Französisch-Guinea


Französisch-Guinea

Französisch-Guinea (Guinée Française), franz. Besitzung in Westafrika zwischen 81/2 und 11° nördl. Br., 9 und 15° westl. L. (s. Karte bei Art. »Guinea«), umfaßt das Küstengebiet zwischen Portugiesisch-Guinea und Sierra Leone, Futa Dschallon (s.d.) und Teile von Samorys Reich, zusammen 224,000 qkm mit 1,500,000 Einw. Von einer durch zahlreiche Flüsse zerschnittenen Küstenniederung, der viele kleine Inseln, darunter die Gruppe der britischen Losinseln, vorgelagert sind, steigt das Land zu den Höhen von Futa Dschallon auf. Es trägt große, an Nutzhölzern und Kautschuk reiche Wälder und birgt an nutzbaren Mineralien Eisen und Kupfer, während die Quellbäche des Senegal, Gambia und Rio Grande Alluvialgold führen. Die Hauptmasse der Bevölkerung bilden westliche Neger, im Hinterlande Fulbe (s.d.), an der Küste leben etwa 400 Weiße, darunter 250 Franzosen. Hauptstadt ist Konakry (s.d.) auf der Insel Tumba. Haupterzeugnisse der Kolonie sind Kautschuk, Palmkerne, Erdnüsse, Baumwolle, Kopal und Kolanüsse. Der Handel hat sich in den letzten Jahren sehr gehoben und die Zahl der Karawanen sich stark vermehrt; 1901 betrug die Einfuhr 7,745,000, die Ausfuhr (hauptsächlich Kautschuk) 7,983,000 Frank. Frankreich war daran mit 3,185,000, bez. 1,424,000 Fr. beteiligt. Eine Eisenbahn befindet sich von Konakry zum Binnenlande (bis Kurussa am Niger, 680 km) im Bau, 1903 ist die erste, schwierigste Strecke Konakry-Frigiagbe (135 km) eröffnet worden. In die Häfen liefen 1898 ein 3756 Schiffe mit 17,408 Ton. Ladung, aus 3646 Schiffe mit 6439 T. Ladung, darunter je 44 deutsche Schiffe. Die Telegraphenlinien hatten 1899 eine Länge von 1710 km. Es bestanden fünf Postämter, die 25,217 Sendungen beförderten. Die finanzielle Lage ist günstig; das Budget weist 1901 in Einnahmen und Ausgaben 2,895,000 Fr. auf, dazu kommen 4 Mill. Fr. für Bahnbauten, die durch Anleihe gedeckt werden. Unter dem Gouverneur steht ein Verwaltungsrat von sechs Mitgliedern (drei Beamten und drei angesehenen Bürgern). Von richterlichen Beamten hat die Kolonie nur einen Friedensrichter, dem ein Polizeikommissar zur Seite steht. Die Schutztruppe besteht aus 2 europäischen Offizieren, 18 farbigen Unteroffizieren und 122 Gemeinen. Vgl. Aspe-Fleurimont, La Guinée Française. Conakry et Rivières du Sud (Par. 1900).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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