Christoph


Christoph

Christoph, Name zahlreicher Fürsten, von denen bemerkenswert sind:

[Bayern.] 1) C. der Kämpfer, Herzog von Bayern, Sohn Albrechts III., geb. 6. Jan. 1419, gest. 15. Aug. 1493, einer der gefürchtetsten Haudegen seiner Zeit, erhielt, während sein Bruder Albrecht sich 1467 der Alleinherrschaft in Bayern bemächtigte, nur einige Güter und Schlösser. Um die Teilnahme an der Regierung zu erzwingen, stiftete er die »Gesellschaft der Böckler des Einhorns«, wurde jedoch von Albrecht 1471 im Bad ergriffen, in der Neuen Feste zu München gefangen gesetzt und erst nach 19 Monaten nach Einspruch der Stände wieder entlassen. Auch ein zweiter Empörungsversuch mißglückte; C. trat nun 1475 seinen Anteil an der Herrschaft auf 10 Jahre förmlich an Albrecht ab und erhielt dafür Schloß und Stadt Landsberg, das Schloß Pähl und die Stadt Weilheim. Er kämpfte im flandrischen Krieg sowie in dem Heer des Herzogs Georg, das dem Kaiser Maximilian gegen Ungarn zu Hilfe eilte: C. war der erste auf den Mauern von Stuhlweißenburg und öffnete dem Kaiser die Tore. Nach Ablauf der zehnjährigen Vertragsfrist wünschten die C. übergebenen Städte Befreiung von dessen harter Herrschaft; zugleich kündigten 59 Adlige C. Fehde an, so daß er weichen mußte. An der Spitze des Löwlerbundes empörte er sich mit dem unzufriedenen Adel zum drittenmal gegen Albrecht, zog dann in Begleitung mehrerer Fürsten und Edlen nach Palästina und starb, mit seinem Bruder versöhnt, auf der Rückreise auf Rhodos. Die Sagen über C. behandelt: Trautmann, Die Abenteuer Herzogs C. von Bayern (3. Aufl., Regensb. 1880).

[Könige von Dänemark.] 2) C. I., Sohn Waldemars II. (s.d.), geb. 1219, gest. 1259 durch Gift, ward 1252 Nachfolger seines Bruders Abel, an dessen Sohn er 1254 Schleswig abtrat, geriet in einen scharfen Konflikt mit der Hierarchie, der 1259 zur Verhaftung des Erzbischofs Jakob Erlandsson von Lund führte, worauf sich das mit dem Bann belegte Land mehrfach gegen C. erhob.

3) C. II., Enkel des vorigen, geb. 1276, gest. 2. Aug. 1332, Sohn König Erichs V. (s.d.) und Agnetens von Brandenburg, folgte seinem Bruder Erich VI. (s.d.) durch die Wahl der Stände, nachdem er eine Wahlhandfeste beschworen. Infolge seiner Willkür 1326 vertrieben, gelangte er 1330 wieder auf den Thron, wurde aber schon 1331 durch Graf Gerhard von Holstein geschlagen und starb in einer Art Gefangenschaft.

4) C. III. (als König von Schweden C. I.), Sohn des Pfalzgrafen Johann von Bayern und Katharinas von Pommern, geb. 16. Febr. 1418, gest. 6. Jan. 1448, folgte seinem Oheim Erich XIII. (s.d.) 1410 in Dänemark, 1441 in Schweden, 1442 in Norwegen. Er residierte meistens im Schlosse zu Kopenhagen, suchte als ausgesprochener Gegner der Hansa deren Handelsvorherrschaft in den Unionsländern möglichst einzuschränken und erwarb sich um die Rechtspflege in Schweden durch Revision des alten »Landesgesetzes« (1442) Verdienste. 1445 heiratete er Dorothea von Brandenburg, die Tochter Johanns des Alchimisten.

[Oldenburg.] 5) C., Graf von Oldenburg, geb. 1502 oder 1504 als jüngerer Sohn des Grafen Johann XIV., gest. 4. Aug. 1566, wurde geistlich, auch Domherr in Köln und Propst in Bremen; später war er eifriger Förderer der Reformation und trug zu deren Einführung in seiner Heimat wesentlich bei. Er lebte meist am Hofe des Landgrafen Philipp von Hessen und war mit dessen Gefolge in der Schlacht bei Frankenhausen (1525). Zu gunsten seines Vetters, des entthronten Königs Christian II. von Dänemark, stellte sich C. in der »Grafenfehde« 1534 an die Spitze des Lübeckischen Heeres, eroberte Holstein und Kopenhagen und ließ sich 1534 als Gubernator des dänischen Reiches huldigen, wurde aber 1536 durch Christian III. aus Dänemark vertrieben. Er lebte fortan meist auf seinem Familiensitz zu Rastede der Förderung der evangelischen Lehre und humanistischen Studien. Nur 1546–47 nahm er als Oberst im evangelischen Heer am Schmalkaldischen Kriege teil und schlug mit Albrecht von Mansfeld den Herzog Erich von Braunschweig 23. Mai 1547 bei Drakenborg. Milde Stiftungen erhielten seinen Namen der Nachwelt. Vgl. v. Alten, Graf Christoff von Oldenburg und die Grafenfehde (Hamb. 1853)

