Teutoburger Wald


Teutoburger Wald

Teutoburger Wald, Waldgebirge in Nordwestdeutschland, schließt sich in der Gegend seines höchsten Punktes, des Völmerstod (468 m), an die Egge (s. d.) und erstreckt sich in einer Länge von 115 km bei der geringen Breite von 3–10 km von SO. nach NW., durchzieht unter dem Namen Lippescher Wald den südwestlichen Teil des Fürstentums Lippe, unter dem Namen Osning die Kreise Bielefeld und Halle des preuß. Regbez. Minden und endigt in geringer Höhe im Huxberg bei Bevergern und an den großen Mooren der nordwestdeutschen Tiefebene. Meist besteht das Gebirge aus einem einzigen Kamm, doch erscheinen auch mehrere Nebenzüge, besonders in dem mittlern Teile. Tiefe Einschnitte, vom Volk Dören (Türen) genannt, unterbrechen den Hauptkamm an vielen Stellen, z. B. die Dörenschlucht in Lippe, die Täler von Bielefeld, Halle, Borgholzhausen, Iburg, Tecklenburg etc. In solchen Tälern wird das Gebirge mehrfach von Eisenbahnen durchschnitten. Die wichtigsten Höhen sind außer dem Völmerstod (s. oben): der Barnacken (454 m), die Externsteine (s. d.), die Grotenburg (s. d.) mit dem Hermannsdenkmal und der Hermannsberg (369 m) in Lippe, die Hünenburg (334 m) bei Bielefeld, der Knüllberg bei Borgholzhausen (317 m) und der Dörenberg bei Iburg (356 m). Das Gebirge besteht vorzüglich aus den Gesteinen der Kreideformation (zwischen Iburg und Osnabrück namentlich auch Wealden), unter denen nach NO. hin die Gesteine der Jura- und Triasformation (hauptsächlich Keuper und Muschelkalk, erst ganz im W. auch Buntsandstein), bei Ibbenbüren und am Hüggel bei Osnabrück auch Zechstein, Rotliegendes und Steinkohlengebirge hervortreten. Im Wealden, Jura und Zechstein finden sich an vielen Stellen Eisenerze, im Zechstein bei Ibbenbüren auch Zink- und Bleierze. Vgl. Löbker, Wanderungen durch den T. (Münst. 1878); Reisehandbücher von Thorbecke (15. Aufl., Detm. 1905), Aschenberg (Münst. 1906) u. a.

Der Name T. wird zuerst bei Tacitus (»Annales«, I, 60) genannt und in die Nähe von Ems und Lippe verlegt; welches Gebirge aber Tacitus gemeint hat, und wo daher der Schauplatz der Schlacht im T., in der Arminius an der Spitze der Germanen 9.–11. Sept. im J. 9 n. Chr. die drei Legionen des Varus vernichtete, zu suchen ist, bildet eine unentschiedene Streitfrage. Gewöhnlich wird als Ort des Kampfes der Teil des Osning angenommen, der von den beiden Pässen eingeschlossen ist, die von der Lippe bei Neuhaus und Lippspringe durch die Dörenschlucht und unter dem Falkenberg hin durch das Gebirge führen. Mommsen (s. unten) verlegt ihn nach der Venne an der Huntequelle nördlich von Osnabrück. Vgl. Dederich, Kritik der Quellenberichte über die Varianische Niederlage im T. (Paderb. 1868); Mommsen, Die Örtlichkeit der Varusschlacht (Berl. 1885); Dünzelmann, Der Schauplatz der Varusschlacht (Gotha 1889); Knoke, Das Schlachtfeld im Teutoburger Walde (Berl. 1899); Wilms, Die Schlacht im T. (Leipz. 1899); weitere Literatur in Dahlmann-Waitz, Quellenkunde der deutschen Geschichte (7. Aufl.,das. 1906).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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