Helgoland


Helgoland

Helgoland (engl. Heligoland), preußische Insel mit vielbesuchtem Seebad in der Nordsee, nordwestlich von den Mündungen der Elbe und der Weser (s. das Nebenkärtchen auf der Karte »Schleswig-Holstein« und Tafel »Seekartendarstellung«, Fig. 1), 44,5 km vom Festland entfernt, gehört seit 1891 als Landgemeinde zur Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Süderdithmarschen, ist 1700 m lang, 600 m breit, hat etwa 4000 m Umfang, 0,55 qkm (0,01 QM.) Flächeninhalt und besteht aus dem Oberland und dem im SO. vorgelagerten Unterland. Das Oberland ist ein bis 63 m hoher roter Tonsteinfelsen, der wie eine Mauer aus dem Meer emporsteigt und eine kleine Stadt sowie einen schönen Leuchtturm trägt. Auf dem Oberland sind an Stelle der frühern englischen Batterien feste Panzertürme und Mörserbatterien errichtet worden; von einer an der Südostseite des Unterlandes gelegenen Mole führt ein Tunnel hinaus. Das Unterland ist ein flaches, sandiges Vorland von geringer Ausdehnung, mit dem Oberland durch eine Treppe und einen Auszug in Verbindung stehend. Hier befindet sich ein Badehaus für warme Seebäder und das neue Konversationshaus. Etwa 1200 m östlich von diesem Vorland liegt die Düne, eine Sandinsel von 2000 m Länge und 300 m Breite. Ihr fester und seiner Sandgrund bietet den herrlichsten Badestrand dar, zu dem man auf kleinen Fahrzeugen übersetzt. Das 1826 gegründete Seebad nimmt entschieden den ersten Rang unter allen deutschen Nordseebädern ein; es ist das einzige, dessen insulare Lage eine stets reine Seeluft bedingt. Die Badezeit beginnt Anfang Juni u. dauert bis Ende Oktober.

Wappen von Helgoland.
Wappen von Helgoland.

Die Zahl der Badegäste beträgt jährlich ca. 21,000; mehr als 20,000 Touristen besuchen die Insel vorübergehend. Die Brandung des Meeres hat an der ehemals viel größern Insel arg gearbeitet und besonders an der Westseite fortwährend zerstörend eingewirkt. Neuerdings werden an den am meisten gefährdeten Stellen Mauern aus großen Granitquadern errichtet, wodurch den Uferwänden ein fester Halt gegeben wird. Die Düne wurde 31. Dez. 1720 von der Insel losgetrennt. An der Westseite Helgolands zeigt sich zur Ebbezeit ein 100 m breiter Felsgrund, und die Uferwände bieten hier das großartigste Bild von hohen Felstoren, riesigen Felskegeln und tiefen Grotten dar. Aus der Farbenzusammenstellung, die das Landschaftsbild der Insel darbietet, entstand die grün-rot-weiße Flagge der Helgoländer. Die Reede (Nord- und Südhafen genannt) liegt zwischen H. und der Düne.

Die Insel hat eine evang. Kirche, einen Leuchtturm (1901 neu erbaut), ein neues Rathaus, ein Denkmal des Dichters Hoffmann von Fallersleben, der hier das Lied »Deutschland, Deutschland über alles« dichtete, ein Nordseemuseum (mit berühmter Vogelsammlung), ein Aquarium, eine Vogelwarte, eine biologische Station zur Erforschung der Fauna der Nordsee und (1900) mit der Garnison (Matrosenartillerie) 2307 evang. Bewohner, die teils im Unterland, teils im Oberland wohnen und Fischerei, Austern- und Hummernfang, Schiffahrt und Lotsendienst sowie Bewirtung und Beherbergung der Touristen und Badegäste betreiben. Die Helgoländer sind vorwiegend friesischen Stammes und sprechen einen friesischen Dialekt (vgl. Ölrichs, Wörterschatz, Leipz. 1882), während die deutsche Sprache Kirchen- und Schulsprache ist. Mit Hamburg, Kuxhaven und Geestemünde besteht regelmäßige Dampfschiffahrt, mit der deutschen Küste submarine Telegraphenverbindung. Auf verschiedenen Feldern der Naturwissenschaften bietet H. die interessantesten Erscheinungen dar, z. B. seine geologische Formation. Dann ist die Zahl der H. während der Zugperioden besuchenden Vögel aller Länder der ganzen nördlichen Hemisphäre geradezu beispiellos. Unter den Lepidopteren ist eine höchst interessante Art, Spilosana Zatime, fast ausschließlich helgoländisch zu nennen, und unter der Flora sind einheimisch die hochnordische Cochlearia danica sowie die südliche Lobularia maritima. – H. ist das alte Fositesland (s. Forseti) und war nach der Sage eine umfangreiche, stark bevölkerte Insel. Seit dem 14. Jahrh. gehörte sie den Herzogen von Schleswig-Holstein-Gottorp, ward in dem Kampf der königlichen Linie gegen die herzogliche 1714 von den Dänen erobert, kam 1807 in den Besitz der Engländer, die sie 1814 behielten, und war während der Kontinentalsperre ein Hauptplatz für den Schmuggelhandel. Am 9. Mai 1864 fand in der Nähe ein Seegefecht zwischen Österreichern und Dänen statt, nachdem ein vom deutschen Seezeugmeister Brommy (s. Bromme) 4. Juni 1849 gegen dänische Schiffe vor H. versuchtes Seegefecht wegen englischen Einspruchs hatte abgebrochen werden müssen. 1890 ward H. von England abgetreten und 1892 zu Preußen geschlagen. Vgl. von der Decken, Untersuchungen über die Insel H. (Hannov. 1826); Lappenberg, Über den ehemaligen Umfang und die alte Geschichte Helgolands (Hamb. 1831); Wiebel, Die Insel H. (geologisch, das. 1848); Ötker, Helgoland (Berl. 1855) und Verfassung und Recht auf H. (Stuttg. 1878); Hallier, Helgoland (2. Ausg., Hamb. 1893); Lindemann, Die Nordseeinsel H. in topographischer, geschichtlicher, sanitärer Beziehung (Berl. 1889); Gätke, Die Vogelwarte H. (2. Aufl., Braunschw. 1899); Tittel, Die natürlichen Veränderungen Helgolands (Leipz. 1894); Knuth, Flora der Insel H. (Kiel 1896); Lütken, Die Nordsee-Eskader und das Seegefecht bei H. am 9. Mai 1864 (Pola 1886); H. v. Schwerin, H., historisk-geografisk undersökning (Lund 1898); Möller, Rechtsgeschichte der Insel H. (Weim. 1904).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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