Antimōn


Antimōn

Antimōn (Spießglanz, Spießglas, Spießglanzkönig, Antimonium, Stibium, Regulus Antimonii) Sb, chemisches Element, findet sich selten gediegen (Andreasberg, Přibram, Allemont, Schweden), meist mit Schwefel verbunden als Antimonglanz (Grauspießglanz) Sb2S3 mit 71,4 Proz. A., oft silber- und goldhaltig, mit Schwefel und Eisen als Berthierit FeS,Sb2S3 und in zahlreichen Nickel-, Kupfer-, Blei- und Silbererzen, dann als Antimonarsen, Antimonnickel, Antimonsilber, oxydiert als Antimonblüte (Valentinit) Sb2O3, Antimonoxyd mit 83,32 Proz. A., und Antimonblende (Rotspießglanz) Sb2O3,2Sb2S3, Antimonoxyd mit Schwefelantimon.

Gewonnen wird das A. aus Grauspießglanzerz oder aus dem durch Ausseigerung dieses Erzes in einem Flammofen mit geneigtem Herd gewonnenen Schwefelantimon. Bei der Niederschlagsarbeit wird das Schwefelantimon oder das rohe Erz mit Eisen erhitzt, wobei sich Schwefeleisen bildet und A. abgeschieden wird. Man setzt hierbei schwefelsaures Natron und Kohle zu, damit das gebildete Schwefelnatrium mit dem Schwefeleisen eine leicht schmelzbare Schlacke bildet, von der sich das A. leichter trennt. Bei der Röstarbeit wird das Erz oder das Schwefelantimon im Flammofen geröstet, wobei schweflige Säure entweicht, und das gebildete Antimonoxyd (Spießglanzasche) mit Soda und Kohle in Tiegeln reduziert. Rohes A. enthält stets Arsen, Kupfer, Blei, Eisen, Schwefel und wird gereinigt, indem man es wiederholt mit Schwefelantimon und Soda und dann noch zweimal mit kohlensaurem Natron schmilzt, wobei erforderlich ist, daß das A. stark eisenhaltig sei. Reines A. zeigt auf der Oberfläche schön kristallinisches Gefüge, den Stern. Beim elektrolytischen Verfahren, das bis jetzt wenig praktische Bedeutung hat, wird das Schwefelantimon durch Alkalisulfhydrat in Lösung gebracht und aus der Lauge das A. gefällt, worauf sie von neuem als Lösungsmittel benutzt wird.

Reines A. ist glänzend bläulich-silberweiß, grobblätterig kristallinisch, vom spez. Gew. 6,71, Atomgewicht 120; es ist härter als Kupfer, leicht pulverisierbar, verändert sich nicht an der Luft, schmilzt bei 630°, verflüchtigt sich oberhalb 1300°, verbrennt an der Luft zu Antimonoxyd und gibt vor der Lötrohrflamme auf Kohle starken weißen Beschlag. Bei hoher Temperatur zersetzt es Wasserdampf. Es löst sich in Königswasser zu Antimonchlorid, wird von heißer konzentrierter Schwefelsäure in schwefelsaures Antimonoxyd und von Salpetersäure in Antimonoxyd und Antimonsäure verwandelt; mit Salpeter verpufft es im glühenden Tiegel zu antimonsaurem Kali. Mit Chlor und Schwefel verbindet es sich direkt. Äußerlich gleicht das A. den Metallen, aber in seinem chemischen Verhalten bildet es mit Phosphor und Arsen eine natürliche Gruppe; es ist drei- und fünfwertig und bildet mit Sauerstoff Antimonoxyd Sb2O3 und Antimonpentoxyd Sb2O5 und mit Wasserstoff den Antimonwasserstoff H3Sb. Explosives A. wird aus Antimonchlorid elektrolytisch als silberglänzende Masse erhalten, es enthält Wasserstoff (und Antimonchlorid), zerstiebt beim Ritzen, Schlagen und bei 200° explosionsartig und bildet mit Quecksilber kein Amalgam (Unterschied vom gewöhnlichen A.).

Produktion: Deutschland 3149, Frankreich 1499, Ungarn 940. Italien 581, Neusüdwales 332, Österreich 271, Japan 229 Tonnen. A. dient zur Darstellung mehrerer Farben und arzneilich benutzter Präparate; aus Antimonchlorid durch Zink als schwarzes Pulver (Eisenschwarz) gefällt, wird es zum Bronzieren benutzt. Man überzieht auch Kupfer und verkupfertes Eisen mit A., um es vor Rost zu schützen; hauptsächlich aber verwendet man es zu Legierungen. Schon in vorgeschichtlicher Zeit ist metallisches A. in Transkaukasien und im Kaukasus zu Schmuckgegenständen benutzt worden, und nach Funden in Tello war es auch den Chaldäern bekannt. Auch manche vorgeschichtliche Bronzen enthalten A. (bis 7 Proz.). Ob unter dem auf den ägyptischen Denkmälern genannten Farbmittel Mestem, später Settem, das zum Bemalen der Augenbrauen benutzt wurde, Spießglanz zu verstehen sei, ist noch nicht entschieden. Dioskorides und Plinius beschreiben die Gewinnung von A. aus Spießglanz (stibium) und besprechen die Benutzung desselben als Heilmittel. Im Hebräischen und Arabischen heißt der Spießglanz Kohl, und dieses Wort ging als Alcool in andre Sprachen über und wurde später auf den Weingeist übertragen (vgl. Alkohol). In der lateinischen Übersetzung Gebers aus dem 16. Jahrh. wurde der Spießglanz zuerst Antimonium genannt. Die Benennung Spießglanz gebraucht zuerst Basilius Valentinus, der in seinem »Triumphwagen des Antimons« (1460) viele Präparate desselben beschreibt und auch die Darstellung des Antimons, diese aber nicht als etwas Neues, an gibt. Man benutzte damals das A. auch zur Scheidung des Goldes und Silbers und als Heilmittel. In Bechern aus A. ließ man Wein längere Zeit stehen, um ihn dann als Brechmittel zu verwenden; auch wurden Pillen aus A. benutzt. Da aber die Mönche Unfug mit dem A. trieben, so erließ Franz II. einen den Gebrauch desselben verbietenden Befehl gegen die Mönche (anti monachon), daher angeblich der Name A. 1566–1666 war die medizinische Benutzung des Antimons in Frankreich verboten.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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