Falke [4]

Falke [4]

Falke, 1) Johann Ernst Ludwig, Tierarzt, geb. 20. April 1805 in Rudolstadt, gest. 24. Sept. 1880 in Jena, studierte 1824–27 in Dresden und Berlin, wurde 1829 Lehrer am Tierarznei-Institut zu Dresden, ging 1832 als Tierarzt nach Rudolstadt, wurde 1840 Landestierarzt und 1847 Lehrer der Tierheilkunde in Jena. F. schrieb. »Lehrbuch über den Hufbeschlag und die Hufkrankheiten« (Leipz. 1848, 2. Aufl. 1859); »Lehrbuch der gesamten Tierarzneiwissenschaft« (das. 1855, 3 Bde.); »Die Prinzipien der vergleichenden Pathologie und Therapie der Haussäugetiere« (Erlang. 1360); »Die Lehre von den Krankheiten der Zucht- und der jungen Tiere« (Leipz. 1367); »Tierärztliche Jahrbücher« (das. 1878–80).

2) Johannes, Historiker, geb. 20. April 1823 in Ratzeburg, gest. 2. März 1876 in Dresden, studierte zuerst Theologie, widmete sich aber dann der Poesie und Kulturgeschichte, wurde 1856 erster Sekretär am Germanischen Museum, sodann 1862 Sekretär und 1864 Archivar am Hauptstaatsarchiv in Dresden. 1856–59 gab er im Verein mit J. Müller die »Zeitschrift für deutsche Kulturgeschichte« heraus und schrieb außer zahlreichen Abhandlungen in Zeitschriften eine »Geschichte des deutschen Handels« (Leipz. 1859–60, 2 Bde.); »Die Hansa als deutsche See- und Handelsmacht« (Berl. 1862); »Geschichte des Kurfürsten August von Sachsen in volkswirtschaftlicher Beziehung« (Leipz. 1868) und »Geschichte des deutschen Zollwesens« (das. 1869).

3) Jakob von, Kultur- und Kunsthistoriker, Bruder des vorigen, geb. 21. Juni 1825 in Ratzeburg, gest. 9. Juni 1897 in Lovrana bei Abbazia, widmete sich in Erlangen und Göttingen philosophischen Studien und wurde 1855 Konservator am Germanischen Museum in Nürnberg, wo er mit A. von Eye (s.d.) mehrere Bilderwerke herausgab. 1858 vom Fürsten Liechtenstein als Bibliothekar und Direktor seiner Gemäldegalerie nach Wien berufen, erhielt er 1864 zugleich die Stelle eines Kustos am k. k. österreichischen Museum für Kunst und Industrie und wurde 1871 zum Regierungsrat und 1885 zum Direktor des Museums an Eitelbergers Stelle ernannt. 1895 trat er in den Ruhestand. F. ist vielfach als Schriftsteller des kulturgeschichtlichen und kunstgewerblichen Faches mit großem Erfolg tätig gewesen, wobei ihm insbes. eine seltene Gabe, die Resultate der wissenschaftlichen Forschung durch gediegene populäre Darstellung zum Gemeingut aller zu machen, Anerkennung erwarb. Von seinen Schriften sind zu nennen: »Die deutsche Trachten- und Modenwelt« (Leipz. 1858); »Die ritterliche Gesellschaft im Zeitalter des Frauenkultus« (Berl. 1862); »Geschichte des modernen Geschmacks« (Leipz. 1866, 2. Aufl. 1880); »Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein« (Wien 1868–83, Bd. 1 bis 3); »Die Kunst im Hause« (das. 1871, 6. Aufl. 1897); »Zur Kultur und Kunst. Studien« (das. 1878); »Hellas und Rom« (kulturgeschichtliches Prachtwerk, Stuttg. 1879); »Kostümgeschichte der Kulturvölker« (das. 1880); »Ästhetik des Kunstgewerbes« (das. 1883); »Der Garten, seine Kunst und Kunstgeschichte« (das. 1885); »Die k. k. Wiener Porzellanfabrik« (Wien 1886); »Geschichte des deutschen Kunstgewerbes« (in Grotes »Geschichte der deutschen Kunst«, Berl. 1888); »Aus dem weiten Reiche der Kunst«, ausgewählte Aufsätze (das. 1889); »Geschichte des Geschmacks im Mittelalter« (das. 1892); »Aus alter und neuer Zeit; neue Studien zu Kultur und Kunst« (2. Aufl., Berl. 1895); »Lebenserinnerungen« (Leipz. 1897).

