Fabricĭus [2]

Fabricĭus [2]

Fabricĭus, 1) Georg, eigentlich Goldschmied, Schulmann und neulat. Dichter, geb. 23. April 1516 in Chemnitz, gest. 17. Juli 1571 in Meißen, studierte seit 1535 in Leipzig, war Lehrer zu Chemnitz und Freiberg, lebte 1539–43 als Hofmeister eines Herrn v. Werthern in Italien, besonders in Padua und Rom, ging 1544 in gleicher Stellung nach Straßburg und wurde 1546 Rektor der Fürstenschule zu Meißen; auf dem Reichstag zu Speyer 1570 wurde er zum Poeta laureatus ernannt. Von seinen lateinischen Gedichten nennen wir: »Itinerum liber unus« (Basel 1547), eine Beschreibung seiner italienischen Reise, und »Poematum sacrorum libri XXV« (am vollständigsten das. 1567). Als Philolog lieferte er Ausgaben des Horaz (Basel 1555, 2 Bde., u. ö.), Vergil (das. 1551 u. ö.) u. a., Beiträge zur Topographie und den Altertümern der Stadt Rom sowie Schulbücher. Auch verfaßte er mehrere Werke zur sächsischen Geschichte. Seine »Epistolae ad Meurerum et alios aequales« gab Baumgarten-Crusius (Leipz. 1845) heraus, die »Epistolae ad Andream fratrem« H. Peter (Meißen 1892). Vgl. Baumgarten-Crusius, De G. Fabricii vita et scriptis (das. 1839); Flathe, St. Afra. Geschichte der sächsischen Fürstenschule zu Meißen (Leipz. 1879).

2) Hieronymus F. de Aquapendente, Mediziner, geb. 1537 zu Aquapendente im Kirchenstaat, gest. 23. Mai 1619, studierte in Padua und ward daselbst 1562 Lehrer der Anatomie und Chirurgie. Zahlreiche Entdeckungen in der Anatomie und Entwickelungsgeschichte und eine Menge chirurgischer Beobachtungen haben seinen Namen unsterblich gemacht. Seine »Opera chirurgica« erschienen Padua 1617 (deutsch von Scultet, Nürnb. 1672); die »Opera omnia anatomica et physiologica« gaben Bohn (Leipz. 1687) und Albinus (Leiden 1737) heraus.

3) David, Astronom, geb. 1564 zu Esens im Harlingerland, gest. 7. Mai 1617, studierte Theologie und Astronomie, ward 1584 Pfarrer zu Resterhaave in Ostfriesland, 1603 zu Osteel bei Aurich und hier von einem Bauer seiner Gemeinde, den er auf der Kanzel als Dieb bezeichnet hatte, erschlagen. Bekannt durch die Entdeckung des veränderlichen Sterns o im Walfisch (1596). – Sein Sohn Johann, geb. 8. Jan. 1587 in Resterhaave, gest. um 1615, studierte von 1605 an in Wittenberg Medizin, bildete sich aber dann bei seinem Vater in der Astronomie aus und entdeckte 1610 die Sonnenflecke sowie die Achsendrehung der Sonne. Er schrieb: »Narratio de maculis in sole observatis et apparente earum cum sole conversione« (Wittenberg 1611). 1895 wurde beiden in Osteel ein Denkmal errichtet.

4) Johann Albert, Literarhistoriker, geb. 11. Nov. 1668 in Leipzig, gest. 30. April 1736 in Hamburg, studierte seit 1686 in Leipzig Theologie und Philologie, eine Zeitlang auch Medizin, nahm 1693 in Hamburg eine Privatstellung an und war seit 1699 Professor am akademischen Gymnasium daselbst, 1708 bis 1711 auch Rektor des Johanneums. Durch Gelehrsamkeit und Sorgfalt gleich ausgezeichnet, ist er der Begründer der klassischen Literaturgeschichte. Hierher gehören: »Bibliotheca latina« (Hamb. 1697; neu hrsg. von Ernesti, Leipz. 1773–74, 3 Bde.); »Bibliotheca graeca« (Hamb. 1705–28, 14 Bde.; 4. Aufl. von Harleß, das. 1790–1809, 12 Bde.; mit Index, Leipz. 1838) und »Bibliotheca latina mediae et infimae aetatis« (Hamb. 1734–36, 5 Bde.; von Schöttgen in einem 6. Bande, das. 1746, vollendet und von Mansi neu aufgelegt, Padua 1754, 6 Bde.). Von seinen übrigen zahlreichen philologischen und theologischen Schriften nennen wir: »Bibliographia antiquaria« (Hamb. 1713; 3. Aufl. von Schafshausen, das. 1760); »Bibliotheca ecclesiastica« (das. 1718); die Ausgaben des Sextus Empiricus (Leipz. 1718) und Dio Cassius (vollendet von Reimarus, Hamb. 1750–52). Vgl. Reimarus, De vita et scriptis J. A. Fabricii (Hamb. 1737).

5) Johann Christian, Entomolog, geb. 7. Jan. 1743 in Tondern, gest. 3. März 1808 in Kiel, studierte in Kopenhagen, Leiden, Edinburg, Freiberg in Sachsen und zu Upsala unter Linné, dessen Grundsätze und Methode er sich völlig aneignete. Er wurde Professor der Ökonomie in Kopenhagen und 1775 Professor der Naturgeschichte zu Kiel. In seinem »Systema entomologiae« (Kopenh. 1775; umgearbeitet 1792–94, 3 Bde.; Suppl. 1798) ordnete er die Insekten nach der Beschaffenheit der Freßwerkzeuge und wies dadurch der Entomologie eine ganz neue Bahn an. Außerdem schrieb er: »Philosophia entomologica« (Kopenh. 1778); »Species insectorum« (Hamb. u. Kiel 1781, 2 Bde.); »Genera insectorum« (Kiel 1777); »Systema Eleutheratorum« (das. 1801, 2 Bde.); »Reise nach Norwegen« (Hamb. 1779).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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