Landshut


Landshut

Landshut, unmittelbare Stadt im bayr. Regbez. Niederbayern, an der Isar, 392 m ü. M., ist von malerisch-altertümlichem Aussehen und besteht aus der Neustadt, der Altstadt und vier Vorstädten.

Wappen von Landshut (Bayern).
Wappen von Landshut (Bayern).

Unter den 11 Kirchen (10 katholische und 1 evangelische) und sonstigen Gebäuden der Stadt zeichnen sich aus: die St. Jodocuskirche (von 1338), die Heiligegeist- oder Spitalkirche (ein schöner, jetzt restaurierter Hallenbau von 1407–61) und die herrliche Martinskirche (1407–77), deren Pfeiler von nur 87 cm Durchmesser in kühner Schlankheit ohnegleichen emporsteigen, mit einem 133 m hohen Turm; ferner das die Stadt überragende Schloß Trausnitz (s. d.), das königliche Residenzschloß Neubau, das vormalige Dominikanerkloster (1271 gegründet, 1800 zur Universität, jetzt als Regierungsgebäude verwendet), das Landschaftshaus, die Getreideschranne, das Postamt mit alten Fresken, das Denkmal des Königs Max II., das Denkmal Ludwigs des Reichen, des Stifters der Universität, und als Park der städtische Hofgarten mit hübschen Fernsichten. Die Zahl der Einwohner belief sich 1900 mit der Garnison (ein Bataillon Infanterie Nr. 16 und ein Regiment schwere Reiter Nr. 2) auf 21,737 Seelen, davon 1251 Evangelische und 46 Juden. Die Industrie erstreckt sich auf Tabak-, Strohhut-, Maschinen-, Kunstmehl-, Kunstdünger-, Leim- und Pappdeckelfabrikation, Wagen- und Orgelbau, Wollspinnerei, Gerberei, Bierbrauerei etc. Der Handel, unterstützt durch ein Handelsgremium, eine Reichsbanknebenstelle und eine Filiale der Königlich bayrischen Bank, ist bedeutend in Getreide, auch werden in der Stadt lebhaft besuchte Messen (Dulten) abgehalten. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien München-Regensburg-Oberkotzau, L.-Neumarkt a. R. u.a. An Bildungsanstalten und andern öffentlichen Instituten hat L. ein Gymnasium, eine Realschule (mit Handelsschule), eine Präparanden-, eine Kreisackerbau- und eine landwirtschaftliche Winterschule, eine Fachschule für Maschinenbau und Elektrotechnik und eine Töpferschule, eine Erziehungsanstalt für Real- und Handelsschüler, ein Mönchs- und 2 Nonnenklöster, Waisenhaus, Erziehungsanstalt für verwahrloste Kinder, einen botanischen Garten, ein Landgestüt etc. Die Stadt ist Sitz der Regierung für Niederbayern, eines Bezirksamts, eines Landgerichts und eines Forstamts. 1800 wurde die Universität von Ingolstadt hierher und 1826 von L. nach München verlegt. Jenseit der Isar liegt das Nonnenkloster Seligenthal mit Erziehungsanstalt und den Gräbern der Herzoge von Niederbayern. – Zum Landgerichtsbezirk L. gehören die acht Amtsgerichte zu Dingolfing, Eggenfelden, L., Mainburg, Moosburg, Neumarkt a. R., Rottenburg und Vilsbiburg. – L. wurde 1204 von Herzog Ludwig I. gegründet und um 1230 auf der nahen Höhe das Schloß Trausnitz erbaut. 1255–1503 war die Stadt die Residenz der Linie Bayern-L. und ward im Dreißigjährigen Krieg mehrmals von den Schweden, im Österreichischen Erbfolgekrieg zweimal von den Österreichern erobert. Hier warfen die Österreicher unter Erzherzog Karl 16. April 1809 die Bayern unter Deroy zurück, wurden aber 21. April von Napoleon geschlagen, wobei die Stadt von den Franzosen erstürmt wurde. Vgl. Staudenraus, Chronik der Stadt L. (Landsh. 1832, 3 Bde.); »Geschichte der Stadt L.« (von mehreren, das. 1835); Wiesend, Topographische Geschichte von L. (das. 1858); Rosenthal, Zur Rechtsgeschichte der Städte L. und Straubing (Würzb. 1883); »Chroniken der deutschen Städte«, Bd. 15 (Leipz. 1878); Kalcher, Führer durch L. (2. Aufl., Landsh. 1887); Haack, Die gotische Architektur und Plastik der Stadt L. (Münch. 1894).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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