Parthenogenesis


Parthenogenesis

Parthenogenesis (griech., Jungfernzeugung), eine Art der Fortpflanzung, bei der sich das Ei ohne Befruchtung durch den Samen entwickelt. Bei der P. muß also wie bei der zweigeschlechtlichen Fortpflanzung ein weibliches Tier vorhanden sein, aber nur dieses allein, weshalb man sie auch der eingeschlechtlichen Fortpflanzung zurechnet. Sie ist namentlich bei den Rädertieren, Würmern, Krebsen und Insekten verbreitet. So sind z. B. bei den Blattläusen zu gewissen Zeiten im Jahre nur Weibchen vorhanden, die sich mehrere Generationen hindurch parthenogenetisch vermehren, bis endlich Männchen erscheinen und diejenigen Eier, die den Winter zu überdauern haben, befruchten. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei den Rädertieren, den Wasserflöhen u.a. Zeitweilig parthenogenetisch sind die Bienen, Wespen etc. Bei den Bienen wird zwar das Weibchen (Königin) von den Männchen (Drohnen) begattet, jedoch bleibt der Same in einem besondern Behälter (receptaculum seminis) aufbewahrt und ergießt sich nur über diejenigen Eier, aus denen Königinnen und Arbeiter (verkümmerte Weibchen) hervorgehen, während die Drohnen von unbefruchteten Eiern abstammen. Somit legt eine unbegattete Königin nur Eier ab, aus denen Drohnen hervorgehen, und das gleiche ist der Fall bei den Arbeiterinnen, die gelegentlich Eier hervorbringen, aber nicht begattet werden können. Auch bei Gallwespen, Blattwespen und Schildläusen ist P. eine häufige Erscheinung, ebenso bei einigen Schmetterlingen. Eine besondere Form der P. ist die Pädogenesis (s. d.). Neuerdings hat die Lehre von der P. durch Untersuchungen auf experimentellem Gebiet eine wesentliche Erweiterung erfahren. Durch Einwirkung verschiedener Salz- (besonders Chlormagnesium-) Lösungen von geringem Prozentgehalt ist es gelungen, Eier von Stachelhäutern, besonders Seeigeln, sowie von Würmern und Weichtieren zur Entwickelung zu bringen, die nicht befruchtet worden und auch mit Spermatozoen nicht in Berührung gekommen waren. Auch andre unbefruchtete Eier konnten durch mechanische und chemische Reize zur Entwickelung gebracht werden, so Seeigeleier durch Schütteln, Seidenspinnereier durch Reiben oder durch kurzes Eintauchen in starke Schwefelsäure, Froscheier durch Sublimatlösung, Fisch- und Amphibieneier durch Einwirkung von Antidiphtherieserum. Ferner wurde gezeigt, daß der Samen der Seeigel einen chemischen Stoff enthält, der die Eier zur Entwickelung anregt, ohne daß von den lebenden Samenfäden etwas hinzukommt. Man hat diese Erscheinung als künstliche P. bezeichnet. Vgl. Claus, Generationswechsel und P. im Tierreich (Marb. 1858); Siebold, Beiträge zur P. der Arthropoden (Leipz. 1871); Weismann, Beiträge zur Naturgeschichte der Daphnoiden (das. 1879); Karsten, P. und Generationswechsel im Tier- und Pflanzenreich (Berl. 1888); O. Taschenberg, Historische Entwickelung der Lehre von der P. (Halle 1892); I. Loeb, Versuche über künstliche P. (»American Journal of Physiology«, Bd. 3 u. 4,1900; »Archiv für Entwickelungsmechanik der Organismen«, Bd. 13, Leipz. 1902); Wilson, Versuche über künstliche P. (ebenda, Bd. 12 u. 13,1901); Petrunkewitsch, Das Schicksal der Richtungskörper im Bienenei. Beiträge zur Kenntnis der natürlichen P. (»Zoologische Jahrbücher«, Bd. 14 u. 17, Jena 1901 u. 1903).

Bei Pflanzen wurde die P. lange Zeit für eine seltene, nur ausnahmsweise auftretende Erscheinung gehalten, für welche die durch Al. Braun bekannt gewordene P. von Chara crinita als klassisches Beispiel galt. Indes ist jetzt das regelmäßige Vorkommen der P. bei einer größern Anzahl von Pflanzen, z. B. bei Antennaria alpina, bei Alchemilla- und Thalictrum-Arten, nachgewiesen und bei andern, wie z. B. gewissen Kompositen, wahrscheinlich gemacht. Eine verwandte Erscheinung findet sich unter den Pilzen bei gewissen Mucor-Arten, bei denen bisweilen einzelne oder alle ihrer Natur nach zur Kopulation bestimmte Zellen ohne zu kopulieren jede für sich zu zygosporenartigen Keimzellen, Azygosporen, auswachsen, und auch bei Saprolegniazeen, bei denen die im Oogonium gebildeten Eizellen wegen Fehlschlagens der Antheridienäste unbefruchtet bleiben und trotzdem zur vollen Reise und normalen Keimfähigkeit gelangen. Gänzliches Fehlschlagen der Geschlechtsorgane und Ersatz der Embryobildung durch vegetative Sprossung wird als Apogamie (s. d.) bezeichnet.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.