Gérard


Gérard

Gérard (spr. scherār), 1) Balthasar, geb. 1562 zu Villasons in der Franche-Comté, faßte als fanatischer Katholik den von mehreren Mönchen und selbst Alexander von Parma gebilligten Plan, Wilhelm von Oranien zu ermorden, trat unter dem Namen Franz Guion in dessen Dienste und tötete jenen 10. Juli 1584 auf der Treppe seines Palastes zu Delft durch einen Pistolenschuß mit drei Kugeln. Er wurde 24. Juli 1584 gevierteilt; Philipp II. von Spanien aber erhob die Familie des Mörders in den Adelstand.

2) François Pascal, Baron von, franz. Maler, geb. 4. Mai 1770 in Rom, gest. 11. Jan. 1837 in Paris, kam mit seinem Vater, einem Franzosen als Kind nach Paris und trat in das Atelier des Bildhauers Pajou, verließ es jedoch bald wieder, da ihn die Malerei mehr anzog als die Plastik, und bildete sich unter David zum Maler aus. 1789 gewann er mit seinem Bild: Joseph wird von seinen Brüdern erkannt, den zweiten Preis und erhielt dann mit Girodet von Didot den Auftrag, die Zeichnungen zu den Prachtausgaben des Vergil (Eklogen und Georgica), den Hirtengeschichten des Longus und den Tragödien Racines zu liefern. 1795 erregte er durch seinen blinden Belisar (St. Petersburg) allgemeine Aufmerksamkeit; es folgten: Psyche empfängt den ersten Kuß Amors (1798, im Louvre); die vier Lebensalter (1806, in Neapel), gestochen von R. Morghen; Homer, gestochen von A. Massard; die Schlacht bei Austerlitz (1811), gestochen von Godefroy; der Einzug Heinrichs IV. in Paris, gestochen von Toschi (1814). Dieses Bild (im Museum zu Versailles) brachte dem Künstler den Baronstitel, die Stelle eines königlichen Hofmalers und das Kreuz der Ehrenlegion ein. Weniger gelungen war seine Salbung Karls X. in dem großen, 1827 vollendeten Krönungsgemälde; das Werk wurde während des Julikampfes (1830) großenteils vernichtet. Bewunderte Bilder Gérards sind ferner: Daphnis und Chloe (1824, im Louvre), Korinna auf dem Kap Miseno, die Pest zu Marseille, Ludwig Philipp im Stadthaus etc. G. folgte im allgemeinen der Richtung Davids, doch war er seiner und wahrer im Kolorit. Den größten Ruhm erwarb sich G. als Porträtmaler, weshalb er der Maler der Könige und der König der Maler genannt wurde. Die berühmtesten und merkwürdigsten Persönlichkeiten, die in dem Zeitraum von 1789–1837 nach Paris kamen, wurden von G. porträtiert. Diesen Ruhm hat er jedoch weniger der Schärfe seiner Charakteristik als der Vornehmheit seiner Auffassung und der Eleganz and Glätte seines Kolorits zu danken. Zwei seiner Meisterwerke auf diesem Gebiete sind der Maler Isabey und seine Tochter (im Louvre) und das Bildnis der Madame Récamier. Ein Bildnis Napoleons I. im Krönungsornat besitzt die Dresdener Galerie. Seine Porträte begann er 1826 u. d. T.: »Collection des portraits historiques de Mr. le baron G., premier peintre du Roi, gravés à l'eau-forte par M. Pierre Adam, précédée d'une notice sur le portrait historique« zu veröffentlichen. Vgl. Lenormant, François G., peintre d'histoire (Par. 1847); Adam, Œuvres du baron F. G. (das. 1852–57, 3 Bde.); Henri Gérard, Correspondance de F. G. (das. 1867); Ephrussi in der »Gazette des beaux-arts«, 1890.

3) Etienne Maurice, Graf, Marschall von Frankreich, geb. 4. April 1773 in Damvilliers (Maas), gest. 17. April 1852 in Paris, kämpfte 1794 als Freiwilliger in der Nordarmee bei Fleurus, wurde Hauptmann und Adjutant Bernadottes und diente unter diesem am Rhein und in Italien. 1798 wohnte er dem letzten Feldzug in der Vendée und als Oberst der Schlacht bei Austerlitz bei, machte als Brigadegeneral den Feldzug von 1806 mit und zeichnete sich in der Schlacht bei Wagram, dann in Spanien aus. Im russischen Feldzug 1812 trug er zur Einnahme von Smolensk wesentlich bei, wofür er zum Grafen erhoben wurde. 1813 hatte er das hauptsächlichste Verdienst an dem Sieg bei Bautzen, worauf er das Kommando über das 11. Armeekorps erhielt. Bei Leipzig schwer verwundet, übernahm er doch bereits gegen Ende des Jahres den Oberbefehl über das Reservekorps von Paris, kommandierte bei La Rothière den rechten Flügel und erfocht bei Montereau einen bedeutenden Vorteil über ein feindliches Korps. Nach der Rückkehr des Kaisers 1815 kämpfte er ruhmvoll bei Ligny und wurde bei Wavre schwer verwundet. 1822 als Deputierter in die Kammer gewählt, schloß er sich der liberalen Opposition an. Nach der Julirevolution ernannte ihn Ludwig Philipp zum Kriegsminister und zum Marschall. Im Oktober 1830 legte er das Portefeuille nieder, übernahm jedoch im August 1831 den Oberbefehl über die Armee, die Belgien gegen Holland zu Hilfe eilte, drängte die Holländer in einem 13tägigen Feldzug aus Belgien und erzwang 27. Dez. 1832 die Übergabe der hartnäckig verteidigten Zitadelle von Antwerpen. 1834 war er nochmals Kriegsminister. 1835 wurde er Großkanzler der Ehrenlegion und 1838 Oberbefehlshaber der Nationalgarde, doch legte er wegen völliger Erblindung 1842 sein Amt nieder. 1855 ward ihm in Damvilliers, 1856 in Paris eine Statue errichtet.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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