Kongo [2]

Kongo [2]

Kongo (Zaïre), Strom in Äquatorialafrika, mit 4650 km Länge in der Reihe der Riesenströme der Erde der sechste, hinsichtlich der Größe seines Strombeckens mit 3,700,000 qkm der zweite (hinter dem Amazonas), entsteht durch Zusammenfluß des Lualaba (W.) und Luapula (O.). Der Luapula entspringt 1400 m hoch zwischen Nyassa- und Tanganjikasee und erreicht als Tschambesi den Bangweolosee (1150 m), von dessen Südwestecke aus er unter zahlreichen Katarakten dem Moero- oder Merusee (900 m) als Luapula zuströmt. Diesen verläßt er an seinem Nordende, wendet sich in einem an Stromschnellen und Inseln reichen Lauf nach Nordwesten und vereinigt sich (6° südl. Br.) mit dem zweiten Quellfluß Lualaba, dessen Ursprung in 1500 m Höhe, nicht weit vom Sambesistromgebiet, liegt. Einer von dessen rechten Nebenflüssen, der Lufira, entwässert das kupferreiche Katanga und kann vielleicht als dritter Quellfluß gelten. Der vereinigte Luapula-Lualaba wendet sich dann nordwärts, nimmt bald darauf rechts den merkwürdigen Abfluß des Tanganjikasees, den kataraktenreichen Lukuga, auf. Weiterhin Ugaraua genannt, erreicht der Hauptfluß, vorbei an Höhen bis zu 1350 m (Clevelandberg), schon 600 m breit mit einer Tiefe von 6–11 m, Nyangwe, den frühern Hauptort arabischen Einflusses, wo er bereits durch zahlreiche Inseln in viele Arme zerlegt wird. Nach Passieren der Msenduaschnellen und nach Aufnahme mehrerer rechter Nebenflüsse, unter andern des nicht weit vom Tanganjikasee entspringenden Elila, verläßt er hinter Kirundo zwischen 0°30' südl. Br. und 0°15' nördl. Br. das Tafelland in den sieben, zusammen etwa 50 m hohen Stanleyfällen, auf 1200 m (eine 700 m breite Insel eingerechnet) eingeengt. Hier endet in 450 m Höhe der Oberlauf des K.; der Mittellauf reicht bis zum Stanley Pool. Auf dieser Strecke durch das weite Becken der Kongomulde beschreibt der Strom, den Äquator 8° westlicher noch ein zweites Mal kreuzend, einen großen, bis 2° nördl. Br. reichenden, nach Süden offenen Bogen und erhält zahlreiche, zum Teil sehr wasserreiche Nebenflüsse. Von S. her strömt ihm fast parallelen Laufs der Lomami zu, der, 1140 m hoch entspringend, in seinem untern Teile schiffbar ist. Ihm folgt rechts der Aruwimi von den Blauen Bergen westlich des Albertsees, der zwar mit seinen zahlreichen Nebenflüssen sehr wasserreich, aber für die Schiffahrt infolge von Stromschnellen nicht sehr geeignet ist. Ihm reihen sich, jenem ziemlich gleichgeartet, der Rubi (Itimbiri) und der Mongala an. Dann empfängt der K., gleich nach Passieren des Äquators, den 2350 km langen Ubangi mit 19 km breitem Delta und 4–5000 cbm betragender Wassermenge an seiner Mündung. Aus zwei Quellflüssen, dem bedeutendern Uëlle-Makua und dem die Grenze gegen Französisch-Ubangi bildenden Mbomu, entstanden, entwässert der Ubangi den ganzen Teil gegen das Tsadseegebiet hin, hat aber ebenfalls Schiffahrtshindernisse aufzuweisen. Auf der Südseite erhält der K., von kleinern Zuflüssen abgesehen, bis hierher nur den Lulongo und bei Equateurville den Ruki, der ein weitverzweigtes Quellsystem hat. Sie alle wiederholen in verkleinertem Maßstab den Kongobogen. Nach Aufnahme links des Abflusses des Tumbasees, folgt dann rechts der Sanga, der, aus nördlicher Richtung kommend, hauptsächlich das Hinterland von Französisch-Kongo entwässert, mit einem kleinen Teil auch das Kamerungebiet berührt. Er ist in seinem Unterlauf von 4° nördl. Br. ab schiffbar und wertvoller als die darauf folgenden Likuala, Likona und Alima. Weiter stromabwärts nimmt dann der K. in 300 m Höhe den Kwa auf, ein mächtiges Stromsystem, den Sammler der Wassermassen der südlichen Wasserscheide. Sankuru (Lubilasch) und Kassai, mit ihren zahllosen Zuflüssen den südlichen Teil des Kongostaates (westlich vom Lomami) und Portugiesisch-Angola entwässernd und gleich dem K. in den obern Teilen kataraktenreich, vereinigen sich bei 20° östl. L. und wenden sich hierauf, den Kongobogen nachahmend, nach W., hier