen mit dem Standbilde des Erfinders der Taschenuhren, Peter Henlein, der Armbrustschützenbrunnen, der Minnesängerbrunnen etc. Von größern Denkmälern wurden in neuester Zeit enthüllt: das Denkmal des Prinz-Regenten Luitpold auf dem Bahnhofsplatz (modelliert von Professor Ruemann) und das von Eberle entworfene, von Ruemann vollendete Denkmal des Kaisers Wilhelm I. Die »sieben Stationen« sind sieben auf dem Zugang zum Johanneskirchhof aufgestellte steinerne Bildwerke mit Reliefs aus der Leidensgeschichte Jesu von Ad. Kraft. Der St. Johanniskirchhof, 1 km vor der Stadt, enthält die Grabmäler A. Dürers, Veit Stoß', Sandrarts, Wilibald Pirckheimers, Lazarus Spenglers, des Volksdichters Grübel, L. A. Feuerbachs, Anselm Feuerbachs, A. v. Essenweins etc., der Kirchhof zu St. Rochus das Grabmal Peter Vischers.

[Bevölkerung, Erwerbszweige etc.] Die Einwohnerzahl, 1818 erst 26,854, belief sich 1905 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 14, 4 Eskadrons Chevau-legers Nr. 1, eine Eskadron Jäger zu Pferde und ein Feldartillerieregiment Nr. 8) für N. und die dazugehörigen 13 Vororte auf 294,431 Seelen, darunter 196,907 Evangelische, 86,939 Katholiken und 6819 Juden; auf die innere Stadt entfielen 1900: 211,329 Einw. Die hervorragende Industrie der Stadt ist weltbekannt. Besonders nennenswert ist die Fabrikation von Blattgold, Blattsilber und Blattmetall, Blei- und Pastellstiften, Bürsten, Pinseln, Draht und Drahtwaren, Lebkuchen, Maschinen, Möbeln, Reißzeugen, Spiel- und Galanteriewaren, Blechwaren, Fahrrädern, Automobilen etc. Ferner hat die Stadt bedeutende Eisen- und Metallgießerei sowie Bierbrauerei, Buchdruckerei, eine lithographische Kunstanstalt, große Mühlen u. dgl. Der Handel, unterstützt durch eine Handelskammer, eine Reichsbankstelle (Umsatz 1905: 2206,2 Mill. Mk.), durch die Königliche Bank (Hauptbank) in N. (vgl. Limburg, »Die königliche Bank zu N. in ihrer Entwickelung 1780–1900«, Leipz. 1903), eine Filiale der Bayrischen Notenbank und andre öffentliche Bankinstitute sowie durch 16 Konsulate fremder Länder, erstreckt sich vornehmlich auf die Produkte der Industrie, daneben auf Kolonialwaren, Hopfen, Getreide, Mehl etc. Den Verkehr in der Stadt und mit den Vororten vermittelt eine elektrische Straßenbahn von 30,2 km Länge. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt mit fünf Bahnhöfen Knotenpunkt der Staatsbahnlinien München-Bamberg-Hof, Schnelldorf-Furth i. W., Passau-Würzburg und N.-Eger sowie der Lokalbahn N.-Fürth. Im Hafen des Donau-Mainkanals kamen 1904 an: 515 Schiffe mit 61,800 Ton. Ladung; es gingen ab: 509 Schiffe mit 61,080 T. Ladung.

