Gerechtigkeit


Gerechtigkeit

Gerechtigkeit ist im allgemeinsten Sinne diejenige Eigenschaft eines Menschen oder eines Volkes, zufolge der sein Handeln mit dem Rechten (dem als Norm oder Gesetz allgemein Anerkannten oder Anzuerkennenden) übereinstimmt. So bedeutet in der christlichen Ethik G. (Rechtschaffenheit) die vollkommene Befolgung der göttlichen Gebote; bei Platon ist die G. als die der idealen Bestimmung des Menschen entsprechende Verfassung der Seele der Inbegriff aller Tugend überhaupt (vgl. Gerechtigkeit Gottes). Im engern Sinn ist G. diejenige Verhaltungsweise, die durch die Rücksicht auf die Rechte andrer bestimmt wird und sie weder selbst verletzt (passive G.) noch auch deren Verletzung duldet (aktive G.). Während die allgemeine ethische Idee der G. die Achtung aller vernunftgemäßen oder in den geltenden sozialen Anschauungen begründeten Ansprüche andrer fordert, bezieht sich die G. im juristischen Sinne nur auf das äußerliche legale Verhalten, die Befolgung der geltenden, die Beziehungen der Staatsbürger regelnden Gesetze, bez. das pflichtmäßige Verhalten der mit der Aufrechterhaltung und Einhaltung der Gesetze betrauten Beamten. G. in diesem Sinn ist die Kardinaltugend des Richters. Da aber die strikte Anwendung des geschriebenen Rechts oft zur Härte, ja zur Ungerechtigkeit (im ethischen Sinne) führen kann (»summum jus summa injuria«), so gilt in diesem Falle die Forderung, daß nicht ausschließlich der G., sondern auch der Billigkeit Rechnung getragen werde.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Gerechtigkeit — ohne Gnade ist nicht viel mehr als Unmenschlichkeit. «Albert Camus [1913 1960]; franz. Schriftsteller» Von allen Tugenden die schwerste und seltenste ist die Gerechtigkeit. Man findet zehn Großmütige gegen einen Gerechten. «Franz Grillparzer»… …   Zitate - Herkunft und Themen

  • Gerechtigkeit — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • Recht Bsp.: • Martin Luther King kämpfte für Freiheit und Gerechtigkeit …   Deutsch Wörterbuch

  • Gerechtigkeit — Gerechtigkeit, 1) (Dogmat.), Eigenschaft Gottes, wonach er auf die Beobachtung seines Gesetzes[224] steht u. gegen Gute u. Böse Vergeltung übt. Man unterscheidet die gesetzgebende u. vergeltende G. (Justitia legislatoria et distributiva), die… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Gerechtigkeit — Gerechtigkeit, in sittl. Beziehung die Tugend, das Recht des Andern zu achten; in rechtl. die Ausführung des Gesetzes nach dessen Vorschriften; im kirchl. Sprachgebrauche der Inbegriff sittl. Vollkommenheit durch Erfüllung aller göttl. Gebote,… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Gerechtigkeit — ↑Justitia, ↑Nemesis …   Das große Fremdwörterbuch

  • Gerechtigkeit — Der Kuss von Gerechtigkeit und Friede. Unbekannter Künstler, Antwerpen um 1580 …   Deutsch Wikipedia

  • Gerechtigkeit — 1. Besser um der Gerechtigkeit willen sterben, als mit Schande fliehen. 2. De Gerechtigkeit kann den Wêg nich finnen. (Hannover.) – Schambach, 78. Erinnert an die Augenbinde der Justitia. 3. Die Gerechtigkeit einer guten Sach und das gut Gewissen …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Gerechtigkeit — Recht * * * Ge|rech|tig|keit [gə rɛçtɪçkai̮t], die; : das Gerechtsein, gerechtes Verhalten: die Gerechtigkeit der Richterin, eines Urteils; Gerechtigkeit fordern; die soziale Gerechtigkeit. * * * Ge|rẹch|tig|keit 〈f. 20; unz.〉 I 〈unz.〉 1.… …   Universal-Lexikon

  • Gerechtigkeit — Ge·rẹch·tig·keit die; ; nur Sg; 1 das Gerechtsein, die gerechte (1) Beschaffenheit: Zweifel an der Gerechtigkeit eines Urteils, eines Richters haben 2 etwas, das man für ↑gerecht (1) hält, besonders ein Verhalten oder eine Handlung ↔… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Gerechtigkeit — Jemandem Gerechtigkeit widerfahren lassen: ihn richtig beurteilen, Vorurteile außer acht lassen. Das ist die ausgleichende Gerechtigkeit: wird schadenfroh meist dann gesagt, wenn jemandem ein Mißgeschick passiert, nachdem er sich vorher anderen… …   Das Wörterbuch der Idiome