4) Gustav, Dichter, Neffe der beiden vorigen, geb. 11. Jan. 1853 in Lübeck als Sohn eines Kaufmanns, verlor früh den Vater, widmete sich anfangs dem Buchhandel, seit 1874 der Musik und lebt als Klavierlehrer in Hamburg. 1903 wurde ihm bei Gelegenheit seines 50. Geburtstags von dem hamburgischen Staat ein Dichtergehalt ausgesetzt. F. hat sich in seinen Romanen: »Aus dem Durchschnitt« (Berl. 1892; 2. Aufl., Hamb. 1900), »Landen und stranden« (Berl. 1895) der naturalistischen Richtung angeschlossen; in dem Roman »Der Mann im Nebel« (Hamb. 1899) schildert er einen wankelmütigen Phantasten, der durch Überhebung und eigne Schuld zugrunde geht. Der Erfolg dieser Werke war nur gering, und Falkes Bedeutung liegt durchaus in seiner Lyrik. Er veröffentlichte die Sammlung: »Mynheer, der Tod und andre Gedichte« (Dresd. 1892); »Tanz und Andacht. Gedichte aus Tag und Traum« (Münch. 1893); »Zwischen zwei Nächten« (Stuttg. 1894); »Neue Fahrt« (Berl. 1897); »Mit dem Leben« (Hamb. 1899); »Hohe Sommertage« (das. 1902). Anfangs von Liliencron stark beeinflußt, entwickelte sich F. zu einer eigenartigen Individualität; den ernsten Problemen des Lebens nachsinnend, ein tiefes und sinniges Naturgefühl verrratend, schildert er insbes. den Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit, zwischen dichterischem Sehnen und der beklemmenden Enge des Lebens; aber erringt sich aus diesen Gegensätzen zu stiller Entsagung und harmonischem Frieden hindurch und feiert in wohl klingenden Versen das Glück des heimischen Herdes und sinnender Einkehr.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Игры ⚽ Поможем решить контрольную работу

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Falke KG — FALKE Unternehmensform KGaA Gründung 1895 Unternehmenssitz …   Deutsch Wikipedia

  • Falke & Co. — Falke Co. war ein Fahrrad und Automobilhersteller, der in Mönchengladbach ansässig war. Die 1889 von Albert Falke gegründete Fahrradfabrik stellte ab 1896 auch Personenkraftwagen her. Zunächst baute man einen Dreiradwagen und eine vierrädrige… …   Deutsch Wikipedia

  • Falke — Falke: Die Herkunft des Vogelnamens (mhd. valk‹e›, ahd. falc‹h›o) ist nicht sicher geklärt. Vielleicht beruht das Wort auf vlat. falco und stellt sich dann als »Sichelträger« zu lat. falx »Sichel« (wegen der Klauen und des Schnabels).… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Falke — Falke, Unter dieser allgemeinen Benennung versteht Frankreichs großer Naturforscher, Cuvier, die Cap Raubvogel, deren Kopf und Hals befiedert ist, die an den Augen einen vortretenden Rand, einen kurzen, von der Wurzel an schon gebognen Schnabel,… …   Damen Conversations Lexikon

  • Falke — Sm std. (9. Jh.), mhd. valke, ahd. falk(o), mndd. valke, mndl. valke Nicht etymologisierbar. Ein zunächst nur deutsches Wort, neben dem das lautgleiche spl. falco steht. Unter diesen Umständen ist es schwierig festzustellen, wo das Wort seinen… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Falke [1] — Falke (Falco), 1) bei Linné u. Cuvier Gattung der adler u. falkenartigen Tagraubvögel, Kopf u. Hals mit Federn bedeckt, an den Augen vorspringender Rand, Schnabel kurz, hakenförmig, von der Wurzel an schon gebogen, an der Wurzel mit Wachshaut… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Falke [2] — Falke, 1) Joh. Friedr., geb. 1699 in Höxter, wurde Pfarrer zu Eversen im Braunschweigischen, beschäftigte sich mit mittlerer Geschichte, Paläographie u. Diplomatik u. st. 1753. Er schr.: Traditiones Corbejenses (für die norddeutsche Geschichte… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Falke [1] — Falke, Vogel, s. Falken …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Falke [2] — Falke (Falkaune, ital. Falcone, franz. Faucon), im 16. Jahrh. übliches Schlangengeschütz (Länge über 2 m), schoß 2–4 kg Eisen, das Falkonett 2 kg Eisen oder Blei. Letzteres lag in einem Gabelfuhrwerk, das Falkonettlein in einem Bockgestell… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Falke [3] — Falke (Falch), soviel wie Falbe (blaßgelbes Pferd). Bekannt ist F., das Roß Dietrichs von Bern …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”