Versailles


Versailles

Versailles (spr. werßáj'), Hauptstadt des franz. Depart. Seine-et-Oise, 139 m ü. M., auf einer im N. und S. von bewaldeten Anhöhen begrenzten Hochebene 17 km südwestlich von Paris, an den Linien Paris (Rive Droite)-V., Paris (Rive Gauche)-V., Paris-Granville und Paris-Brest der Westbahn und der Großen Pariser Gürtelbahn gelegen, durch Straßenbahn mit Paris und durch Dampfstraßenbahn mit St.-Cyr verbunden, ist regelmäßig angelegt, aber wenig belebt und hat einen großen Platz (Place d'Armes), von dem drei breite, gerade Straßen (Avenues de St.-Cloud, de Paris und de Sceaux) auslaufen. Die Stadt ist Sitz des Präfekten, eines Gerichts- und Assisenhofs, eines Handelsgerichts sowie eines Bischofs, hat eine Kathedrale St.-Louis (18. Jahrh.), eine 1684–86 von J. H. Mansart erbaute Kirche Notre-Dame, 6 andre Kirchen, ein berühmtes Schloß mit Park (s. unten), ein ehemaliges Ballhaus (von 1686, mit einem Museum der Revolution), ein neues Stadthaus (1898–1900), Denkmäler von Hoche, Houdon, dem Abbé de l'Epée und Albert Joly, ein großes und ein kleines Seminar, ein Lyzeum, eine Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt, ein Mädchenlyzeum, eine Gartenbauschule, eine Gewerbeschule, ein städtisches Konservatorium, eine Bibliothek (150000 Bände), Volksbibliothek, Theater, Handelskammer, Ackerbaukammer, eine Filiale der Bank von Frankreich, Fabrikation von Werkzeugen, Kesseln, Gittern, Tonwaren, Zement, Chemikalien etc., Branntweinbrennerei, Gemüsebau, Gartenkultur, Handel und (1906) 54.596 (als Gemeinde 54,820) Einw. Das Schloß von V. wurde mit Einbeziehung eines bereits von Ludwig XIII. 1626 hier errichteten Jagdschlosses unter Ludwig XIV. von Levau und besonders von J. H. Mansart 1662–88 erbaut, mit Skulpturen und Gemälden reich ausgestattet und mit großartigen, von Lenôtre entworfenen Gartenanlagen umgeben. Um das Schloß entwickelte sich allmählich die Stadt, da Ludwig XIV. die Bautätigkeit möglichst förderte. Auch Ludwig XV. und Ludwig XVI. residierten hier, und während dieser Zeit erhob sich die Bevölkerung auf mehr als 100,000 Seelen. 1832 wurde das Schloß unter Ludwig Philipp wiederhergestellt und zu einem großartigen historischen Nationalmuseum eingerichtet, das mit Büsten, Porträten, Schlachtenbildern und andern Kunstwerken, von vorwiegend historischem Werte (darunter Meisterwerke von H. Vernet, Delacroix, A. Scheffer, Yvon u. a.), geschmückt wurde. Das Schloß hat eine Länge von 415 m und besteht aus einem gegen den Park vorspringenden Mittelbau und zwei langgestreckten Seitenflügeln. Den großen, von der Place d'Armes durch ein Gittertor getrennten Schloßhof schmückt ein Reiterstandbild Ludwigs XIV. (1832, von Cartellier und Petitot), umgeben von sechs Statuen historischer Persönlichkeiten. Hervorragende Räume des Schlosses sind: die Galerie de l'Empire (14 Säle mit Bildern aus den Kriegen 1796–1810), die Galerie de Sculpture (mit Bildwerken von Persönlichkeiten des 17. und 18. Jahrh.), die Galerie des Batailles (120 m lang, 13 m breit) und die Salle de 1830, im südlichen Flügel; die großartige Galerie des Glaces (73 m lang, 10 m breit und 13 m hoch), der Salon de la Guerre, die Zimmer des Königs und der Königin, im Mittelbau; die Galerie de l'Histoire de France, die Salles des Croisades, eine Galerie de Sculpture (mit ältern Bildwerken), die Säle mit Gemälden aus der neuern Geschichte, das 1770 erbaute Theater, in dem 1871–79 zuerst die Nationalversammlung, dann der Senat tagte, und die 1699–1710 von Mansart und Cotte erbaute, reichgeschmückte Schloßkapelle, im nördlichen Flügel. Der Park senkt sich vom Schloß terrassenförmig herab und macht, wenn auch in dem steifen Stil jener Zeit gehalten, doch mit seinen Blumenbeeten, Rasenteppichen, seiner Orangerie, seinen Bassins und Springbrunnen und den zahlreichen Bildwerken einen großartigen Eindruck (vgl. Tafel »Gartenkunst«, Fig. 2 u. 6). Die Wasserwerke (beschrieben von Gavin 1899, von Barbet 1907), die an bestimmten Tagen in Betrieb gesetzt werden, ziehen ungeheure Scharen von Zuschauern herbei. Im Park von V. liegen die beiden Lustschlösser Trianon (s. d.). V. ist der Geburtsort Ludwigs XV., XVI. und XVIII., Karls X., der Generale Berthier und Hoche, des Abbé de l'Epée, des Dichters Ducis, des Bildhauers Houdon, des Ingenieurs Lesseps u. a. – In V. ward 3. Sept. 1783 der Friede zwischen Frankreich und Nordamerika einerseits und England anderseits geschlossen. Am 1. Juli 1815 fand hier ein Gefecht zwischen den Preußen und Franzosen statt. Vom 5. Okt. 1870 bis 13. März 1871 war V. Sitz des großen Hauptquartiers der deutschen Armeen, und 18. Jan. 1871 ward hier in der Spiegelgalerie des Schlosses König Wilhelm I. von Preußen zum deutschen Kaiser proklamiert. Die Friedenspräliminarien wurden 26. Febr. 1871 in V. unterzeichnet. Am 10. März 1871 verlegte die Nationalversammlung den Regierungssitz von Bordeaux nach V.; erst 1879 wurde er wieder nach Paris verlegt. Jedoch treten hier die Deputiertenkammer und der Senat zum Kongreß (Nationalversammlung) behufs Revision der Verfassung und zur Wahl des Präsidenten der Republik zusammen. Vgl. Laborde, V. ancien et moderne (Par. 1840); Gavard, Galeries historiques de V. (das. 1837–44, 10 Bde., mit 1550 Tafeln; Supplement 1847–49, 6 Bde.); Boudin, Histoire généalogique du musée des croisades, palais de V. (das. 1858–66, 4 Bde.); Dussieux, Le château de V. (2. Aufl., das. 1887, 2 Bde.); Laurent-Hanin, Histoire municipale de V. (das. 1885–89, 4 Bde.); de Nolhac und Pératé, Le musée national de V (das. 1896) und andre Werke von Nolhac (s. d.); Gille, V. et les deux Trianons (illustriert von Lambert, Tours 1908, 2 Bde.); Pératé, V. (Par. 1904; deutsche Ausg. als Bd. 34 der »Berühmten Kunststätten«, Leipz. 1906); Bertrand, V. (Par. 1906).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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