Eisspiele

Eisspiele

Eisspiele, auf dem Eis ausgeführte Spiele. Das Eisbosseln der schleswig-holsteinischen Marschbewohner erfordert viel Gewandtheit, Kraft und Übung und eine weite ebene Fläche, um der zu schleudernden hölzernen, mit Blei ausgegossenen und etwa 500 g schweren Kugel (Bossel) freie Bahn zu schaffen. Tüchtige Boßler können die Bossel bis 50 m »fluchten«, d.h. werfen, bevor sie die Erde berührt, und dann oft noch weitere 50 m rollen lassen. Sind die Übungen in einem Dorf beendet, so wird an das benachbarte Dorf die Herausforderung gerichtet; oft vereinigen sich auch die sämtlichen Dörfer eines Kirchspiels, um gegen ein anderes Kirchspiel zu kämpfen. Zwei Fahnenträger bezeichnen die Richtung, nach der die Bosseln zu werfen sind, und nun wird abwechselnd nach einer vorher festgesetzten Reihenfolge gebosselt, bis an einer bestimmten Stelle, oft meilenweit vom Ausgangspunkt, nach rückwärts weitergespielt wird. Ist eine Partei der andern so weit vorausgekommen, daß die letztere in einem Wurf nicht mehr nachkommen kann, so hat die erstere den »Schott up«, d.h. sie läßt die Gegenpartei zweimal werfen. Gewinnt die andre Partei wieder einen solchen Vorsprung, so muß die erstere wieder einen »Schott« ausziehen. Haben alle geworfen, die Zahl der Spieler schwankt zwischen 30 u. 100 Mann, dann ist der Kampf vorbei, die siegende Partei erhält den gesamten Einsatz und die Bossel der Gegenpartei. Hat eine Ortschaft dreimal nacheinander über einen andern Ort gesiegt, so wird die Bossel vergoldet und im Vereinslokal an der Decke aufgehängt. Zur Pflege des Spiels haben sich seit einigen Jahren allerorten in der Marsch Bosselvereine gebildet.

Dem Bosseln verwandt ist das Eisschießen, eins der hervorragendsten Volksspiele des bajuvarischen Volksstammes, bei dem eine Holzscheibe auf einer glatten Eisbahn von etwa 100 m Länge nach einem bestimmten Ziel befördert werden muß. Das Zielobjekt ist rund oder würfelförmig und heißt im Pinzgau das »Hasl«, in Oberösterreich die »Taube«. Die Wurfscheibe (Eisstock) ist ein schwerer, mit starkem Eisenreifen umgebener und mit einem gekrümmten Handgriff (Zapfen) versehener eichener Holzteller von 20–25 cm Durchmesser und 5–10 kg Gewicht. Die Bodenseite wird durch Wichsen mit Wachs möglichst glatt gemacht. Auch hier steht Dorf gegen Dorf, Gau gegen Gau. Jede Partei hat ihren Spielleiter (Moar geheißen); diejenige, die am Schluß eines Ganges (Kehr) einen ihrer Eisstöcke zunächst am Ziel hat, legt neu vor; gewonnen hat diejenige Partei, die zuerst zwei »Kehren« macht. Von dem »Stichmatz« aus, einer in das Eis gehauenen Einkerbung, muß der Eisstock so geschleudert werden, daß er seine Bahn nicht ausschließlich durch die Luft nimmt, sondern rotierend auf dem Esse vorwärts gleitet und so dem Ziele zustrebt. Oft soll er auch nur die im Wege stehenden Stöcke der Gegenpartei beiseite schieben, damit die Bahn für den Schützen der eignen Partei wieder frei wird. Die bei diesem Teil des Spiels an den Tag gelegten Berechnungen machen dieses Spiel dem schottischen Curling sehr ähnlich, das als schottisches Nationalspiel, als auld Scotia's national game, gilt. Es bestehen in Schottland mehrere hundert Curlingclubs, die sich zum Royal Caledonian Club zusammengeschlossen haben, deren Mitglieder genau festgelegte Formen beim Verkehr untereinander beobachten. Auf einer glatten Eisbahn, am besten auf einem gefrornen See, werden in einer Entfernung von 40 m zwei konische Holzpflöcke in das Eis getrieben, um die als Mittelpunkt mehrere konzentrische Kreise beschrieben werden, deren äußere einen Radius von 2 m haben. In einer Entfernung von 7 m von den Zielpunkten werden zwei gerade Linien senkrecht zu einer der die beiden Ziele verbindenden Längslinien gezogen, 2 m hinter den Zielen werden zwei Pflöcke in das Eis getrieben, an die ein Brett hochkantig befestigt wird, um dem Spieler, der den Stein schleudert, eine Stütze zu bieten. Die Aufgabe des Spielers ist nun die, den Curlingstein möglichst nahe an das Ziel auf der andern Seite der Bahn zu bringen. Der Curlingstein besteht gewöhnlich aus Granit, ist rund, oben und unten abgeflacht, hat also ungefähr das Aussehen eines Schweizerkäses. Auf der einen abgeflachten Seite befindet sich ein eiserner Handgriff, der Umfang beträgt 80–100 cm, das Gewicht 12–20 kg. Die Spieler, am besten 8 an der Zahl, mit langen Besen ausgerüstet, um die Bahn stets glatt zu halten, teilen sich in zwei Abteilungen, jeder besitzt zwei Steine, die durch seinen Namen oder seine Farben kenntlich sind, außerdem müssen die Steine der beiden Parteien durch irgend ein Merkmal voneinander zu unterscheiden sein. Abwechselnd werfen die Spieler der einen oder andern Partei, und sind alle Steine verworfen, so wird der Stand des Spieles von einem Schiedsrichter aufgenommen, und das Spiel beginnt mit nunmehr ausgewechseltem Standort und Zielpunkt von neuem. Die Berechnung geschieht nach Points. Der dem Ziel am nächsten liegende Stein zählt einen Point gut für die Partei, der er angehört, jeder Stein, der den 7 m vom Zielpunkt liegenden Querstrich nicht überschritten hat, oder der über den äußern Ring des Zieles hinausgeflogen ist, gilt als tot. Die Partei, die zuerst 21 Points oder nach Ablauf einer gewissen Zeit die meisten Points hat, hat die Partie gewonnen. Neuerdings beginnt das Curling außer in Schweden und Norwegen sich auch in der Schweiz (St. Moriz) und in Deutschland einzubürgern. Es kann auch auf bedeckten und künstlichen Eisbahnen gespielt werden.

Das Eishockey ist eine Abart des Association Foot Ball, bei welcher der Ball nicht mit den Füßen, sondern mit Stöcken getrieben wird. Der Ball soll ein Gewicht von 150–160 g und einen Umfang von 23–24 cm haben. Die Stöcke sind unten gebogen. Die Spieler, deren acht auf jeder Seite genügend sind, bewegen sich auf Schlittschuhen. Die Pointe des Spiels besteht für die eine Partei darin, den Ball über das feindliche Mal wegzuschlagen, für die andre Partei dieses zu verhindern und ihrerseits denselben Versuch auf das Mal der Gegenpartei zu machen. Das Eishockey bietet den Teilnehmern eine vorzügliche Gelegenheit, ihre Gewandtheit im Schlittschuhlaufen zu er proben; rasches Wenden, Vorwärts- und Rückwärtslaufen sowie manche andre Kunst sind erforderlich, um den Ball mit sicherm Schlag anzutreiben und zurückzuschlagen. Vgl. Schneider, Katechismus des Wintersports (Leipz. 1894).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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