Bann [1]


Bann [1]

Bann (mittellat. bannus oder bannum, franz. ban, ital., span. und portug. bando, vom altdeutschen Ban), nach I. GrimmDeutsche Rechtsaltertümer«, S. 732) ursprünglich soviel wie Gebot und Verbot. Doch wird der Ausdruck bannus oder B. in den altdeutschen Rechtsbüchern noch vielfach in andrer und weiterer Bedeutung gebraucht. Im fränkischen Reich verstand man unter B. die gesamte königliche Regierungsgewalt, die in den Heerbann und den Gerichtsbann (Militär- und Zivilgewalt) zerfiel. Zuweilen wird unter B. auch eine königliche Verordnung verstanden, die etwas bei Strafe gebietet oder verbietet, wie auch diese Strafe oder Buße selbst als B. bezeichnet wird. Der fränkische bannus oder das Strafgeld betrug regelmäßig 60 Schilling (solidi). Die Kriminalgerichtsbarkeit insbes. hieß Blut- oder Königsbann. Ferner bezeichnete B. die Strafe, die denjenigen traf, der sich trotz wiederholter feierlicher Ladung nicht vor Gericht stellte, d. h. vorzugsweise Verbannung aus dem Gebiet und Friedlosigkeit (s. Acht), ebenso bei der Kirche den Ausschluß aus ihrer Gemeinschaft (s. unten). Endlich pflegte man den Bezirk, wo jemand eine ausschließliche Gerichtsbarkeit oder auch nur ein gewerbliches Verbietungsrecht zustand, B. zu nennen, daher die Ausdrücke Gerichtsbann, Burgbann, Bannmeile, Bannrecht (s. d.) etc. Bildlich gebraucht man das Wort im Sinne von Fluch oder Zauber, von Fessel oder Verbot überhaupt, ohne daß letzteres von einem Richter ausgesprochen wurde.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Bann — Sm std. alt. (9. Jh., latinisiert seit dem 7. Jh.), mhd. ban, ahd. ban, as. ban Stammwort. Aus g. * banna m. Aufgebot, Befehl, Bann , auch in afr. ban(n), bon, anord. bann (n.) Verbot , ae. geban(n). Abstraktum zu g. * bann a Vst. aufbieten,… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Bann — »Ausschluss aus der ‹kirchlichen› Gemeinschaft«, (früher auch:) »Gerichtsbarkeit, Rechtsbezirk«: Das altgerm. Wort (mhd., ahd. ban »Gebot, Aufgebot«, niederl. ban, engl. ban, schwed. bann) gehört zu dem starken Verb ahd. bannan, mhd. bannen… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Bann — may refer to:*Banns of marriage *River Bann *River Bann (Wexford) *Bann, Germany, a municipality in Rhineland Palatinate, Germany …   Wikipedia

  • Bann — est un toponyme pouvant désigner: Sommaire 1 Toponyme 1.1  Allemagne 1.2  Irlande 1.3  Royaume Uni …   Wikipédia en Français

  • Bann [3] — Bann (auch Upper B., spr. bänn), Fluß in Irland, entspringt auf den Mournebergen in der Grafschaft Down, östlich von Newry, durchströmt den Neaghsee und mündet unterhalb Coleraine nach 137 km langem Lauf an der Nordküste in den Ozean …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Bann [1] — Bann (Bannus), 1) was die Freiheit eines Menschen einschränkt; 2) oberherrlicher Zwang; 3) Gebot od. Verbot einer Obrigkeit; 4) der Aufruf u. Zwang zur Heeresfolge, vgl. Ban; 5) so v.w. Bannrecht; 6) die vollständige Gerichtsbarkeit, z.B. Blut ,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Bann [2] — Bann, 1) Fluß in Irland, entspringt in der Grafschaft Down, geht durch Armagh, bildet den See Neagh, scheidet die Grafschaften Antrim u. Londonderry, ist durch einen Kanal mit dem Irischen Meere verbunden u. mündet nördlich ins Atlantische Meer;… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Bann [2] — Bann (hebr. Cherem), das Verbotene, dessen Besitz und Verwendung den Israeliten nicht gestattet und als Gottesgreuel, mit dem Fluche behaftet, dem Heiligtum, bez. der Vernichtung geweiht war. Ursprünglich war er ein Gelübde, vermöge dessen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Bann — Bann, im Mittelalter das Recht eines öffentlichen Würdenträgers, bei Strafe etwas zu gebieten oder zu verbieten, auch das Gebot oder Verbot selber und die betreffende Strafe. Daher Königs B., Heer B. (kriegerisches Aufgebot), Blut B.… …   Kleines Konversations-Lexikon