Hecker


Hecker

Hecker, 1) Johann Julius, verdienter Schulmann, geb. 2. Nov. 1707 in Werden a. d. Ruhr, gest. 29. Juni 1768 in Berlin, bezog 1726 die Universität Halle und wurde durch August Herm. Franckes letzte Rede an die Studierenden ganz für dessen Lebensideale gewonnen. 1728 am Seminar, 1729 am Pädagogium in Halle angestellt, ward er 1735 Prediger und Schulinspektor am Militärwaisenhaus in Potsdam, 1739 nach persönlicher Wahl Friedrich Wilhelms I. erster Prediger an der Dreifaltigkeitskirche, später auch Oberkonsistorialrat in Berlin. Hier begründete er 1747 eine »ökonomisch-mathematische Realschule«, die erste selbständige Anstalt ihrer Art, und in Verbindung mit dieser 1748 ein Lehrerseminar. Friedrich II. beauftragte ihn 1762 mit der Abfassung des General-Landschulreglements (erlassen 1763), das lange die gesetzliche Grundlage des preußischen Volksschulwesens geblieben ist. Vgl. F. Ranke, Johann Jul. H. (Berl. 1847); Clausnitzer, Zur Geschichte der preußischen Volksschule unter Fried eich d. Gr. (in der Zeitschrift »Die deutsche Schule«, 1901).

2) Justus Friedrich Karl, Mediziner, geb. 5. Jan. 1795 in Erfurt, war Professor der Medizin in Berlin, wo er 11. Mai 1850 starb. Er schrieb: »Geschichte der Heilkunde« (Berl. 1822--29, 2 Bde.); »Der schwarze Tod im 14. Jahrhundert« (das. 1832); »Die Tanzwut, eine Volkskrankheit im Mittelalter« (das. 1832); »Der englische Schweiß« (das. 1834); »De peste Antoniniana commentatio« (das. 1835); »Geschichte der neuern Heilkunde« (das. 1839); »Kinderfahrten, eine historisch-pathologische Skizze« (das. 1845); seine Arbeiten über die Krankheiten des Mittelalters wurden neu herausgegeben von August Hirsch unter dem Titel: »Die Volkskrankheiten des Mittelalters« (das. 1865).

3) Friedrich Karl Franz, bad. Revolutionär, geb. 28. Sept. 1811 zu Eichtersheim im Badischen, gest. 24. März 1881 in St. Louis, studierte die Rechte, wurde 1838 Obergerichtsadvokat in Mannheim, trat 1842 in die badische Zweite Kammer, befehdete das Ministerium Blittersdorff und half mit an dessen Sturz. Er sprach zuerst (6. Febr. 1845) gegen die beabsichtigte Verschmelzung Schleswig-Holsteins mit Dänemark in der badischen Kammer. In weitern Kreisen ward er durch die Ausweisung aus den preußischen Staaten 23. Mai 1845 bekannt, als er sich auf einer Reise nach Stettin mit Itzstein in Berlin aufhielt. Nachdem er sich infolge seiner sozialdemokratischen Ansichten von seinen bisherigen Freunden geschieden, machte er auf dem Landtag 1846–47 auch gegen das liberale Ministerium Opposition und beantragte Steuerverweigerung bis zur Änderung des herrschenden Systems. Als er keinen Anklang fand, legte er im März 1847 sein Mandat nieder, beteiligte sich im September 1847 an der Offenburger Versammlung, wo das bekannte radikale Programm entworfen wurde, und stand schon vor und besonders nach den Februarereignissen 1848 an der Spitze der sozialdemokratischen Republikaner. Im Vorparlament stellte er den Antrag, dasselbe möge sich in Permanenz erklären. Da der Antrag durchfiel, verließ er mit seinen politischen Freunden die Versammlung und organisierte nun eine Volkserhebung an der schweizerischen Grenze. Nachdem er 12. April von Konstanz aus mit Struve (s. d.) die offene Aufforderung zum Aufstand erlassen, fiel er an der Spitze einer Freischar in das badische Oberland ein und traf am Morgen des 20. mit den badischen Truppen unter dem Generalleutnant Friedrich v. Gagern vor Kandern zusammen, wo der letztere fiel und die Freischaren nach einem kurzen Gefecht zurückwichen. H. flüchtete sich danach auf schweizerischen Boden und nahm seinen Wohnsitz in Muttenz, wo er eine Schrift: »Die Volkserhebung in Baden«, veröffentlichte und den »Volksfreund« herausgab. Entzweit mit den übrigen republikanischen Führern, namentlich mit Struve und Heinzen, wanderte H. im September 1848 nach Amerika aus und bewirtschaftete eine Farm bei Belleville im Staat Illinois. Von der revolutionären badischen Regierung im Mai 1849 zurückberufen, erschien H. auch im Juli mit einem kleinen Gefolge amerikanischer Offiziere in Straßburg, kehrte jedoch, da die Revolution sich ihrem Ende nahte, bald nach Amerika zurück. Bei dem Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs 1861 führte er dem unionistischen General Fremont ein Regiment zu. Da sich dieses schon im Oktober 1861 infolge von Meuterei auflöste, kehrte er auf seine Farm zurück, befehligte aber später als Oberst wieder eine Brigade in der Cumberlandarmee unter General Howard, bis er auch dies Kommando 1864 niederlegte. Der neuen Entwickelung Deutschlands widmete er seine lebhaftesten Sympathien, hielt 12. Febr. 1871 bei der Friedensfeier zu St. Louis eine glänzende patriotische Festrede, und wenn er sich auch bei einem Besuch Deutschlands im Sommer 1873 mit den hier waltenden Verhältnissen nicht ganz befreunden konnte, gehörte er doch in Amerika zu den tüchtigsten Vertretern des Deutschtums und zu den eifrigsten Verfechtern geistiger Freiheit gegen ultramontane Herrschsucht. Es erschienen von ihm »Reden und Vorlesungen« (Neustadt a. H. 1872).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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