[Württemberg.] 6) C., der vierte Herzog von Württemberg, geb. 12. Mai 1515 in Urach, gest. 28. Dez. 1568 in Stuttgart, war der einzige Sohn Herzog Ulrichs und der bayrischen Prinzessin Sabina. Er wurde nach der Vertreibung seines Vaters durch den Schwäbischen Bund 1520–32 an den Höfen Ferdinands von Österreich und Karls V. erzogen. Da der Kaiser das Herzogtum Württemberg, das der Schwäbische Bund an ihn verkauft hatte, dauernd an Habsburg bringen wollte, gab er es 1530 seinem Bruder Ferdinand als erbliches Lehen, während C. dem Kaiser nach Italien und Spanien folgen sollte. Doch C. entfloh mit Hilfe seines Freundes und Lehrers Tissernus und verbarg sich eine Zeitlang bei seinen Verwandten in Bayern. Mit Herzog Ulrich, der durch den Sieg bei Lauffen (13. Mai 1534) sein Herzogtum wiedergewonnen hatte, kehrte auch C. in die Heimat zurück, trat aber, vom mißtrauischen Vater unfreundlich aufgenommen, in französische Kriegsdienste. 1542 von Ulrich zurückgerufen, wurde er Statthalter von Mömpelgard und vermählte sich 1544 mit Anna Maria von Ansbach. Nach Ulrichs Tode (1550) trat er die Regierung in Württemberg an, gerade als das durch den Krieg zerrüttete Land als durch Ulrichs Teilnahme am Schmalkaldischen Kriege verwirktes Afterlehen dem österreichischen Hause zugesprochen werden sollte. Fest und klug überwand C. alle Schwierigkeiten und erhielt 1553 gegen Anerkennung der Lehnshoheit Österreichs und Zahlung einer Summe von 250,000 Gulden den erblichen Besitz Württembergs zugesichert. C. sorgte eifrig für die innern Angelegenheiten. Er erneuerte den Tübinger Vertrag, die Grundlage der landständischen Verfassung, ließ das württembergische Landrecht abfassen, förderte Ackerbau, Handel und Gewerbe und erließ 1559 die sogen. große Kirchenordnung, führte die reine lutherische Lehre anstatt des Interims ein, gründete Klosterschulen zur Bildung evangelischer Theologen, erweiterte die Universität Tübingen und schuf aus den eingezogenen Klostergütern das Kirchengut der evangelischen Kirche Württembergs. An den kirchlichen Angelegenheiten des Reiches nahm C. den lebhaftesten Anteil, indem er sich, freilich vergeblich, bemühte, nicht bloß unter den beiden protestantischen Konfessionen die Einigkeit aufrecht zu erhalten, sondern sich auch mit den deutschen Katholiken zu verständigen. Er erschien persönlich auf zahlreichen Zusammenkünften in Religionssachen und führte einen ausgedehnten Briefwechsel; bei Kaiser Maximilian II. stand er in hoher Gunst. Auch nahm er sich der Protestanten in Österreich, Graubünden und Friaul an. In Stuttgart, wo auf dem Schloßplatz seit 1889 sein Erzstandbild steht, baute er das jetzt sogen. alte Schloß; beigesetzt wurde er in der Stiftskirche zu Tübingen. Vgl. B. Kugler, C., Herzog zu Wirtemberg (Stuttg. 1868–72, 2 Bde.). Seinen Briefwechsel mit P. Vergerius gab der Stuttgarter Literarische Verein (1875), Bruchstücke desjenigen um Herzog Albrecht von Preußen Th. Wichert (Königsb. 1877) heraus, den mit Kaiser Maximilian II. schon Lebret (Ulm 1785). Eine neue umfassende Ausgabe, bearbeitet von Vittor Ernst, erscheint im Auftrag der Württembergischen Kommission für Landesgeschichte (Stuttg. 1899–1903, Bd. 1–3).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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