Makkabäer

Makkabäer

Makkabäer, ursprünglich Beiname des Judas Makkabäus, dann übertragen auf das priesterliche Fürstengeschlecht, das von 167 v. Chr. an bis zur Gründung der herodianischen Dynastie an der Spitze des jüdischen Volkes stand. Die gewaltsamen Hellenisierungsversuche Antiochos' IV, Epiphanes veranlaßten den Priester Matthatias von Modeïn in Palästina, aus dem Geschlechte der Hasmonäer, eine Empörung zu organisieren. Als er einen königlichen Gesandten, der zum Abfall vom väterlichen Glauben aufforderte, öffentlich erdolcht hatte, vereinigten sich unter seiner Leitung die Glaubenstreuen. Vor seinem Tode (167) übertrug er dem dritten seiner fünf Söhne, Judas Makkabäus (s. d.), die Leitung der Erhebung, die dieser heldenmütig und siegreich bis zu seinem Tode (161) durchführte. Ihm folgte Jonathan, der jüngste der Brüder, der sich besonders durch geschickte Benutzung der Thronstreitigkeiten in Syrien behauptete, aber 143 gefangen genommen und in Ptolemaïs hingerichtet wurde (s. Jonathan Apphus). Zwei der Brüder, Jochanan und Elasar, waren im Kampfe gefallen. Simon, dem zweiten allein noch übrigen der fünf Brüder, gelang es, sich von Syrien ganz loszusagen und, vom Volke 141 zum erblichen Hohenpriester und Fürsten ernannt, bis 136 segensreich zu regieren, bis er mit zweien seiner Söhne durch Meuchelmord ums Leben kam. Sein Sohn und Nachfolger Johann Hyrkan I. mußte zwar, als Antiochos Sidetes 133 in Palästina einfiel und Jerusalem belagerte, einen demütigenden Frieden schließen; es gelang ihm aber mit Unterstützung der Römer, mit denen er das bereits von Judas und von Simon abgeschlossene Bündnis erneuerte, nicht nur die Unabhängigkeit, sondern auch Samaria, Idumäa und das Land jenseit des Jordans zu gewinnen. Von Hyrkans Tode an (105) wurde das Reich immer mehr durch Zerwürfnisse, insbes. durch den Parteihaß zwischen Pharisäern und Sadduzäern, zerrüttet. Zunächst folgten die Söhne Hyrkans I., Aristobul (105–104), der zuerst den Königstitel annahm, und Alexander Jannai (104–79), grausame Herrscher, die das Land unter drückender Tyrannei hielten; nach des letztern Tode führte seine Witwe Alexandra als Königin, auf die Partei der Pharisäer gestützt, die Herrschaft, 79–69, während ihr Sohn Hyrkan II. die Hohepriesterwürde bekleidete; gegen diesen erhob sein Bruder Aristobul 69 die Waffen, besiegte ihn und bemächtigte sich Jerusalems; der Bruderkrieg dauerte bis 63, bis Pompejus im Verlauf des Mithradatischen Krieges in Palästina erschien, Jerusalem eroberte, Aristobul gefangen nahm und Hyrkan als Volksfürsten und Hohenpriester wieder einsetzte. Hyrkan behauptete sich unter dem Schutz der Römer und durch die Klugheit seines Günstlings, des Idumäers Antipater. Dieser führte statt seiner tatsächlich die Herrschaft, seitdem die Versuche des aus der Gefangenschaft entkommenen Aristobuls und seiner Söhne Alexander und Antigonos, sich der Herrschaft zu bemächtigen, mißglückt waren, bis 40 Antigonos durch die Parther, die in diesem Jahre ganz Asien überschwemmt hatten, in die Herrschaft eingesetzt ward. Hyrkan wurde, um ihn der Hohenpriesterwürde unfähig zu machen, verstümmelt und nach Parthien abgeführt. Allein 37 ward Antigonos von Herodes, dem Sohn des Antipater, mit Hilfe der Römer gestürzt und getötet. Hiermit erreichte die Herrschaft der M. ihr Ende. Herodes ließ die noch übrigen Mitglieder des Geschlechts töten. Vgl. Schürer, Geschichte des jüdischen Volks im Zeitalter Jesu Christi, Bd. 1 (3. u. 4. Aufl., Leipz. 1901).

Die biblischen zwei Bücher der Makkabäer gelten der evangelischen Kirche als apokryphe, der katholischen als kanonische Bücher. Das erste Buch umfaßt die Zeit von 175–135; sein Verfasser war ein palästinensischer Jude, die Abfassung wird mit Wahrscheinlichkeit bald nach dem Tode des Johann Hyrkan gesetzt (ca. 105 v. Chr.). Ursprünglich hebräisch geschrieben, ist das Buch frühzeitig ins Griechische übersetzt worden. Das zweite Buch umfaßt den Zeitraum von 176–161, enthält aber viel Mythisches und ist später als das erste, doch noch vor 70 n. Chr. und zwar ursprünglich griechisch, geschrieben. Es gibt auch noch ein drittes und viertes Buch in griechischer Sprache, beide einer noch spätern Zeit angehörig, von denen das erste einen vereitelten Frevel des ägyptischen Königs Ptolemäos IV. an dem Tempel und die deshalb an den Juden geübte Rache erzählt und das andre, das fälschlich dem Flavius Josephus zugeschrieben wurde, im wesentlichen die bekannte Erzählung von dem Märtyrertode des Eleasar und der Mutter mit ihren sieben Söhnen (2. Makk. 7) weiter ausführt. Kommentare zu den frühern Büchern der M. schrieben Grimm (Leipz. 1853–57) und Keil (das. 1875). Deutsche Übersetzung mit textkritischem Apparat von Deißmann, Kamphausen und Kautzsch (in Kautzsch, »Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments«, 1. Bd., Tübing. 1900). Vgl. Niese, Kritik der beiden Makkabäerbücher (Berl. 1900); Willrich, Judaica (Götting. 1900); R. Laqueur, Kritische Untersuchungen zum 2. Makkabäerbuch (Straßb. 1904). – Das Fest der M. wurde. seit dem 4. Jahrh. zum Andenken an die obenerwähnte Mutter und deren sieben Söhne 1. Aug. gefeiert, kam aber seit dem 12. Jahrh. in Abnahme.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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