Spee


Spee

Spee, Friedrich von, Dichter, aus dem adligen, um 1670 ausgestorbenen Geschlecht der S. von Langenfeld, geb. 25. Febr. 1591 in Kaiserswerth, gest. 7. Aug. 1635 in Trier, wurde im Jesuitengymnasium zu Köln erzogen, trat 1610 in den Jesuitenorden und lehrte dann mehrere Jahre hindurch in den Jesuitenschulen zu Köln und Trier. 1621 wurde er Priester und Professor, wirkte 1624–26 als Prediger in Paderborn und wurde 1627 als Professor nach Würzburg geschickt, wo er zugleich die zum Tode verurteilten vermeintlichen Hexen und Zauberer auf dem letzten Gang zu begleiten hatte. Dort verfaßte er, wie es scheint, im Auftrage des Ordensprovinzials Baving, die anonym erschienene Schrift: »Cautio criminalis s. Liber de processu contra sagas« (Rinteln 1631 u. ö., auch ins Deutsche, Holländische und Französische übersetzt), worin er das leichtfertige und grausame Verfahren bei den Hexenprozessen mutvoll bekämpfte. 1628 wurde S. zur Durchführung der Gegenreformation nach Peine im Hildesheimischen gesendet. Ein Mordanfall fesselte ihn in Hildesheim längere Zeit aus Krankenbett. 1631 wurde er als Professor der Moraltheologie nach Köln zurückberufen, 1633–35 lehrte er in Trier. Seine 1629 in Falkenhagen vorbereitete, nach seinem Tod erschienene Sammlung geistlicher Lieder: »Trutz-Nachtigall« (Köln 1649, hrsg. vom Pater Nakatenus; kritische Ausgabe von Balke, Leipz. 1879, mit ausführlicher Einleitung), gehört nach Inhalt und Form zu den besten Leistungen der deutschen Literatur des 17. Jahrh. und atmet die milde, schlichte Frömmigkeit und Innigkeit des Dichters. Wenn auch manches Spielende und Süßliche unterläuft, so ist doch der Grundton im edelsten Sinne volkstümlich. Die Versbehandlung beruht nur zum Teil auf Opitz' Grundsätzen: die chronologisch angeordnete Straßburger Handschrift zeigt, daß zehn Lieder vor 1621, also vor dem Erscheinen des »Buchs von der deutschen Poeterey« (1624; s. Opitz), verfaßt sind. Das in Prosa geschriebene »Güldene Tugendbuch« (Köln 1649 u. ö.; hrsg. von Hattler, Freiburg 1887), asketischen Inhalts, erschien gleichfalls erst nach seinem Tod. Es werden darin viele Gedichte der »Trutz-Nachtigall« zitiert, es enthält aber auch gegen 50 selbständige Gedichte, die an Wert hinter denen des Hauptwerkes nicht zurückstehen. Vgl. Diel, Friedrich v. S. (Freiburg 1872; 2. Aufl., bearbeitet von Duhr, 1901); Ebner, Friedrich v. S. und die Hexenprozesse seiner Zeit (Hamb. 1898); Jungbluth, Beiträge zu einer Beschreibung der Dichtersprache Friedrichs v. S. (Dissertation, Bonn 1907). Ein Trauerspiel »Friedrich v. S.« verfaßte J. Pape (Mainz 1857).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.