Troyes


Troyes

Troyes (spr. trŭá), Hauptstadt des franz. Depart. Aube und ehemals der Champagne, 110 m ü. M., in fruchtbarer Ebene an der Seine, die sich hier in mehrere Arme und Bewässerungskanäle verzweigt, am Kanal der obern Seine, Knotenpunkt der Ostbahn, hat in der von Boulevards umgebenen innern Altstadt noch vielfach enge, winklige Straßen. Unter den Kirchen zeichnen sich namentlich die Kathedrale St.-Pierre, ein schöner gotischer Bau (1208–1640) mit prächtigem Portal, alten Glasmalereien und reicher Schatzkammer, sowie die Kirchen St.-Urbain (13. Jahrh.), Ste.-Madeleine (12.–16. Jahrh., mit gotischem Lettner) und St.-Remy (14.–16. Jahrh.) aus. Andre hervorragende Gebäude sind: das Rathaus (17. Jahrh.), das Spital, das Theater, die Kaufhallen und mehrere Paläste (16. Jahrh.) im Renaissancestil. 1890 wurden den im Kriege 1870/71 Gefallenen und 1900 den Wohltätern der Stadt Denkmäler errichtet. Die Zahl der Einwohner beträgt (1906) 53,237 (als Gemeinde 53,447). T. hat eine Ackerbau- und eine Handelskammer, eine Filiale der Bank von Frankreich, ein Lyzeum, Normalschulen für Lehrer und Lehrerinnen, ein großes und ein kleines Seminar, ein geistliches Collège, eine Wirkereischule, eine öffentliche Bibliothek von 80,000 Bänden u. 2700 Handschriften, eine Gemäldegalerie, Münz- und Antikensammlung und mehrere gelehrte und industrielle Gesellschaften, bedeutende Fabrikation von Strumpfwaren aus Baumwolle, Wolle und Seide (jährlich 10 Mill. kg), ferner von Maschinen, Stahlwaren, Papier, Öl, Kinderwagen, Kreide (Blanc de T.), Fleischwaren etc. T. ist der Sitz des Präfekten, eines Gerichts- und Assisenhofs und eines Handelsgerichts sowie eines Bischofs. – T. war im Altertum die Hauptstadt der keltischen Tricasser und hieß Noviomagus, erhielt von Augustus den Namen Augustobona und nahm im 5. Jahrh. den Namen Treca an. In der Nähe fand 451 die große Hunnenschlacht statt (s. Mauriazensische Gefilde). 889 von den Normannen zerstört, ward T. 950 wieder aufgebaut, kam 1019 in den Besitz der Grafen von Champagne als deren Hauptstadt und fiel 1339 mit der Champagne an die Krone Frankreich. 1111 wurde hier ein Konzil abgehalten, auf dem die Gregorianischen Edikte wegen der Investitur erneuert wurden. Europäische Bedeutung hatte vom 12.–14. Jahrh. die Messe in T. 1415 wurde T. von dem Herzog Johann von Burgund zerstört. Am 21. Mai 1420 wurde hier der Friede geschlossen, durch den Heinrich V. von England mit der Hand Katharinas, der Tochter Karls VI. von Frankreich, die Anwartschaft auf den französischen Thron erhielt. 1429 eroberte Karl VII. T. wieder. Im Feldzug von 1814 war es einer der Hauptoperationspunkte der österreichischen Armee. T. ist Geburtsort des Papstes Urban IV., des Bildhauers Girardon und des Malers Mignard. Vgl. Boutiot, Histoire de la ville de T. (Troyes 1870–80, 5 Bde.); Roserot, Le plus ancien registre des délibérations du conseil de la ville de T. (das. 1886).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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