Harleß


Harleß

Harleß, 1) (ursprünglich Harles) Gottlieb Christoph, Humanist, geb. 21. Juni 1738 in Kulmbach, gest. 2. Nov. 1815 in Erlangen, studierte seit 1757 in Erlangen, Halle und Jena, habilitierte sich 1764 in Erlangen und wurde 1765 außerordentlicher Professor daselbst, 1770 ordentlicher Professor der Poesie und Beredsamkeit. Seine zahlreichen Schriften, besonders zur klassischen Literaturgeschichte, sowie Ausgaben erweisen ihn als fleißigen Sammler. Am verdienstvollsten ist seine Besorgung der 4. Auflage von Fabricius' »Bibliotheca graeca« (Hamb. 1790–1809, 12 Bde., doch nicht ganz vollständig; dazu »Index«, Leipz. 1838). Sein Leben beschrieb sein Sohn Christian Friedr. H. (Erlang. 1818).

2) Johann Christian Friedrich, Mediziner, Sohn des vorigen, geb. 11. Juni 1773 in Erlangen, gest. 11. März 1853 in Bonn, studierte in Erlangen, wurde 1796 außerordentlicher, 1805 ordentlicher Professor und Mitdirektor des klinischen Instituts daselbst und 1818 Professor der Pathologie und Therapie in Bonn. Er schrieb: »Geschichte der Hirn- und Nervenlehre im Altertum« (Erlang. 1801); »Die Krankheiten des Pankreas« (Nürnb. 1812); »Handbuch der ärztlichen Klinik« (Leipz. u. Kobl. 1817–26, 3 Bde.); »Die sämtlichen Heilquellen und Kurbäder des südlichen und mittlern Europas, Westasiens und Nordafrikas« (Berl. 1846–48, 2 Tle.; unvollendet). Ein Teil seiner kleinern Schriften erschien unter dem Titel: »Opera minora academica« (Leipz. 1815). Er gab auch das »Journal der ausländischen und medizinischen Literatur« (mit Hufeland und Schreyer, Nürnb. 1802–10, 10 Bde.), die »Jahrbücher der deutschen Medizin und Chirurgie« (das. 1813–19) und die »Rheinischen Jahrbücher« (1819 ff.) heraus. Vgl. »Chr. Friedr. Harleß« (Berl. 1857).

3) Gottlob Christoph Adolf, hervorragender Vertreter der lutherischen Orthodoxie, geb. 21. Nov. 1806 in Nürnberg, gest. 5. Sept. 1879 in München, 1828 Privatdozent bei der philosophischen, 1829 bei der theologischen Fakultät in Erlangen, war Lehrer am dortigen Gymnasium, 1833 außerordentlicher und 1836 ordentlicher Professor der Theologie und Universitätsprediger. Infolge seiner Beteiligung an der Debatte über die Kniebeugung (s. d.) auf dem bayrischen Landtag 1842/43 wurde er 1845 als Konsistorialrat nach Bayreuth versetzt. In demselben Jahr jedoch folgte er einem Ruf als Professor an die Universität zu Leipzig, wo er 1847 auch Prediger an der Nikolaikirche wurde. Durch seine Ernennung zum Oberhofprediger, Geheimen Kirchenrat im Ministerium des Kultus und Vizekonsistorialpräsidenten in Dresden (1850) gewann er den bedeutendsten Einfluß auf die Gestaltung der kirchlichen Verhältnisse Sachsens. Doch vertauschte er diese Stellung im November 1852 mit der eines Präsidenten des protestantischen Oberkonsistoriums in München, woselbst es ihm gelungen ist, der gesamten lutherischen Landeskirche Bayerns wieder eine streng konfessionale Färbung zu verleihen. 1838 begründete er die »Zeitschrift für Protestantismus und Kirche«, die er bis 1845 herausgab. Außer seinen Predigten in der »Sonntagsweihe« (2. Aufl., Leipz. 1859–60, 4 Bde.) schrieb er: »Kommentar über den Brief Pauli an die Epheser« (Erlang. 1834, 2. Aufl. 1858); »Theologische Enzyklopädie und Methodologie vom Standpunkt der protestantischen Kirche« (Nürnb. 1837); »Die christliche Ethik« (Stuttg. 1842; 8. Aufl., Gütersloh 1893); »Kirche und Amt nach lutherischer Lehre« (Stuttg. 1853); »Das Verhältnis des Christentums zu Kultur- und Lebensfragen der Gegenwart« (Erlang. 1863, 2. Aufl. 1866); »Aus dem Leben, in Lied und Spruch« (Stuttg. 1865); »Aus Luthers Lehrweisheit« (Münch. 1867); »Geschichtsbilder aus der lutherischen Kirche Livlands« (2. Aufl., Leipz. 1869); »Die kirchlich-religiöse Bedeutung der reinen Lehre von den Gnadenmitteln« (mit Th. Harnack, Erlang. 1869); »Staat und Kirche« (Leipz. 1870); »Jakob Böhme und die Alchimisten« (Berl. 1870). Selbstbiographisches gab er unter dem Titel: »Bruchstücke aus dem Leben eines süddeutschen Theologen« (Bielef. 1872, neue Folge 1875). Vgl. K. v. Raumer, A. v. H., ein Erinnerungsblatt (Gütersl. 1880); v. Stählin, Löhe, Thomasius, H. (Leipz. 1887); W. v. Langsdorff, D. Adolf von H. (das. 1898).

4) Emil, Physiolog, Bruder des vorigen, geb. 22. Okt. 1820 in Nürnberg, gest. 15. Febr. 1862 in München, studierte in Berlin und Würzburg, habilitierte sich 1848 in München, ward daselbst 1849 außerordentlicher Professor, 1852 Vorstand des physiologischen Kabinetts der Universität und 1857 ordentlicher Professor. Er schrieb: »Lehrbuch der plastischen Anatomie« (Stuttg. 1856–58, 3 Tle.; 2. Aufl. von Hartmann, 1876); »Die Muskelirritabilität« (Münch. 1851); »Theorie und Anwendung des Seitendruckspirometers« (das. 1855); »Molekulare Vorgänge in der Nervensubstanz« (das. 1858–60, 4 Abtlgn.); »Zur innern Mechanik der Muskelzuckung« (das. 1862); »Die elementaren Funktionen der kreatürlichen Seele« (das. 1862); »Populäre Vorlesungen aus dem Gebiete der Physiologie und Psychologie« (Braunschw. 1851).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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