Waitz


Waitz

Waitz, 1) Georg, Geschichtsforscher, geb. 9. Okt. 1813 in Flensburg, gest. 24. Mai 1886 in Berlin, studierte die Rechte und Geschichte, wurde Mitarbeiter an den »Monumenta Germaniae historica«, besuchte für diesen Zweck viele Bibliotheken und Archive und gab mehrere mittelalterliche Chroniken heraus. 1842 Professor in Kiel geworden, trat W. 1846 ale Abgeordneter der Universität in die holsteinischen Provinzialstände und gehörte 1848 der Frankfurter Nationalversammlung an. 1849 nach Göttingen berufen, gründete W. durch eifrige Lehrtätigkeit eine historische Schule, deren Mitglieder in der kritischen Durchforschung des deutschen Mittelalters ihre Aufgabe erblickten. Nach der Reorganisation der »Monumenta« trat W. 1875 an die Spitze dieses Unternehmens und siedelte nach Berlin über, wo er als Mitglied der Akademie auch an der Universität lehrte. Von seinen zahlreichen durch Scharfsinn der Forschung ausgezeichneten Werken sind hervorzuheben: »Jahrbücher des Deutschen Reichs unter König Heinrich I.« (Berl. 1837; 3. Aufl., Leipz. 1885); »Über das Leben und die Lehre des Ulfila« (Hannov. 1840); »Deutsche Verfassungsgeschichte« (Bd. 1–8, bis zur Mitte des 12. Jahrh., Kiel 1844–78; Bd. 1–3 in 3. Aufl. 1880–1883; Bd. 4 in 2. Aufl. 1883–84; Bd. 5 u. 6 in 2. Aufl. bearbeitet von Zeumer und Seeliger, 1893–1896); »Das alte Recht der salischen Franken« (das. 1846); »Schleswig-Holsteins Geschichte« (Götting. 1851–54, 2 Bde.); »Lübeck unter Jürgen Wullenweber« (Berl. 1855–56, 3 Bde.); »Grundzüge der Politik« (Kiel 1862); »Zum Gedächtsnis an Jakob Grimm« (Götting. 1863); »Über die angeblichen Erbansprüche des königlich preußischen Hauses an die Herzogtümer Schleswig-Holstein« (das. 1864); »Urkunden zur deutschen Verfassungsgeschichte im 11. und 12. Jahrhundert« (Kiel 1871; u. Aufl., Berl. 1886). An den seit 1860 bestehenden »Forschungen zur deutschen Geschichte« war W. beteiligt. Auch besorgte er eine Neubearbeitung (3.–5. Aufl.) von Dahlmanns »Quellenkunde zur deutschen Geschichte« und veröffentlichte in zwei Sammlungen die Briefe von Karoline Schelling, geborne Michaelis (s. Schelling 2). Von seinen »Gesammelten Abhandlungen« erschien der 1. Band (hrsg. von K. Zeumer, Götting. 1896). Vgl. Steindorff, Bibliographische Übersicht über Georg Waitz' Werke (Götting. 1886); Kluckhohn, Zur Erinnerung an Georg W. (Hamb. 1887).

2) Theodor, Psycholog und Anthropolog, geb. 17. März 1821 in Gotha, gest. 21. Mai 1864 in Marburg, studierte in Leipzig und Jena Philologie, Mathematik und Philosophie, habilitierte sich 1844 als Dozent in Marburg und wurde hier 1848 außerordentlicher Professor der Philosophie. W. ging von der Herbartschen Schule aus und näherte sich allmählich dem Empirismus, als dessen reifste Frucht sein umfassendes Werk über die »Anthropologie der Naturvölker« (Bd. 1–4, Leipz. 1859–64; Bd. 5 u. 6: Die Völker der Südsee, bearb. von Gerland 1870–71; Bd. 1 in 2. Aufl. von demselben, 1876) erscheint. Außerdem schrieb er: »Grundlegung der Psychologie« (Hamb. 1846, 2. Ausgabe 1878), »Lehrbuch der Psychologie als Naturwissenschaft« (Braunschw. 1849), »Allgemeine Pädagogik« (das. 1852; 4. Aufl. mit W.' kleinern pädagogischen Schriften hrsg. von Willmann, 1898) und gab eine kritische Ausgabe des »Organon« von Aristoteles (Leipz. 1844, 2 Bde.) heraus.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Waitz — ist der Familienname folgender Personen: Christoph Waitz (* 1960), deutscher Politiker Friedrich August Carl Waitz (1798–1882), deutsch niederländischer Mediziner Georg Waitz (1813–1886), deutscher Rechtshistoriker und Mediävist Georg Waitz… …   Deutsch Wikipedia

  • Waitz — is the surname of:*Georg Waitz, a German historian and politician *Grete Waitz, a Norwegian long distance runner *Theodor Waitz, a German psychologist and anthropologistee also*Weitz (surname) *Weiz, a town and district in Austria …   Wikipedia

  • Waitz — Waitz,   Georg, Historiker, * Flensburg 9. 10. 1813, ✝ Berlin 24. 5. 1886; Schüler L. von Rankes, wurde 1842 Professor in Kiel, 1849 in Göttingen; übernahm 1875 in Berlin die Leitung der Monumenta Germaniae Historica (bis 1886). Er war 1848/49… …   Universal-Lexikon

  • Waitz — Waitz, 1) Karl Friedrich, geb. 1774 in Gotha; war erst Kammerarchivar in Altenburg, wurde später Kammersecretär, 1823 Landkammerrath u. 1831 Kammerrath; seit 1845 emeritirt, st. er 13. Aug. 1848 in Altenburg; er schr. außer einigen… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Waitz — Waitz, Georg, Geschichtsforscher, geb. 9. Okt. 1813 zu Flensburg, 1842 Prof. zu Kiel, 1849 zu Göttingen, seit 1875 Mitglied der Akademie und Vorsitzender der Zentraldirektion der »Monumenta Germaniae historica« zu Berlin, gest. das. 24. Mai 1886; …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Waitz [2] — Waitz, Theod., Psycholog und Anthropolog, geb. 17. März 1821 zu Gotha, gest. 21. Mai 1864 als Prof. zu Marburg; schrieb: »Anthropologie der Naturvölker« (Bd. 1 4, 1859 65; Bd. 5 u. 6, hg. von Gerland, 1867 72; Tl. 1 in 2. Aufl. 1877), »Allgemeine …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Waitz [1] — Waitz, Georg, geb. 1813 zu Flensburg, früher Professor in Kiel, 1849 in Göttingen, Schüler Rankes, Germanist u. Geschichtsforscher. »Deutsche Verfassungsgeschichte«, Kiel 1843–47; »Schleswig holstein. Geschichte«, Gött. 1851–54; »Lübeck unter… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Waitz [2] — Waitz, Theodor, geb. 1821 zu Gotha, seit 1848 Professor der Philosophie in Marburg, einer der wenigen Anhänger Herbarts …   Herders Conversations-Lexikon

  • Waitz — Waitz, Georg …   Enciclopedia Universal

  • Waitz von Eschen — Waitz von Eschen, ein altes thüringensches Geschlecht, welches früher reich begütert, aber durch die Kriegscalamitäten so verarmt war, daß sich die Glieder im 17. Jahrh. meist in bürgerlichen Verhältnissen befanden od. Beamtete waren; 1764 wurden …   Pierer's Universal-Lexikon