von N. her den Mfini mit dem Abfluß des Leopold II. – Sees und von S. das gewaltige System des Kuango empfangend. Bald darauf erreicht der K. als Riesenstrom Stanley Pool, eine seeartige, wahrscheinlich tiefe Erweiterung (4500 qkm). Darauf folgt der großartige Durchbruch des K. durch den Steilrand des afrikanischen Kontinents in drei Abschnitten: 1) bis Majanga (tiefer Einschnitt in das Tafelland, kristallinische Schiefer), 2) bis Vivi (starke Krümmungen in einer Gneisplatte), 3) bis Boma (westlicher Ausläufer dieser Platte). In diesem Durchbruch sinkt die Breite des K. auf 400, sogar 225 m bei Tiefen von 40–90 m und einer Geschwindigkeit von 13–15 m in der Sekunde, mit großartigen Erosionserscheinungen. Der Fluß sinkt beim Durchbruch (275 km) um 250 m in 32 größern und vielen kleinern Schnellen. Die letzten sind die bekannten Jellalafälle. Zahlreiche, wenn auch unbedeutende Zuflüsse empfängt der K. auf dieser Strecke. Vivi liegt nur 26 m ü. M. Der Unterlauf beginnt bei Nokki (westlich von Matadi) in flachem Land, ständig sich verbreiternd und Inseln bildend, und ist hier schiffbar, etwa 180 km von der Mündung an. Der Mündungsgolf besitzt Breiten bis 17 km, sinkt dann auf 6 km und hat am Meere selbst 11 km. Bei Banana überwindet er noch eine Sandbank von 6–7 m, ist aber beim Austritt selbst 300 m tief. Der Einfluß des K. ist gewaltig: 22 km von der Mündung ist das Meerwasser fast süß, 64 km dessen Farbe gelblich, 300–400 km noch die Färbung des Wassers auf ihn zurückzuführen. Pflanzenteile (schwimmende Inseln), von ihm ausgeführt, sind bis Annobom wahrgenommen und Fahrzeugen oft gefährlich. Die Mündung ist nur 1750 km von der Quelle entfernt. Bis Matadi vermitteln 8 Dampfer des Kongostaates den Verkehr, oberhalb Léopoldville 30 (1902). Im ganzen berechnet man die Schiffbarkeit des K. und seiner Nebenflüsse auf 11,500 km. Es entfallen unter andern auf Rubi 200, Mangalla 325, Sanga-Mambere 750, Likuala-Lekoli 300, Lefini 150, Boloko 800, Lulongo 960, K. (Stanley Pool-Stanley Fälle) 1600, Kassai-Sankuru 1265 km. Über die Entdeckungsgeschichte des K. s. Afrika, S. 151 ff. Vgl. Johnston, The river Congo (4. Aufl., Lond. 1895; deutsch, Leipz. 1884); Böttcher, Orographie und Hydrographie des Kongobeckens (Berl. 1887); Firket, Bourguignon, Cornet, Lancaster, Meuleman und Dryepondt, Le régime des eaux du Congo (Brüss. 1898); Bentley, Pioneering on the Congo (Lond. 1900, 2 Bde.); Wauters, Le relief du bassin du Congo (Brüss. 1894); Thonner, Im afrikanischen Urwald (Berl. 1898); R. Vauthier, Le Congo belge (Brüss. 1900); H. Droogmans, Carte du Bas Congo. 1: 100,000 (15 Blatt, das. 1902) und in 1: 500,000 (das. 1899); die Karten bei Artikel »Afrika« und weitere Literatur bei »Kongostaat«.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

См. также в других словарях:

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  • Kongo — [käŋ′gō] n. 1. pl. Kongos or Kongo a member of an African people of N Angola and SW Democratic Republic of the Congo 2. the Bantu language of this people …   English World dictionary

  • Kongo [1] — Kongo, Teesorte, s. Tee …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kongo — Kongo, Handelsbezeichnung für aus Benzidin gewonnene Azofarbstoffe; färben ungebeizte Baumwolle rot …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Kongo [2] — Kongo, Zaïre, größter Strom Afrikas, 4200 km lg., Stromgebiet 3.690.000 qkm, entspringt als Tschambesi 1590 m ü.d.M., zwischen Njassa und Tanganjikasee, durchfließt den Bangweolosee, dann als Luapula den Moerosee, vereinigt sich mit dem Lualaba… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Kongo — Kȍngo m DEFINICIJA geogr. 1. država u Z dijelu ekvatorske središnje Afrike s izlazom na Atlantski ocean (neko vrijeme Zair), 342.000 km2, 2.690.000 stan., glavni grad Brazzaville 2. geogr. rijeka u središnjoj Africi, duga 4370 km, utječe u… …   Hrvatski jezični portal


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