Paderborn [1]


Paderborn [1]

Paderborn, ein ehemaliges reichsunmittelbares Hochstift im westfäl. Kreise, 2423 qkm (44 QM.) groß mit etwa 100,000 Einw., war durch die Egge in den vor- oder unterwaldischen und den oberwaldischen Bezirk geschieden. Das Wappen des Hochstifts war ein goldenes Kreuz im roten Feld. Als Reichsfürst saß der Bischof auf dem Reichstag zwischen den Bischöfen von Hildesheim und Freising, als Bischof stand er unter dem Erzbischof von Mainz; unter den westfälischen Kreisständen hatte er den ersten Platz. Das Domkapitel bestand aus 24 Kapitularen. Das Bistum P. ward 795 von Karl d. Gr. gegründet. Bischof Badurad (815–852) erbaute einen Dom, von dem heute noch die Geroldskapelle übrig ist. Als er 834 als Gesandter Ludwigs des Frommen Lothar zur Unterwerfung unter seinen Vater überredete, erhielt er zur Belohnung den Leichnam des heil. Liborius für sein Stift. Otto III. bestätigte, da bei dem Brande des Domes (1000) viele Urkunden untergegangen waren, Bischof Rothar 1001 die Rechte und Besitzungen, darunter die freie Bischofswahl und die Immunität. Meinwerk (s. d.), Hofkaplan Ottos III. und Heinrichs II., baute den zum Teil noch jetzt stehenden Dom in Paderborn, erwarb dem Bistum 15 Gaue und verlegte die Residenz nach dem benachbarten Neuhaus. Den größten Teil der Erwerbungen erhielten die Grafen von Westfalen und von der Lippe zu Lehen, nur das Gebiet zwischen der Senne und Diemel blieb im unmittelbaren Besitz des Bischofs. Die Vogtei stand bis 1190 dem Grafen von Schwalenberg zu. Unter Simon I. (1247–77), der die bischöfliche Residenz nach Salzkotten verlegte, und Otto (1277–1307) entstanden Unruhen in der Stadt; doch behauptete sich Otto. Simon II. (gest. 1389) geriet mit dem Adel des Hochstifts in Streit. Unter Erich, zugleich Bischof von Osnabrück und Münster (gest. 1532), fand die lutherische Lehre Eingang. Erzbischof Hermann von Köln suchte sie anfangs zu unterdrücken, aber erst der nach seiner Absetzung (1547) erwählte Bischof Rembert von Kerssenbrock (gest. 1568) sicherte den Bestand des Katholizismus. Unter Ferdinand I., zugleich Erzbischof von Köln, wütete der Dreißigjährige Krieg auch im Bistum P. Erst unter Ferdinand II. von Fürstenberg (gest. 1683) gelangte das Land wieder zu blühendem Wohlstand, der im Siebenjährigen Krieg durch die Invasion der Franzosen abermals litt. Der letzte Fürstbischof von P. (seit 1789) war Franz Egon, Freiherr von Fürstenberg. Unter ihm wurde 1802 das Hochstift säkularisiert; das Land kam 1803 als Erbfürstentum an Preußen, wurde 1807 ein Bestandteil des Königreichs Westfalen, fiel 1815 an Preußen zurück und ward dem Regierungsbezirk Minden einverleibt. Als Suffraganbistum von Köln ward P. 1821 wiederhergestellt; doch sollte es erst nach dem Tode des letzten Bischofs Franz Egon von Fürstenberg (gest. 11. Aug. 1825) aufs neue mit einem Bischof versehen werden. Bischof Konrad Martin (s. Martin 3, S. 365) wurde 1875 abgesetzt. Erst 1881 wurde wieder ein Bistumsverweser und 1882 ein neuer Bischof ernannt. Der Sprengel umfaßt die preußische Provinz Sachsen, die Regierungsbezirke Minden und Arnsberg und das Herzogtum Anhalt. Der gegenwärtige Bischof ist Wilhelm Schneider. Das Domkapitel besteht aus neun Mitgliedern. Vgl. Bessen, Geschichte des Bistums P. (Paderb. 1820, 2 Bde.); Giesers, Die Anfänge des Bistums P. (das. 1860); »Urkunden des Bistums P.« (hrsg. von Wilmans, Münst. 1874–80, 2 Bde.); Holscher, Die ältere Diözese P. (das. 1886); W. Richter, Studien und Quellen zur Paderborner Geschichte (1. Teil, Paderb. 1893); Kraayvanger, Die Organisation der preußischen Justiz und Verwaltung im Fürstentum P. 1802–1803 (das. 1904); »Die Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen«, Bd. 9: Kreis P., von Ludorff und Richter (das. 1899); »Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumskunde«, Paderborner Abteilung (vom 29. Bd. an, Münst. 1871 ff.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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