Schminke


Schminke

Schminke, rote und weiße Präparate, mit denen man die Haut zu verschönern sucht. Als rote S. benutzt man weiße Pulver, wie Reismehl, Talk, Zinkoxyd, basisches Wismutchlorid oder -Nitrat, mit Karmin, Karthamin, mehr aber mit künstlichen roten Farbstoffen und trägt sie mit einer Puderquaste (Schwanenpelz) auf die Haut auf. Flüssige Schminken, ammoniakalische Lösungen von Karmin und Lösungen von Eosin, werden nur noch wenig zum Schminken der Lippen benutzt, dagegen sind Cremeschminken, weiche, nicht fettende Präparate, mehr in Aufnahme gekommen. Das farblose Alloxan, das die Haut rot färbt (Schnouda), ist ohne Bedeutung. Die von Leichner erfundenen Fettschminken sind Mischungen der Farbstoffe mit Fetten und werden hauptsächlich auf der Bühne benutzt, um dem Gesicht des Schauspielers den jeweilig erforderlichen Charakterausdruck zu verleihen. Der Leichnersche Fettpuder ist nur ein Hautverschönerungsmittel für Damen. Über weiße S. s. Puder. Blaue S. für die Adern besteht aus Talk und Berlinerblau. Wie noch heute viele Naturvölker ihren Körper bemalen, so schminkte man sich auch schon im Altertum. Die Ägypter benutzten Bleiweiß, Mennige, Bleiglanz, Schwefelantimon, Braunstein. Mit grünen basischen Kupferkarbonaten machte man einen Kreis um das Auge. Auch in Ninive und in Griechenland, besonders bei den Hetären, war das Schminken gebräuchlich. Europa, die Tochter Agenors, entwendete der Juno ihre Schminkbüchse. Die Römer erfanden abenteuerliche Methoden zur Verschönerung der Haut, und als S. benutzten sie Bleiweiß mit Krokodilmist, Erde von Chios, Zinnober, Mennige, Orseille, Blei, Antimon, Kohle von Rosenblättern, Dattelkernen etc. Triumphatoren schminkten sich mit Mennige. Belgier und Bretonen sollen die Lehrmeister der Römer im Schminken gewesen sein. Auch im Nibelungenlied wird geschminkt. In Deutschland kannte man im Mittelalter an 100 Schönheitsmittel. Eine neue Epoche des Schminkens entstand im 12. Jahrh. am Hofe von Florenz. Von dort kam das Schminken nach Frankreich. Unter Heinrich III. schminkten sich auch die Männer, und unter Ludwig XIV. soll man jährlich 2 Mill. Töpfchen S. verbraucht haben. Vgl. Altmann, Die Maske des Schauspielers (3. Aufl. von Menzel, Berl. 1896); Borée, Die Kunst des Schminkens (das. 1898); Buck, Bühnenköpfe und die Schminkkunst (120 Tafeln mit Text, Zür. 1903); Bolz und Baum, Die Kunst des Schminkens, herausgegeben vom Bunde der Barbiere etc.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Schminke — Schminke, 1) rothe od. weiße Substanz zum Färben der Haut, um derselben künstlich ein angenehmeres Aussehen zu geben. Rothe S n enthalten meist Carmin od. Safflorroth (Carthamin) als färbenden Bestandtheil; flüssige rothe S. (Rouge à la goutte,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Schminke — Schminke, Mittel zu vorübergehenden Verschönerung des Teints, wirkt bei andauerndem Gebrauch meist nachteilig. Weiße S. ist entweder Stärkemehl, bes. Reismehl (poudre de riz), Mehl von geschälten und ausgepreßten Mandeln und Nüssen, Talk oder… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Schminke — Schminke, künstliche Farbe für das menschliche Gesicht, roth oder weiß, entweder mineralisch oder vegetabilisch, im ersten Falle absolut schädlich; aber auch die vegetabilische Farbe kann auf die Functionen der Haut nur störend wirken …   Herders Conversations-Lexikon

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  • Schminke — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • Make up Bsp.: • Sie trägt zu viel Makeup …   Deutsch Wörterbuch

  • Schminke — Auge mit Lidschatten und Wimperntusche Schminke oder Make up bezeichnet die abwaschbare, farbliche Gestaltung von Haut und Haaren, in der Regel im Gesicht. Die natürliche Haut und Haarfarbe lässt sich dadurch vorübergehend tönen oder färben,… …   Deutsch Wikipedia

  • Schminke — 1. Das geht über Schminke, sagte der Narr, als er eine Ohrfeige bekam. Holl.: Dat staat mij heel schoon, zei de filozoof, en hij zou een klap voor zijne koon krijgen. (Harrebomée, I, 192a.) 2. Die beste Schminke kann aus der Hekuba keine Helene… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Schminke — Make up * * * Schmin|ke [ ʃmɪŋkə], die; , n: kosmetisches Mittel (in Form von getönten Cremes, Puder o. Ä.), das besonders für die Gesichtshaut, für Lippen und Augenbrauen zur Verschönerung oder (besonders in der Schauspielkunst) Veränderung des… …   Universal-Lexikon


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