Leiche


Leiche

Leiche (Leichnam, Cadaver), der tierische und menschliche Körper nach dem Tod, auch wohl die abgestorbene Pflanze. Von den organischen Substanzen, aus denen der tierische Körper besteht, beginnen die leichter zersetzbaren sofort nach dem Tod andre Umwandlungen zu erleiden als im Leben, und es treten infolgedessen die Leichenerscheinungen ein. Nach 8–12, auch 17 Stunden ist die L. erkaltet, das Blut und die Muskelflüssigkeit gerinnen, es entsteht nach 2–4 Stunden (extreme Fälle abgerechnet) die Totenstarre oder Leichenstarre (s. d.), die von oben nach unten fortschreitet; dem Gesetz der Schwere folgend, fließt das Blut nach tiefer gelegenen Stellen (Blutsenkung) und färbt die am tiefsten gelegenen Körperteile (d.h. wenn die L. auf dem Rücken lag, den Rücken, lag sie auf dem Bauche, den Bauch) rotblau. Diese Totenflecke, die nach 3–12 Stunden zu erscheinen pflegen, unterscheidet man (z. B. bei der gerichtlichen Obduktion eines Getöteten) von blauen, durch Blutunterlaufung entstandenen Flecken dadurch, daß beim Einschneiden der Haut im erstern Falle das Blut aus den durchschnittenen, strotzend gefüllten Blutadern austritt, während es im letztern als Gerinnsel im Unterhautbindegewebe wahrgenommen wird. Nach 11/2-3 Tagen pflegt die Totenstarre zu verschwinden. Sehr bald erzeugt dann die Fäulnis tiefer greifende Veränderungen, und es entwickelt sich ein charakteristischer Leichengeruch, der unter Umständen auch schon früher auftritt. Soll die L. konserviert werden, so bringe man sie gleich nach dem Tod in ein möglichst kaltes, lustiges Zimmer, lasse sie hier leicht bedeckt erkalten und sorge durch Auflegen von Eis auf den Körper für möglichst starke Abkühlung. Außerdem bedeckt man die L. mit in Sublimatlösung (1:1000) getränkten Tüchern. Über Einbalsamieren der L. s. d. Für den Gerichtsarzt gilt die obige Erklärung von L. (jedes tote menschliche Wesen) nicht, da das Gesetz weder Frühgeburten, die noch keine eigne Existenz auf die Dauer außerhalb der Mutter fristen können, noch mißbildete lebensunfähige Kinder als L. anerkennt, selbst wenn sie zur Zeit der Geburt gelebt haben und alsdann gestorben sind. Nach den Entscheidungen des frühern preußischen Obertribunals sind also nur ausgetragene und bei der Geburt lebensfähige Kinder, die während oder nach der Geburt sterben, zu den toten Menschen zu rechnen und im Obduktionsprotokoll gleich ältern Individuen als L. zu bezeichnen. – L. in der Buchdruckerei: vom Setzer ausgelassene Wörter oder Sätze, die bei der Korrektur im Satz eingeschaltet (»begraben«) werden müssen. Der L. steht die Hochzeit, das doppelt Gesetzte, gegenüber.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Leiche — Leiche,die:1.〈KörpereinestotenMenschen〉Leichnam·derTote+Mumie♦gehoben:diesterblicheHülle·diesterblichenÜberreste;auch⇨Verstorbene,⇨Aas(1)–2.überLeichengehen:⇨rücksichtslos(2);wieeine[wandelnde]L.:⇨blass Leiche→Leichnam …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Leiche — Sf std. (8. Jh.), mhd. līch, ahd. lī(c)h f./n. u.ä., as. līk Stammwort. Aus g. * līka n. Körper, Fleisch, Leiche , auch in gt. leik n., anord. lík n., ae. līc n. Das Femininum ist nur deutsch und wohl sekundär. Herkunft unklar. Die sehr komplexen …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Leiche — Leiche: Mhd. līch »Körper, Leib; Leibesgestalt; Aussehen, Teint; toter Körper, Toter«, ahd. līh‹h› »Körper, Leib; Fleisch, toter Körper«, got. leik »Körper, Leib; Fleisch; toter Körper«, aengl. līc »Körper; toter Körper«, schwed. lik »toter… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Leiche — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Bsp.: • Eine Leiche wurde im Wald gefunden …   Deutsch Wörterbuch

  • Leiche — Leiche, 1) todter Menschenkörper, von dem Momente des wirklichen Todes bis zur völligen Aufhebung der Körperform. Zeichen des wirklichen Todes sind, wenn man weder Herz noch Pulsschlag mehr wahrnimmt, wenn auch der leiseste Athem aufgehört hat,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Leiche — Leiche, Leichnam (Cadāver), der abgestorbene tierische Organismus, geht nach dem Aufhören des normalen Stoffwechsels in Fäulnis über, die sich durch bestimmte Erscheinungen (Leichenerscheinungen) kundgibt, durch Gerinnung des Blutes und der… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Leiche [2] — Leiche, im Buchdruck vom Setzer aus Versehen weggelassene Wörter oder Sätze …   Kleines Konversations-Lexikon

  • leiche — leiche, leicht obs. forms of leech, light …   Useful english dictionary

  • Leiche — Leichen getöteter Kommunarden, Paris 1871 Unter einer Leiche oder einem Leichnam versteht man einen toten Körper, insbesondere den toten menschlichen Körper. Für nichtmenschliche Tierleichen gibt es die Begriffe Kadaver, Aas oder Tierkörper. In… …   Deutsch Wikipedia

  • Leiche — bedeutet in der Volkssprache sowohl ›Leichnam‹ als auch ›Begräbnis‹. In der großen Zahl von Redensarten zeigt sich das stark affektive Verhältnis zum Tod, das zuweilen aber auch in zynischen oder groben Witz umschlägt. ›De ganze Woche krank und… …   Das Wörterbuch der Idiome