Fredro


Fredro

Fredro, 1) Alexander, Graf, namhafter poln. Lustspieldichter, geb. 1793 in Suchorow bei Jaroslaw in Galizien, gest. 15. Juli 1876 in Lemberg, Sprößling einer alten polnischen Adelsfamilie, trat 1809 in das polnische Militär, beteiligte sich als Offizier an den Feldzügen unter Napoleon I. 1812–13, widmete sich nach seiner Rückkehr 1814 nach Galizien ganz der Literatur und zog durch seine Lustspiele bald die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Mit Recht nennt man F. den »polnischen Molière«; er hat erst das national-polnische Lustspiel geschaffen, da alle vor ihm lediglich nach französischen Mustern arbeiteten. Sogleich sein Erstlingswerk: »Pan Geldhab« (1821), begründete seinen Ruhm, den die rasch nachfolgenden Stücke: »Damen und Husaren«, »Mann und Frau«, »Die Freunde«, »Mädchenschwüre«, »Pau Jowialski«, »Die Rache«, »Die Leibrente« u. a. nur vergrößerten. Seit Ende der 1830er Jahre lebte der Dichter in stiller Zurückgezogenheit in Lemberg. Aus seinem Nachlaß wurden 15 neue Lustspiele, darunter: »Ein großer Mann in kleinen Dingen«, »Ich kann nicht heiraten«, »Die Elevin«, »Der Revolver«, mit großem Erfolg auf den polnischen Bühnen ausgeführt. Die beste Gesamtausgabe seiner Werke erschien 1880 zu Warschau in 13 Bänden.

2) Jan Alexander, Graf, poln. Lustspieldichter, Sohn des vorigen, geb. 2. Sept. 1829 in Lemberg, gest. 15. Mai 1891 in Siemianice bei Posen, studierte die Rechtswissenschaft, trat aber 1848 in die polnisch-ungarische Legion, focht bei Torczal und Tura, ging nach dem Falle des ungarischen Aufstandes nach der Türkei, 1850 nach Paris, von wo er infolge der Amnestie 1857 nach Galizien zurückkehrte. Unter seinen zahlreichen Lustspielen seien erwähnt: »Vor dem Frühstück« (1864), »Das Lied des Oheims« (1866; deutsch, Wien 1882), »Der Mentor« (1871; deutsch in Reclams Universal-Bibliothek, Nr. 1569), »Fremde Elemente« (1872), »Die große Bruderschaft« (1875), »Die Galoschen« (1879), »Arm oder reich« (1880), »Posażna jedynaczka« (auf deutschen Bühnen u. d. T.: »Die einzige Tochter« ausgeführt). Die neueste Ausgabe seiner gesammelten Lustspiele erschien 1881 zu Warschau in 4 Bänden.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.