Gebot


Gebot

Gebot, eine allgemeine Bestimmung dessen, was ein mit Vernunft und freiem Willen begabtes Wesen tun soll, im Gegensatz zu Verbot. G. und Verbot können, wie die Urteile, bedingt (relativ oder hypothetisch) oder unbedingt (absolut oder kategorisch) gegeben sein und gelten. Das Sittengesetz, unter das G. wie Verbot fallen, hat, insofern es das Gute schlechthin gebietet und das Böse schlechthin verbietet, unbedingte Geltung und wurde deshalb von Kant kategorischer Imperativ genannt. Dem Judentum und Christentum erscheint es unter dem Gesichtspunkt einer göttlichen Offenbarung. Vgl. Zehn Gebote. Über die sogen. Fünf Gebotes. Kirchengebote. – In der Rechtssprache ist G. jede von einem gesetzgebenden Organ oder einer öffentlichen Behörde ergangene Anordnung, daß etwas geschehen soll; es unterscheidet sich das G. des Rechtsgesetzes von dem des Sittengesetzes dadurch, daß dort zur Durchsetzung des Gebotenen eine zwingende Gewalt vorhanden ist, die hier fehlt, daß, ob ein G. wirklich erfüllt ist, dort äußerlich erkennbar ist, während hier, wo nicht nur die Handlungen, sondern auch Motive in Betracht kommen, eine solche Möglichkeit wegfällt; auch ist für die Gebote des Sittengesetzes ein viel weiteres Feld eröffnet als für die Gebote des Rechtsgesetzes, das es nur mit den durch die gegenseitigen Beziehungen der Menschen zueinander begründeten Verhältnissen zu tun hat. – Bei Versteigerungen versteht man unter G. die Angabe einer Summe, um die man den zu versteigernden Gegenstand erstehen will. S. auch Geringstes Gebot.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Gebot — Gebot …   Deutsch Wörterbuch

  • Gebot — Gebot, 1) die deutliche u. bestimmte Erklärung eines Oberherrn über das, was seine Untergebenen thun u. lassen sollen; daher das G. entweder ein affirmatives (gebietendes), od. ein negatives (verbietendes, Verbot) ist; bes. die Zehn Gebote… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Gebot — 1. Baireuther Gebot, Selb er Brot, Thiersteiner Bier währet nur ein Wochen vier. (S.7 u. 14.) Riehl in Land und Leute leitet dies Wort der Fuchtelberger »aus der Zeit der haltlosen baireuthischen Wirthschaft« her. 2. Das alte Gebot geht vor. –… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Gebot — Befehl; Kommando; Angebot; Vorschlag; Anbot (österr.); Bieten; Präsentation (fachsprachlich); Offerte; Dekret; Kodex; Verordnung; …   Universal-Lexikon

  • Gebot — Von den zehn Geboten sind das vierte und das sechste in sprichwörtliche Redensarten hineingenommen worden, z.B. niederdeutsch ›He geit in t söste Gebot‹, er übertritt es; ›Er hat das 6. Gebot schon siebenmal abgeschafft‹; ›Er hat das sechste… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Gebot — Ge·bo̲t1 das; (e)s, e; 1 ein Gebot (+ Gen) etwas, das man tun soll, weil es ein Gesetz, ein moralischer oder religiöser Grundsatz oder die Vernunft vorschreibt: Es ist ein Gebot der Nächstenliebe, den Armen zu helfen; In dieser Situation ist… …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • Gebot — das Gebot, e (Mittelstufe) religiöser oder moralischer Grundsatz Beispiel: Sie ist sehr fromm und hält sich immer an die Gebote. Kollokation: die Zehn Gebote das Gebot, e (Mittelstufe) Verpflichtung zu einer Handlung, Gegenteil zu Verbot Beispiel …   Extremes Deutsch

  • Gebot — Das Wort Gebot bezeichnet in der Ethik und Religionswissenschaft eine verbindliche Anweisung, siehe Gebot (Ethik) in der Rechtswissenschaft und Normentheorie ebenfalls eine verbindliche Anweisung, aber nur zu einem (aktiven) Tun (Gegensatz zu:… …   Deutsch Wikipedia

  • Gebot — bieten: Das gemeingerm. Verb mhd. bieten »‹an›bieten, darreichen; gebieten«, ahd. biotan »bekannt machen; entgegenhalten, darreichen; erzeigen, erweisen«, got. (ana , faúr)biudan »(ent , ver)bieten«, aengl. bēodan »bieten, darbieten, ankündigen …   Das Herkunftswörterbuch

  • Gebot — 1. Imperativ, Moralgesetz, Sittengesetz; (bildungsspr.): Postulat; (Philos.): kategorischer Imperativ. 2. Anordnung, Anweisung, Auftrag, Befehl, Bestimmung, Dekret, Erlass, Instruktion, Maßregel, Order, Verfügung, Verordnung, Vorschrift; (geh.):… …   Das Wörterbuch der Synonyme