[Bildungsanstalten, Behörden etc.] An höhern Bildungsanstalten hat N. 2 Gymnasien (wovon das eine 1526 von Melanchthon eingerichtet wurde), ein Realgymnasium und zwei Realschulen; ferner eine Industrie-, eine Kreislandwirtschafts-, eine Kunstgewerbe-, eine Baugewerk-, eine Handels-, eine Musik- und eine Gärtnerfachschule, eine Real- und Handelslehranstalt, eine Handelsschule für Mädchen, Taubstummenanstalt, Blindenanstalt, Findel- und Waisenhaus etc. N. ist reich an Kunstsammlungen, unter denen das 1852 vom Freiherrn v. Aufseß gegründete Germanische Nationalmuseum (s. d.) obenan steht. Das Bayrische Gewerbemuseum enthält reiche Mustersammlungen für das Kunstgewerbe sowie ein Exportmusterlager. Höchst bemerkenswert ist das in der nächsten Nähe gelegene Bayrische Verkehrsmuseum. Nächstdem verdienen Erwähnung: die Stadtbibliothek mit 80,000 Bänden, vielen Inkunabeln und seltenen Handschriften, das Stadt- und das königliche Kreisarchiv; die mit der Kunstschule verbundene Sammlung von Skulpturen und Gipsabgüssen; die städtische Gemäldegalerie, die sich besonders durch treffliche Bilder aus der altdeutschen Schule auszeichnet; die Bildersammlung der Moritzkapelle wurde 1882 zu einem großen Teil dem Germanischen Museum überwiesen. Unter den zahlreichen Privatsammlungen sind die bedeutendsten: die Pickertsche Antiquitätensammlung und die Merkelsche Familiensammlung (jetzt im Germanischen Museum aufbewahrt). Der Albrecht Dürer-Verein veranstaltet permanente Gemäldeausstellungen. Ein Künstlerheim ist (1905) im Bau. Zu erwähnen sind noch: der 1644 gestiftete, noch jetzt bestehende Pegnesische Blumenorden (s. Pegnitzorden), der Industrie- und Kulturverein, die Naturhistorische Gesellschaft sowie der Verein für die Geschichte der Stadt. – N. ist Sitz eines Bezirksamts, eines Oberlandes- und eines Landgerichts, eines Hauptzoll- und eines Oberpostamts, einer Eisenbahnbetriebsdirektion, des Generalkommandos des 3. Armeekorps, des Kommandos der 5. Division, der 9. Infanterie-, der 5. Kavallerie- und der 6. Feldartilleriebrigade. Die städtischen Behörden zählen 31 Magistratsmitglieder und 60 Gemeindebevollmächtigte. Der Stadthaushaltsetat belief sich nach dem Voranschlag für 1905 in Einnahme und Ausgabe auf 26,923,283 Mk. Das Gesamtvermögen der Stadt betrug 156,4, die Schuld 82,4 Mill. Mk.

Um die Wälle ziehen sich schattenreiche Alleen und Anlagen. Besuchte Vergnügungsorte sind: der auf dem alten »Judenbühl«, seit 1855 »Maxfeld« genannt, gelegene, höchst sehenswerte Stadtpark, die Rosenau, der Marientor- und Köchertzwinger und in der Umgegend der Dutzendteich, der Schmaußenbuck und die Alte Feste, letztere bekannt durch die Schlacht von 1632, der Park Waldlust und Hummelstein. – Neben dem oben abgebildeten Wappen (S. 842) führt die Stadt auch einen goldenen gekrönten Jungfernadler (s. Harpyie) in Blau und einen schwarzen Adler in rotem Felde. – Zum Oberlandesgerichtsbezirk N. gehören die sechs Landgerichte zu Amberg, Ansbach, Fürth, N., Regensburg und Weiden, zum Landgerichtsbezirk N. die acht Amtsgerichte zu Altdorf, Gräfenberg, Hersbruck, Hilpoltstein, Lauf, N., Roth und Schwabach.

