Robert [1]


Robert [1]

Robert (Ruprecht), Könige von Frankreich: 1) R. der Tapfere, s. Kapetinger.

2) R. I., jüngerer Bruder König Odos, behielt nach dessen Tod das Herzogtum Francien und unterwarf sich dem karolinischen König Karl dem Einfältigen, empörte sich 920 gegen diesen, wurde 922 von den fränkischen Großen in Reims zum König ausgerufen, fiel aber schon 15. Juni 923 in der Schlacht bei Soissons gegen Karl.

3) R. II., der Fromme, Sohn Hugo Capets, geb. 971, gest. 20. Juli 1031, folgte jenem 996 auf dem Thron und führte eine kläglich schwache Regierung. Von seiner ersten Gemahlin, seiner Cousine Berta von Burgund, mußte er sich 1004 wegen Verwandtschaft trennen, um dem über das Land verhängten päpstlichen Interdikt zu entgehen, und die zweite, Konstanze von Arles, Tochter des Grafen Wilhelm Taillefer von Toulouse, verbitterte ihm durch Herrschsucht und Ränke das Leben. R., von dem berühmten Gerbert von Reims erzogen, war einer der vorzüglichsten Komponisten und Hymnendichter seiner Zeit; von seinen Kompositionen war das »Veni, sancte spiritus« eine der schönsten. Vgl. Pfister, Etudes sur le règne de R. le Pieux (Par. 1885).

König von Neapel: 4) R. von Anjou, Herzog von Kalabrien, geb. um 1265, gest. 19. Jan. 1343, dritter Sohn Karls II., folgte 1309 seinem Vater auf dem Thron. Ehrgeizig und herrschsüchtig, erstrebte er die Vernichtung der deutschen Macht in Italien, versicherte sich der Unterstützung des Papstes und wußte auch die wichtigsten Guelfenstädte auf seine Seite zu bringen, so daß er den Kaisern Heinrich VII. und Ludwig dem Bayern bei ihren Zügen nach Italien erfolgreichen Widerstand zu leisten vermochte. Weniger glücklich war er in seinen wiederholten Unternehmungen auf Sizilien 1314, 1325, 1339 und 1341. Er war ein großer Freund der Philosophie und Dichtkunst, die er selbst pflegte; eine Sammlung seiner Poesien gab Ubaldini heraus (Rom 1642).

Herzoge von der Norman die: 5) R. I., der Teufel, jüngerer Sohn des Herzogs Richard II., folgte 1028 seinem ältern Bruder, Richard III., den er vergiftet zu haben beschuldigt wurde, in der Regierung. Nachdem er rebellische Vasallen unterworfen, führte er den von seinem eignen Sohne vertriebenen Grafen Balduin IV. von Flandern in sein Land zurück, leistete dem König Heinrich I. von Frankreich gegen dessen Mutter Constantia wirksamen Beistand und demütigte namentlich den Grafen Odo von Champagne. Darauf zwang er den Herzog Alain von Bretagne zur Anerkennung seiner Oberlehnshoheit. Aus Reue über verübte Grausamkeiten unternahm er eine Wallfahrt nach Jerusalem und starb auf der Rückkehr 22. Juli 1035 in Nikäa. Ihm folgte sein einziger (natürlicher) Sohn Wilhelm (der Eroberer). Roberts Heldentaten und Buße gaben den Stoff zu mehreren poetischen Werken. Ein Roman: »La vie du terrible R. le Diable, lequel fut après l'homme de Dieu«, erschien in Paris 1496 u. ö. in Nachahmungen. Bekannt sind das Vaudeville »R. le Diable« (1813) und das Drama »R. der Teufel« von Raupach, besonders aber die Oper von Meyerbeer, Text von Scribe. Auch Viktor v. Strauß dichtete ein Epos »R. der Teufel«. Vgl. Tardel, Die Sage von R. dem Teufel in neuern deutschen Dichtungen (Berl. 1900).

6) Ältester Sohn Wilhelms des Eroberers, geb. 1060, wurde von der englischen Thronfolge ausgeschlossen und 1087 Herzog der Normandie, verpfändete sein Herzogtum 1096 an Wilhelm den Roten von England, um am ersten Kreuzzug teilnehmen zu können, zeichnete sich bei Doryläum, vor Antiochia und Jerusalem durch Tapferkeit aus, suchte nach seiner Rückkehr 1101 seinem jüngsten Bruder, Heinrich, der König von England geworden, vergeblich die Krone streitig zu machen, ward 28. Sept. 1106 bei Tinchebray besiegt und gefangen und starb 1134 in Cardiff. Auch sein Sohn Wilhelm Clito erhielt die Normandie nicht zurück.

Herzog von Parma: 7) R. I., Sohn des Herzogs Karl III. und der Herzogin Luise, Tochter des Herzogs von Berry, geb. 9. Juli 1848, folgte seinem Vater 27. März 1854 in der Regierung unter der Regentschaft seiner Mutter, ward aber durch die Revolution vom 30. April 1859 vertrieben und lebt jetzt zu Schwarzau am Steinfelde in Niederösterreich. Er vermählte sich 5. April 1869 mit der Tochter König Ferdinands II. von Sizilien, Maria Pia, die am 29. Sept. 1882 starb, und 15. Okt. 1884 mit Maria Antonia, der Tochter des Prinzen Miguel von Portugal.

Könige von Schottland: 8) R. I. Bruce, Enkel des Kronprätendenten R. Bruce (s. Bruce 1), geb. 11. Juli 1274, gest. 7. Juni 1329, stürzte 1306 die englische Herrschaft und bestieg den Thron. Er siegte über Eduard II. von England bei Bannockburn (24. Juni 1314) und zwang dessen Nachfolger 1328, sein Thronrecht anzuerkennen. Er zuerst berief Vertreter der Städte ins schottische Parlament. Vgl. Barbour, The Bruce or The book of R. de Broyss king of Scots (hrsg. von Skeat, Edinb. 1894, 2 Bde); Maxwell, R. the Bruce (Lond. 1897).

9) R. II., Enkel des vorigen, Sohn von dessen Tochter Majoria und dem Grafen Walter Stuart, geb. 2. März 1316, gest. 13. Mai 1390, leitete die Regierung bereits während der Minderjährigkeit und des Exils seines Vorgängers und Oheims David II. und folgte ihm 1371. Mit ihm beginnt die Herrschaft des Hauses Stuart. Er hatte seit 1377 unaufhörliche Kämpfe mit den Engländern zu bestehen.

10) R. III., geb. 1340, gest. 4. April 1406, Sohn des vorigen, folgte ihm 1390. Schwach und verschwenderisch, auch körperlich gebrechlich, überließ er die Regierung seinem jüngern Bruder, Alexander, Herzog von Albany, und den Großen, die ihre Rechte bedeutend erweiterten. Seine Kriege mit England 1399–1402 waren unglücklich. Ihm folgte sein zweiter Sohn, Jakob I., nachdem der ältere, David, wegen einer ungerechten Anklage verhaftet, im Gefängnis Hungers gestorben war.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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