Raphĭa


Raphĭa

Raphĭa Comm. (Nadelpalme), Gattung der Palmen, niedrige Bäume mit starkem, unbewehrtem, geringeltem Stamm, sehr großen, aufrechten, gefiederten, mit Stacheln besetzten Blättern, meterlangen, mehrjährig sich entwickelnden vielverzweigten Blütenständen, die aus der Blattkrone herabhängen, grünlichen oder rotbraunen, monözischen Blüten und ein samigen, mit dachziegelförmigen Schuppen bedeckten und in eine Spitze endigenden, oliven- oder zimtbraunen Panzerfrüchten von der Größe eines Hühner- bis Gänseeies. Sechs Arten im tropischen feuchtheißen Afrika, besonders zahlreich an der Bai von Biafra, eine Art auch im tropischen Amerika. R. vinifera P. de B., im tropischen Afrika, auf Madagaskar, ein großer Baum mit langen Wedeln, liefert Material zum Dachdecken, zu Körben, Jalousien, Flechtwerk, Geweben, Nutzholz und einen Palmwein (Bourdon). Besonders aus Westafrika kommt eine von dieser Palme gewonnene Faser als afrikanische Piassaba (s. d.) in den Handel. Varietäten dieser Art. R. taedigera Mart. (Jupati) und R. nicaraguensis Öst., finden sich auch in Mittelamerika und Brasilien, wohin sie vielleicht vor Menschengedenken gebracht worden sind. Die Jupatipalme am untern Amazonenstrom besitzt einen 2,5 m hohen Stamm, der tief hinab mit den stehen bleibenden, scheidenförmigen Basen abgefallener Blattstiele und mit den zahlreichen stachligen Fortsätzen, die davon ausgehen, bekleidet ist, und trägt eine prachtvolle, über 20 m hohe Blattkrone von mehr als 12 m Durchmesser. Die einzelnen Blätter werden über 15 m lang (vielleicht die größten Blätter des Pflanzenreichs) und die Fiederblättchen 1,25 m. Der Blattstiel, von 10–12 cm Durchmesser und 4–5 m Länge, liefert in der zerspaltenen, festen äußern Haut Material zu Körben und Jalousien; das fast korkartige Innere wird zu Latten zerspalten und zu Stöpfeln benutzt. R. Ruffia Mart. (R. pedunculata P. B., s. Tafel »Faserpflanzen II«, Fig. 4, mit Text), an der tropischen Küste Ostafrikas und auf Madagaskar, wird zur Sagogewinnung kultiviert. Die Oberhaut mit den starken Bastbündeln der Fiedern bildet den Raphiabast, den man zu Flechtwerk und in der Gärtnerei als Bindematerial und zum Okulieren benutzt. Er ist hellgelb, zäh, geschmeidig, etwas elastisch und besitzt eine höchst bedeutende Zerreißungsfestigkeit. Dagegen ist er gegen Feuchtigkeit empfindlich und nur von geringer Dauer. Vgl. Sadebeck, Der Raphiabast (Hamb. 1901); Deslandes, Le Rafia, exploitation, utilisation et commerce à Madagascar (Par. 1905).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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