[Geschichte.] N. ist keine Römergründung, wie früher unter Deutung des Namens N. als Neroburg gefabelt wurde; die Etymologie des Namens ist ungewiß. Erwähnt wird N. zuerst in einer Kaiserurkunde 1050. Die Stadt entstand im Anschluß an eine königliche Burg, auf der als königliche Beamte zuerst Burggrafen, seit 1192 sicher aus dem Hause der Hohenzollern, später die sogen. Butigler und Reichsvögte (bis Ende des 14. Jahrh.) erkennbar sind, die das ehemals sehr ausgedehnte Reichsgut um N., insbes. den großen Nürnberger Reichswald, in dem man Zeidelwirtschaft betrieb, verwalteten. Doch gab es für diesen noch besondere Reichsforstmeister. Die Stadt entwickelte sich rasch, begünstigt durch die Verleihung des Marktrechts (vor 1062), den häufigen Aufenthalt der Könige in N. und den Kult des heiligen Sebald. In den Kämpfen Heinrichs V., Lothars, Konrads III. und Heinrichs des Stolzen ward N. heiß umstritten, blieb aber zuletzt im Besitz der staufischen Könige, und Friedrich II. verlieh ihr 1219 den ersten erhaltenen Freiheitsbrief. Darin erscheint die Stadt nur dem König untertan, als ordentlicher Richter über die Bürger zum erstenmal ein Reichsschultheiß. Bald findet sich neben diesem ein Rat, bestehend aus 13 consules (Bürgermeistern) und 13 scabini (Schöffen), an der Spitze der Verwaltung, und gegen Ende des 13. Jahrh. treten die acht alten »Genannten« dazu. Der Schultheiß ward allmählich auf seine richterlichen Befugnisse beschränkt. N. ward 1256 Mitglied des rheinischen Städtebundes und wuchs sehr rasch; bereits vor 1350 ward an dem heute noch wohl erhaltenen Mauergürtel gearbeitet, der noch bis in die Mitte des 19. Jahrh. nicht zu eng geworden ist; doch zählte N. am Ausgang des Mittelalters nur wenig über 20,000 Einw. Gewerbe (namentlich Metallverarbeitung) und Handel standen frühzeitig in Blüte, und die hier erfolgende Kreuzung der südnördlichen mit der westöstlichen (böhmischen) Handelsstraße begünstigte beide. Am lebhaftesten gestaltete sich seit 1350 der Handel, den vorzugsweise die patrizischen Geschlechter betrieben, mit Italien, insbes. Venedig. Trotz mancher Anfechtung ward die Reichsfreiheit bewahrt und manches neue Privileg erworben; die Stadt erhielt nach und nach die Hut der Reichsburg, die Münzgerechtigkeit und den Besitz des Reichswaldes. Als der der Stadt besonders gnädig gesinnte Ludwig der Bayer starb (1347), empörten sich die Handwerker gegen den Geschlechterrat und vertrieben ihn (1348), aber im nächsten Jahre kehrte der alte Rat, von Kaiser Karl IV. begünstigt, zurück. Die Verfassung blieb seitdem streng patrizisch (oligarchisch), wenn auch nach dem Aufstand acht neue Ratsstellen ausschließlich für Handwerker geschaffen wurden; die 34 alten Rats stellen wurden nur aus den etwa 30–40 Familien des Patriziats (Tucher, Holzschuher, Imhoff, Kreß etc.) besetzt. Dieser 42gliederige »kleine Rat« war der Souverän der Stadt, und der sogen. größere Rat, das Kollegium der Genannten, eine Art Gemeindevertretung, hatte dagegen wenig zu bedeuten. Von innern Kämpfen blieb N. seit 1349 verschont, aber es fehlte nicht an auswärtigen Feinden. In erster Linie waren das die Burggrafen von N., die spätern (seit 1415) Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und -Bayreuth, denen übrigens die Stadt 1427 eine Menge Besitzrechte in und um N. abkaufte. Gegen den Burggrafen Friedrich