Behaim


Behaim

Behaim, 1) (Beheim, Beham, Behm) Michael, Meistersinger, geb. 1416 in Sulzbach bei Weinsberg, um 1474 als Schultheiß von Sulzbach ermordet, war ursprünglich Weber, stand aber seit 1439 teils als Kriegsknecht, teils als Sänger im Solde verschiedener Fürsten, zunächst des Reichserbkämmerers Konrad von Weinsberg und des Markgrafen Albrecht von Brandenburg. Inzwischen suchte er in Dänemark und Norwegen die Gunst König Christians, später trat er in den Dienst des jungen Ladislaus von Ungarn und beteiligte sich an den Türkenkriegen der Jahre 1453–56, die er auch in seinen Gedichten behandelte. Am Hofe Kaiser Friedrichs III. erduldete er mit diesem die Belagerung der kaiserlichen Hofburg durch die Wiener 1462 und besang sie in seinem ausführlichen »Buch von den Wienern« (hrsg. von Karajan, Wien 1843) mit grimmigen Ausfällen auf die aufsässigen Bürger. 1469–72 dichtete er in Heidelberg eine von Schmeichelei überströmende Geschichte des Pfalzgrafen Friedrich I. in Anlehnung an die Prosachronik des Matthias v. Kemnat (hrsg. von K. Hofmann in den »Quellen und Erörterungen zur bayrischen und deutschen Geschichte«, Bd. 3, Münch. 1863). Hölzern nach Inhalt und Form, sind Behaims außerordentlich zahlreiche Gedichte doch von Interesse für die Zeitgeschichte und für die Geschichte des ältern Meistergesangs, dessen Gattungen ziemlich vollständig in ihnen vertreten sind. Zehn Gedichte sind herausgegeben von Karajan in den »Quellen und Forschungen zur Geschichte der vaterländischen Literatur u. Kunst«, Bd. 1 (Wien 1848), andre in Hagens »Sammlung für altdeutsche Literatur und Kunst« (Bresl. 1812); geistliche Lieder in Wackernagels »Deutschem Kirchenlied«, Bd. 2 (Leipz. 1867). Vieles ist noch ungedruckt.

2) (Böheim) Martin, lat. Martinus de Boemia, Kosmograph, geb. um 1459 (1436), gest. 29. Juli 1506 in Lissabon, aus einem altadligen Nürnberger Geschlecht, ging 1481 nach Lissabon, wo er in die Junta dos mathematicos zur Verbesserung der Steuermannskunst aufgenommen wurde und den Jakobsstab und die Ephemeriden des Regiomontan in die portugiesische Marine einführte. 1484 begleitete er den Admiral Diego Cão auf seiner Entdeckungsreise nach der Westküste Afrikas, bei der die Kongomündung entdeckt wurde. 1486 ging er nach der azorischen Insel Fayal, 1491 nach Nürnberg und hinterließ dort den noch jetzt vorhandenen großen Erdglobus (Doppelmayrs »Historische Nachrichten von nürnbergischen Mathematicis und Künstlern«, Nürnb. 1730; vgl. die Geschichtskarte I bei Artikel »Erdkunde«, Fig. 4), 1493 kehrte er nach Fayal zurück. B. hatte große Verdienste um die Nautik und Geographie seiner Zeit. Er war mit Kolumbus und Magalhães befreundet, doch war sein Einfluß auf ihre Entdeckungen sehr gering, und die früher oft geäußerte Behauptung, B. sei der eigentliche Entdecker der Neuen Welt, hat keine Berechtigung. 1890 wurde ihm in Nürnberg ein Denkmal (von Rößner) errichtet. Vgl. Murr, Diplomatische Geschichte des berühmten Ritters von B. (2. Aufl., Gotha 1801); A. v. Humboldt, Kritische Untersuchungen etc., Bd. 1 (Berl. 1836); Ghillany, Geschichte des Seefahrers Ritter Martin B. (Nürnb. 1853); Günther, Martin B. (Bamb. 1890).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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