Heilbronn


Heilbronn

Heilbronn, Oberamtsstadt im württemberg. Neckarkreis, einst berühmte Reichsstadt, am Neckar und am Fuß des Wartbergs, 160 m ü. M., hat im Innern noch immer einen ganz mittelalterlichen Charakter, während außerhalb neue und elegante Stadtteile entstanden sind.

Wappen von Heilbronn.
Wappen von Heilbronn.

Unter den zu gottesdienstlichen Zwecken dienenden Gebäuden (3 evangelische und eine kath. Kirche und eine Synagoge) sind bemerkenswert: die an kunstvollen Steinarbeiten reiche, restaurierte St. Kilians- oder Stadtkirche, ein spätgotischer Bau des 15. Jahrhunderts mit spätern Renaissancezusätzen und einem 62 m hohen, zierlichen Turm, schönem Chor, trefflichem Schnitzaltar (1493), Glasmalereien und der Quelle, die, unter dem Hauptaltar hervorsprudelnd, von der Kirche in den Siebenrohrbrunnen (das Wahrzeichen von H.) strömt, nach dem Karl d. Gr. die Stadt benannte; die katholische Josephskirche (ehemalige Deutschordenskirche) und die neue, im maurischen Stil ausgeführte Synagoge. Ferner sind hervorzuheben: das jetzt restaurierte Rathaus am Markt (von 1540), mit einer Kunstuhr und interessanten Urkunden, das Deutschordenshaus, in dem Oxenstierna 1633 den Heilbronner Vertrag abschloß (s. unten), der Diebs- oder Götzenturm am Neckar, in dem Götz von Berlichingen einst gefangen saß. Denkmäler besitzt die Stadt für Kaiser Wilhelm I. auf der Promenade, für Kaiser Friedrich I. auf dem Kaiser Friedrichs-Platz, für Bismarck an der Neckarbrücke, für den Naturforscher Robert v. Mayer auf dem Marktplatz. Die Zahl der Einwohner beträgt (1900) mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 122) 37,891, darunter 5152 Katholiken und 813 Juden. Die Industrie ist bedeutend. H. hat eine Fabrik für silberne Tafelgeräte und Bestecke, 3 Maschinenfabriken, Eisen- und Metallgießerei, 2 große Papierfabriken, Leim- und Düngerfabriken, eine große Zuckerfabrik, ein Salzwerk mit einer jährlichen Produktion von 450,000 metr. Ztr. Stein- und 250,000 metr. Ztr. Siedesalz. Außerdem findet man in H. Fabrikation von Feigenkaffee und Zichorie, Konserven, Briefumschlägen, Tabak, Messerschmiedewaren, Kölnischem Wasser, Pianinos, Seife, Stearin, Öl und Zement, Bleiweiß, Essig, ferner Bleichen, Färbereien, Gerbereien, Bierbrauereien etc.; auch der Weinbau ist sehr bedeutend. Der Handel, unterstützt durch eine Handels- und Gewerbekammer, eine Reichsbanknebenstelle und die Württembergische Transportversicherungsgesellschaft sowie durch die lebhafte Kettenschleppschiffahrt von Mannheim nach H., ist besonders lebhaft in Kolonialwaren, Salz, Landesprodukten, Holz und Kohlen. Für den Eisenbahnverkehr ist die Stadt Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Bietigheim-Jagstfeld, H.-Marbach a. N., H. – Krailsheim und H.-Eppingen. Den Verkehr in der Stadt vermittelt eine elektrische Straßenbahn. H. hat ein Gymnasium, Oberrealschule, landwirtschaftliche Winterschule, Handelsschule etc., Theater, Zellengefängnis und ist Sitz eines Generalsuperintendenten, eines Landgerichts (für die 9 Amtsgerichte zu Backnang, Besigheim, Brackenheim, H., Marbach, Maulbronn, Neckarsulm, Vaihingen und Weinsberg), eines Forstamts und eines Hauptsteueramts. Der städtische Gemeinderat und der Bürgerausschuß bestehen je aus 19 Mitgliedern. Den schönsten Blick auf Stadt und Umgegend gewährt der Wartberg (mit Wartturm).

H., unter den Karolingern eine königliche Pfalz, wird 741 zuerst erwähnt und war 1073 bereits ein ansehnlicher Ort, der von Kaiser Heinrich IV. Stadtrechte erhielt. Dann wurde H. dem Bischof von Würzburg übertragen, der es 1225 den Hohenstaufen überließ. Rudolf von Habsburg verlieh der Stadt ausgedehnte Freiheiten, doch wurde dieselbe erst 1360 nach Erwerbung des Schultheißenamtes Reichsstadt. H. trat 1331 dem Schwäbischen Städtebund und später dem Schwäbischen Bund bei, der 1519 hier Götz von Berlichingen gefangen hielt. Die Reformation fand 1525 Eingang in H. Im Bauernkrieg fiel die Stadt infolge innerer Zwistigkeiten in die Hände der Bauern, die daselbst im Mai 1525 einen Konvent abhielten, auf dem eine Reform des Reiches beraten wurde. Später trat sie dem Schmalkaldischen Bund bei und mußte für ihre Teilnahme am Schmalkaldischen Kriege dem Kaiser 1547 hohe Geldbuße zahlen. 1633 fand hier ein Konvent zwischen Oxenstierna, den Ständen des schwäbischen, fränkischen, ober- und niederrheinischen Kreises und den französischen, englischen und holländischen Botschaftern statt, infolgedessen 23. April der Heilbronner Vertrag zur Fortsetzung des Krieges zustande kam. 1802 wurde H. von Württemberg eingezogen. Vgl. Jäger, Geschichte von H. (Heilbr. 1828); Kuttler, H., seine Umgebungen und seine Geschichte (das. 1859); Küsel, Der Heilbronner Konvent (Halle 1878); Dürr, Heilbronner Chronik (das. 1896); Schliz, Die Entstehung der Stadtgemeinde H. (Leipz. 1903); »Beschreibung des Oberamts H.« (vom statist. Landesamt, Stuttg. 1901–03, 2 Bde.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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