V. kämpfte N. in dem großen Städtekriege (1387–91), gegen Markgraf Albrecht Achilles in dem ersten markgräflichen Kriege (1449–51); 11. März 1450 ward Albrecht bei Pillenreuth geschlagen, gegen Markgraf Albrecht Alcibiades im zweiten markgräflichen Kriege (1552–53). Im letztern hatte N. eine Belagerung auszuhalten, aber es behauptete sich wie auch sonst in seinen Kriegen, wenn auch oft mit großen Opfern an Geld. Viel belästigt ward N. von dem fränkischen Raubadel, als dessen bekannteste Vertreter Eppelein (eigentlich Ekkelein) von Gailingen, Hans Schüttensamen, Kunz Scholt, Götz von Berlichingen und Hans Thomas von Absberg zu nennen sind. Durch die Beteiligung am Bayrischen Erbfolgekriege gewann N. 1504 ein nicht unbeträchtliches Landgebiet mit einigen Städtchen (Altdorf, Lauf, Hersbruck) und vielen Schlössern und Dörfern. Das hohe Ansehen der Stadt bezeugen die vielen Kaiserbesuche und Reichstage: Karl IV. erließ hier 1356 die Goldene Bulle, von Siegmund erhielt N. 1424 die Reichskleinodien und -Heiligtümer zur Hut anvertraut und bewahrte sie bis 1796. Seine Blütezeit erlebte es um die Wende des 15. und 16. Jahrh. Die Kunst gedieh, es wirkten hier der Bildschnitzer Veit Stoß, der Bildhauer Adam Kraft, der Erzgießer Peter Vischer und der größte deutsche Maler Albrecht Dürer. Auf dem Gebiete des ungemein reichen und vielseitigen Kunstgewerbes beteiligten sich Peter Flötner und der Goldschmied Wenzel Jamnitzer, in den Wissenschaften der Astronom Regiomontanus, der Geograph Martin Behaim, die Humanisten Wilibald Pirckheimer, Melchior Pfintzing, der Dichter des »Teuerdank«, die Fastnachtsspieldichter Hans Rosenplüt und Hans Folz sowie die Vertreter des von den Handwerkern gepflegten Meistergesangs, deren berühmtester der vielseitige Hans Sachs war. Auch der Lustspieldichter Jakob Ayrer (gest. 1605), Georg Philipp Harsdörffer, der Gründer des Pegnesischen Blumenordens (1644), und später der Dialektdichter Johann Konrad Grübel (1736–1809) lebten hier. Der Nürnberger »Witz« bewährte sich in mancherlei Erfindungen; am berühmtesten ist Peter Henlein (oder Hele, gest. 1542) geworden, der Erfinder der Taschenuhren. In den zwanziger Jahren des 16. Jahrh. bekannte sich N. zur Lutherischen Lehre, die namentlich der Ratsschreiber Lazarus Spengler und der Prediger Osiander eifrig förderten. Am 23. Juli 1532 ward hier der Nürnberger Religionsfriede geschlossen. Im Schmalkaldischen Kriege blieb N. neutral. 1571 gründete der Rat in Altdorf eine protestantische Universität, die bis 1809 bestanden hat. Im Dreißigjährigen Kriege hatte N. viel zu leiden, namentlich 1632, als Gustav Adolf davorlag und 4. Sept. den bei Fürth stark verschanzten Wallenstein vergeblich angriff. Dem Prager Frieden (1635) trat N. bei. Zur Ausführung der Bestimmungen des Westfälischen Friedens fand 1649–50 in N. ein Friedenskongreß statt. Durch diesen Frieden erlangte N. die förmliche Anerkennung seiner Reichsfreiheit, aber die Stadt kam mehr und mehr zurück, der Handel, von dem sich die Geschlechter zurückzogen, litt unter der Verschiebung dee Handelswege zugunsten der seefahrenden Nationen sowie durch die merkantilistische Politik der meisten Staaten. In einer gewissen Blüte beharrten nur noch einige der metallverarbeitenden Gewerbe (Nürnberger Blechwaren) und die Lebküchlerei; traurig stand es um die Finanzen der Stadt, die