Würfel

Würfel

Würfel, in der Geometrie soviel wie Kubus (s. d.); in der Kristallographie ist der W. (das Hexaeder) eine wichtige Form des tesseralen Kristallsystems (s. Kristall, S. 702); sodann Werkzeug aus Elfenbein, Knochen, Serpentinstein etc., das zum Würfelspiel benutzt wird. Auf den sechs Seiten eines solchen Würfels sind durch Punkte oder Augen die Zahlen 1–6 in solcher Ordnung angegeben, daß die Zahlen der zwei sich gegenüberstehenden Seiten 7 ergeben. Schon die Alten kannten das Würfelspiel. Die alea der Römer wurde mit Knöcheln (daher Knöchelspiel) oder Steinchen (tali oder ἀοτραγάλοι, tesserae oder κύβοι) gespielt. Die tali waren nur an 4 Seiten mit den Nummern 1 und 6,3 und 4 versehen; 2 und 5 fehlten. Man schüttelte 4 tali in einem Becher und warf sie auf einen Tisch. Als bester Wurf (venus) galten dabei 4 verschiedene Zahlen (1,3,4,6), als schlechtester (canis) 4 Einsen. Die tesserae waren unsern Würfeln mit 6 Zahlen gleich. Das Glücksspiel mit beiden Arten von Würfeln war im Altertum schon früh verboten, außer an den Saturnalien. Mit den Brettspielen hat man das Würfeln frühzeitig in Verbindung gebracht (griechische W.-Petteia, römischer ludus duodecim scriptorum mit Würfeln, indisches Würfelvierschach, Puff etc.). Das Würfelspiel wird schon von Tacitus als eine Leidenschaft der Germanen geschildert; hatten sie alles verspielt, so setzten sie auf den letzten Wurf Leib und Freiheit. Es blieb das ganze Mittelalter hindurch bei Männern und Frauen beliebt, so daß keins der zahlreichen geistlichen und weltlichen Verbote nachhaltige Wirkung hatte; später waren besonders die Landsknechte wegen ihrer Leidenschaft für das Würfelspiel berüchtigt. Gegenwärtig heißen Würfelspiele alle diejenigen Spiele, zu denen man als Hauptmaterial zwei oder mehr Würfel und einen ledernen Becher (Knobelbecher) gebraucht. Sie sind sämtlich reine Glücksspiele (s. Knobeln). Vgl. Bolle, Das Knöchelspiel der Alten (Wism. 1886); Reymond, Knobelbrevier, alte und neue Würfelspiele (Oranienb. 1888).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Синонимы:

См. также в других словарях:

  • Würfel — Würfel …   Deutsch Wörterbuch

  • Würfel — bezeichnet: einen geometrischen Körper, siehe Würfel (Geometrie) einen in Spielen als Zufallsgenerator eingesetzten Gegenstand, siehe Spielwürfel ein Modell für multidimensionale Datenanalyse, siehe OLAP Würfel Würfel ist der Familienname… …   Deutsch Wikipedia

  • Würfel — Sm std. (11. Jh.), mhd. würfel, ahd. wurfil Stammwort. Entsprechend anord. verpill Würfel (um den unbequemen Anlaut zu vermeiden ist eine a Stufe eingeführt worden). Als Mittel zum Werfen, besonders Spielstein Instrumentalbildung zu werfen. Verb …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Würfel — Würfel: Das Substantiv mhd. würfel, ahd. wurfil ist eine Bildung zu dem unter ↑ werfen behandelten Verb. Es bedeutet eigentlich »Mittel zum Werfen« und bezeichnete in mhd. und ahd. Zeit den Spielwürfel, besonders den sechsflächigen. Erst seit… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Würfel [1] — Würfel, 1) ein regelmäßiger, von 6 Quadraten als Seitenflächen begrenzter achteckiger Körper aus Elfenbein, Knochen, Serpentinstein, welcher bes. beim Würfelspiel gebraucht wird; auf den 6 Seitenflächen sind die Zahlen 1–6 durch Punkte od. Augen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Würfel [2] — Würfel, W. W., geb. 1791 zu Plaman in Böhmen; Clavierspieler u. Componist, setzte schon im 15. Jahre größere Tonstücke; wurde 1815 Professor der Musik in Warschau, machte später als Claviervirtuos Reisen u. lebt seit 1826 in Wien; er schr. die… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Würfel — Würfel, s. Polyeder …   Lexikon der gesamten Technik

  • Würfel — Würfel, Kubus, in der Geometrie und Kristallographie (Hexaeder, s.d.) ein von sechs Quadraten begrenzter Körper. Der Inhalt des W. ist gleich der dritten Potenz seiner Kante …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Würfel — (lat. cubus), geometrischer Körper, s. Kubus …   Herders Conversations-Lexikon

  • Würfel — ↑Hexaeder, ↑Kubus …   Das große Fremdwörterbuch


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