Dacĭen


Dacĭen

Dacĭen (Dacia), bei den Römern Name des zwischen Theiß im W., den Karpathen im N., Donau im S., dem Dnjestr im O. gelegenen, an Getreide, Holz und Metallen (Gold) reichen Landes (s. Karte »Römisches Reich«). Seine Bewohner, thrakischer Abstammung, wurden von Herodot Agathyrsen, zu Menanders Zeit Dāer, von den Griechen Geten (die eigentlich ihre nächsten Verwandten waren), von den Römern meist Daker oder Dacier genannt und waren ihrer kriegerischen Gesinnung halber gefährliche Nachbarn Roms. Anfang des 2. vorchristlichen Jahrhunderts bestand bereits nördlich von der untern Donau ein Reich von Dakern unter einem König Rubobastes (oder Oroles), die mit den von der obern Weichsel vorstoßenden Bastarnern (s.d.) in schwere Kämpfe gerieten. König Burbista (Boirebista) erweiterte das dakische Reich zwischen 60 und 45 v. Chr. bis zum Dnjepr im O. und zur Donau im W.; sein Helfer beim innern Reformwerke warder Priester Dekaineos. Nach seinem Tode zerfiel sein großes Reich in vier, später in fünf Teile. Die Daker fielen mehrmals in Mösien, ja in Makedonien ein und mußten von Augustus und den folgenden Kaisern wiederholt zurückgetrieben werden. Domitian erkaufte nach mehrjährigen, teilweise siegreichen Kämpfen (85–89 n. Chr.) in schmählicher Weise den Frieden von dem großen König Decebalus (86–107), der D. wieder geeinigt hatte. Erst Trajan tilgte durch die Dakischen Kriege diese Schmach. 101 n. Chr. brach er gegen Decebalus auf, der das Gebiet vom Eisernen Tor bis zum Altfluß 102 an die Römer abtrat und auf eine selbständige Politik fortan verzichten wollte. Der Bruch dieser Zusage führte 105 den Kaiser, der sich seit 102 den Siegesnamen »Dacicus« beigelegt hatte, über die neuerbaute steinerne Brücke (Pons Trajani) am Eisernen Tor nochmals nach D. Die Eroberung der Hauptstadt Sarmizeq|etusa (beim heutigen Várhely im südwestlichen Siebenbürgen) entschied die Unterjochung des Landes und die Verwandlung Siebenbürgens und der kleinen Walachei in eine römische Provinz (107), nachdem sich Decebalus aus Verzweiflung selbst getötet hatte. Die Siege der Römer sind auf der Trajanssäule in Rom verherrlicht. Die wenigen Zurückgebliebenen nahmen viele Kolonisten (so die Pirusten aus Dalmatien, Asiaten aus Kommagene, Palmyra, Syrien u. a.) unter sich auf und wurden rasch so gründlich romanisiert, daß die Einwohner Daciens (Rumänen oder Walachen) noch heute eine romanische Sprache reden. Hadrian schied D. in die beiden Verwaltungsgebiete Dacia superior (Siebenbürgen mit der Hauptstadt Sarmizegetusa) und Dacia inferior (kleine Walachei); Mark Aurel schuf sogar drei Bezirke mit den Hauptorten Porolissum (im N.), Apulum (in der Mitte) und Maluese (im S.). Im übrigen teilte D. nunmehr die Geschicke des römischen Reiches. Als 271 Kaiser Aurelian den Goten das Land räumte und die römischen Kolonisten nach Mösien (von Orsova aus nach Osten bis zum Isker) versetzte, nannte er das Uferland rechts der Donau Dacia ripensis, um den Namen des Verlornen zu behaupten; später gab es auch noch eine Dacia mediterranea mit der Hauptstadt Serdica (Sofia). Die Ureinwohner behaupteten ihre Wohnsitze, wurden aber von fremden Völkern wiederholt unterjocht und teilweise (so in Siebenbürgen) verdrängt. Vgl. Rösler, Dacier und Romänen (Wien 1866); Derselbe, Romänische Studien (Leipz. 1871); I. Jung: Römer und Romanen in den Donauländern (Innsbr. 1877), Die romanischen Landschaften des römischen Reiches (das. 1881), Fasten der Provinz D. (das. 1894); Tomaschek, Die alten Thraker (in den Sitzungsberichten der Wiener Akademie, Bd. 128); Teglas, Beiträge zum Goldbergbau des vorrömischen D. (in der »Ungarischen Revue«, 1889); Cichorius, Die Reliefs der Trajanssäule (bis jetzt 2 Bde. Text u. 2 Bde. Tafeln; Berl. 1896ff.); E. Petersen, Trajans dakische Kriege. Nach dem Säulenrelief erzählt (Leipz. 1899–1903, 2 Tle.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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