Einkommensteuer, »Losung« genannt, wurde fast unerschwinglich. Im Siebenjährigen Kriege wurde N. zweimal von preußischen Streifkorps gebrandschatzt. Die Revolutionskriege brachten N. 1796 und 1800 französische Einquartierung und neue, schwere Kontributionen. An dse Nachfolger der Markgrafen, die Könige von Preußen, verlor N. große Teile seines Gebietes, aber die vöilige Unterwerfung, die der Rat 1796 anbot, ward nicht angenommen. Auf Grund des Reichsdeputationshauptschlusses (1803) gehörte N. zu den wenigen Städten, die noch reichsfrei blieben, kam aber 1806 an Bayern, was der Stadt zum Segen gereichte. Der Staat übernahm die gewaltigen Schulden, eine neue freiheitliche Verfassung ward eingeführt. Handel und Gewerbe (jetzt in Fabriken betrieben) nahmen anfangs langsam, aber seit Mitte des 19. Jahrh. überraschend schnell zu; dementsprechend stieg die Einwohnerzahl, die 1820 nur 23,491 betrug. 1835 erbauten Nürnberger die erste Eisenbahn Deutschlands, die sogen. Ludwigsbahn, zwischen N. und Fürth. 1861 fand hier ein großes Sängerfest (s. Männergesangvereine, S. 232), 1882, 1896 und 1906 bayrische Landesausstellungen statt. 1866 hielten preußische Truppen unter dem Großherzog von Mecklenburg N. besetzt. Am 1. Jan. 1899 wurden 13 in ziemlich weitem Umkreis um die eigentliche Stadt liegende Gemeinden einverleibt.

Vgl. außer den ältern Werken von Müllner, Wölckern, Würfel, Will, Waldau, Siebenkees: Roth, Geschichte des Nürnbergischen Handels (Leipz. 1800 bis 1802, 4 Bde.); »Chroniken der deutschen Städte«, Bd. 1–3, 10–11: N., hrsg. von Hegel (das. 1862 bis 1874); Lochner, Nürnberger Jahrbücher bis 1313 (Nürnb. 1832–35), Nürnbergs Vorzeit und Gegenwart (das. 1845) und Geschichte der Reichsstadt N. zur Zeit Kaiser Karls IV. (Berl. 1873); F. F. v. Soden, Beiträge zur Geschichte der Reformation (das. 1855) und Kriegs- und Sittengeschichte der Reichsstadt N. am Ende des 16. Jahrhunderts (Erlangen 1860, Teil 1); Priem, Geschichte der Stadt N. bis auf die neueste Zeit (Nürnb. 1874); Roth, Einführung der Reformation in N. (Würzb. 1885); Mummenhoff, Altnürnberg (Bamb. 1890), Das Rathaus in N. (Nürnb. 1891), Die Burg zu N. (2. Aufl., das. 1899) und Der Reichsstadt N. geschichtlicher Entwickelungsgang (Leipz. 1898); die »Festschrift zur 65. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte« (Nürnb. 1892); Rösel, Altnürnberg (das. 1895); Reicke, Geschichte der Reichsstadt N. (bis 1806, das. 1896); Sander, Die reichsstädtische Haushaltung Nürnbergs (Leipz. 1902); Rée, N., Entwickelung seiner Kunst (»Berühmte Kunststätten«, Nr. 5, das. 1900); Thode, Die Malerschule von N. im 14. und 15. Jahrhundert (Frankf. 1891); S. Graf Pückler-Limpurg, Die Nürnberger Bildnerkunst um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts (Straßb. 1903); Bilderwerke von Lorenz Ritter (25 Radierungen, mit Text von Dohme, Berl. 1876), Gerlach (»Nürnbergs Erker, Giebel und Höfe«, 55 Lichtdrucke, 2. Aufl., Wien 1896) u.a.; »Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt N.« (Nürnb. 1879 ff.); »Führer durch N. und Umgebung« von Tümmel, Schrag, Lehner, Kraus u.a. – In N. spielen verschiedene Romane von Ebers, Lauff, Roquette. Vgl. auch Hagen, Norica, Nürnbergische Novellen aus alter Zeit (6. Aufl., Leipz. 1887).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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