Reutlingen


Reutlingen

Reutlingen, Hauptstadt des württemberg. Schwarzwaldkreises und gleichnamigen Oberamts, am Fuße der Achalm (s. d.) und an der Echatz, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Plochingen-Villingen, R.-Schelklingen u. a., 375 m ü. M., hat 4 evang. Kirchen (darunter die 1272–1343 im gotischen Stil erbaute, neuerdings restaurierte Haupt- oder Marienkirche mit einer Nachbildung des heiligen Grabes und 73 m hohem Turm), eine kath. Kirche, ein Rathaus, altertümliche Tore, Klosterhöfe, eine Schwefelquelle von 12,5° mit Bad, ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., Denkmäler des Nationalökonomen Friedr. List und des Dichters Hermann Kurz (beide hier geboren) und (1905) 23,850 Einw., davon 2499 Katholiken u. 56 Juden.

Wappen von Reutlingen.
Wappen von Reutlingen.

Die Industrie erstreckt sich auf Baumwollspinnerei und -Weberei (darunter ein Etablissement mit 2700 Arbeitern), Färberei, Bleicherei, Fabrikation von Kartonnagen, Guano, Kleidern, Leder, Leim. Maschinen, Metalltuch, Möbeln, Nähfaden, Papierhülsen und Spulen, Riemen, Schuhen, Tuch, Wollwaren, Strickmaschinen, Korsetts, Trikotwaren, Wagen, Messern etc., Eisen- und Metallgießerei, Seidenweberei, Ziegelbrennerei, große Mühlwerke, Bierbrauerei etc. Auch der Hopfen-, Wein- und Obstbau sind ansehnlich. Den Handel unterstützt eine Handels- und Gewerbekammer und eine Reichsbanknebenstelle. R. hat ein Gymnasium, eine Oberrealschule, ein Technikum für Textilindustrie, ein pomologisches Institut, ein Predigerseminar, eine landwirtschaftliche Winterschule, eine Handelslehranstalt. die Gustav-Wernerstiftung (»Zum Bruderhaus«, mit Maschinen-, Papier- und Möbelfabrik und Landwirtschaft) und ist Sitz der Regierung des Schwarzwaldkreises und eines Oberamts, eines Generalsuperintendenten, eines Amtsgerichts, eines Forstamts etc. In der Nähe befinden sich das Schloß Lichtenstein (1841 von Heideloff auf der Stelle der alten, durch W. Hauffs Erzählung bekannten Feste Lichtenstein erbaut), die Nebelhöhle und die Olgahöhle.-R., zuerst 1213 erwähnt, gehörte stets dem Reich, erhielt von Otto IV. mehrere Freiheiten und wurde von Friedrich II. befestigt. Als Reichsstadt hielt es treu zu den Hohenstaufen, trat 1331 dem Schwäbischen Städtebund bei und verteidigte sich tapfer gegen den Grafen Ulrich von Württemberg in der Schlacht an der Achalm 14. Mai 1377. Namentlich von Kaiser Maximilian I., dessen Bild den Marktbrunnen ziert, ward R. mit großen Vorrechten ausgestattet, gehörte dem Schwäbischen Bund an, begab sich aber 1505 unter württembergischen Schutz, wurde 1519 vom Herzog Ulrich von Württemberg eingenommen, doch durch den Städtebund wieder befreit. 1802 kam es an Württemberg. Am 27. Dez. 1852 zerstörte eine Explosion der dortigen Pulvermühle viele Häuser. Vgl. Rupp, Aus der Vorzeit Reutlingens und seiner Umgegend (2. Aufl., Stuttg. 1869); Jacobsen, Die Schlacht bei R. 14. Mai 1377 (Leipz. 1882); Hochstetter, Führer durch R. und Umgebung (Reutl. 1901); »Reutlinger Geschichtsblätter«, hrsg. vom Sülchgauer Altertumsverein (das. 1890 ff.); Zwiesele, Geognostischer Führer in der Umgegend von R. (Stuttg. 1897).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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