Elfenbein


Elfenbein

Elfenbein (lat. Ebur) ist die Substanz der Stoßzähne der Elefanten. Diese in die Zwischenkieferknochen eingepflanzten und daher den Schneidezähnen der übrigen Säugetiere entsprechenden Zähne sind wurzellos und haben an ihrem in der Alveole steckenden untern Ende eine große, von der Zahnpulpe erfüllte Höhle, von der ihr Wachstum ununterbrochen ausgeht, solange das Tier lebt. Man unterscheidet an ihnen nur Zahnbein und Zement, während der Schmelz fehlt. Wie alle nur als Waffen dienenden Zähne, sind sie verhältnismäßig arm an Mineralsubstanz; sie enthalten davon 56–59 Proz., wesentlich phosphorsauren mit sehr wenig kohlensaurem Kalk, innig verbunden mit leimgebender Substanz. E. bildet einen sehr wichtigen Handelsartikel, und man unterscheidet weiches (totes E., Milchbein), hartes (lebendes, transparentes E., Glasbein) und halbweiches E. Ganz junge Zähne (Escrivellen) sind geringwertiger. Das meiste E. kommt aus Afrika, und die wichtigsten Handelsplätze sind Sansibar, Mosambik und Kilimane, Port Natal und Kapstadt. Die Westküste liefert E. in Benguella, San Paolo, Loanda, Ambriz, von der Kongomündung, Gabun, Kamerun, Nigermündung, Lagos, Akra, Senegalmündung. Außerdem kommen noch in Betracht Mogador, Tripolis, Alexandria und Massaua. In Asien sind die wichtigsten Ausfuhrplätze Ceylon, Sumatra, Malakka. Das beste, aber sehr seltene E. ist das von Siam, das schwer und von seinem, etwas rötlichem Korn ist. Im europäischen Handel erscheint meist nur afrikanisches E. (zum großen Teil über Bombay). Von der Ostküste werden jetzt annähernd jährlich 564,000 kg, von der Westküste 284,000 kg, also zusammen 848,000 kg im Wert von 15–17 Mill. Mk. nach Europa verschifft, das von 65,000 getöteten Elefanten stammt. Das im Handel erscheinende E. ist aber nur zum ge ringen Teil von frisch erlegten Elefanten gewonnen, hat vielmehr längere Zeit auf oder im Boden gelegen. Die Hauptmärkte für E. sind London und Antwerpen. Ein großer Teil des im Handel vorkommenden Elfenbeins stammt vom Mammut und wird in Sibirien, besonders in dessen nördlichem Teil, auf der vierten Bäreninsel und auf der ersten der Ljächowschen Inseln, gegraben (ebur fossile, blaues E.). 1840 wurden schon gegen 110,000 Pfund fossiles E. ausgeführt. Der Handel mit dem fossilen E. ist alt, Theophrast kannte es, auch kam es früh nach China, wo es als Drachenknochen oder als das Gebein einer grabenden Erdratte von der Größe des Elefanten bezeichnet wurde. Im 9. und 10. Jahrh. brachten Araber fossiles E. nach dem Abendland, und aus jenen Zeiten stammen manche Elfenbeinschnitzereien unsrer Sammlungen. Dies E. ist sehr hart, aber von schlechter Farbe. Gelegentlich kommen auch die wuchtigen Backenzähne des Elefanten in den Handel, die aber wegen ihrer Härte sehr schwer zu bearbeiten sind. Wichtiger aber sind die Zähne des Nilpferdes, die vom Kap, von der afrikanischen Ostküste, von Abessinien und Ägypten ausgeführt werden; sie sind 30 bis 35 cm lang, wiegen 1–2 kg und bilden ein vorzügliches E., das nie gelb wird. Da indes die Zähne weit hinein hohl sind, so taugen sie nur zu kleinen Gegenständen. Ähnlich werden auch die 60–80 cm langen und 3–4 kg schweren, dichten, harten und blendend weißen Eckzähne des Unterkiefers vom Walroß (meist zu Stockgriffen) und die oft 2–3 m langen, schraubenartig gefurchten, harten und gut polierbaren Stoßzähne des Narwals verwertet.

E. kommt meist in 1–1,25 m langen, armsdicken und 35–40, bisweilen über 80 kg schweren Zähnen vor, während 2,5 m lange Zähne zu den Seltenheiten gehören. Das weiche E. ist milchweiß, nicht durchscheinend, weniger spröde, das harte ist schwach durchscheinend, hat einen warmen, gelblichen, rötlichen oder grünlichen Ton und ist spezifisch schwerer als das vorige. Auf dünnen, der Längsrichtung entsprechenden Elfenbeinplatten sieht man gewöhnlich eine Zeichnung, ähnlich derjenigen des Holzes. Auf schiefen Flächen bilden längliche Maschen eine seine, netzartige Zeichnung. Das E. ist um so seiner, je gleichmäßiger es gefärbt ist, je zarter die netzartigen Zeichnungen sind, und se weniger deutlich sie hervortreten. An der Luft wird es gelb und verliert auch nach dem Bleichen nicht die Neigung, wieder nachzudunkeln. Sein spezifisches Gewicht ist 1,75–1,90. Es läßt sich sehr gut bearbeiten, ist zu den feinsten Schnitzereien geeignet und nimmt schöne Politur an (s. Elfenbeinschnitzerei). Wegen seiner Härte und Elastizität ist es das geeignetste Material zu Billardkugeln, große Mengen E. werden zu Armringen für die Eingebornen Indiens verarbeitet. Elfenbeintafeln benutzt man zu Miniaturgemälden, auch zu Photographien; große Platten zu Furnieren werden aus den hohlen Teilen der Zähne hergestellt, indem man diese der Länge nach aufschneidet, platt ausbreitet und dann mit Kreissägen zerteilt. Man schleift E. mit nassem Schachtelhalm und sein geschlämmtem Bimsstein und poliert es mit geschlämmtem Tripel und Seife oder mit geschlämmter Kreide oder Wiener Kalk. Zum Bleichen dient Chlorkalklösung, heißer Kalkbrei oder eine Mischung von 1 Teil Terpentinöl mit 3 Teilen Alkohol, die einige Tage an der Sonne gestanden hat. Durch Kochen in Farbenbrühen läßt sich E. färben. Bei Luftabschluß erhitzt, gibt E. eine schwarze Masse (Elfenbeinschwarz, gebranntes E.), die schon von Apelles als schwarze Farbe benutzt wurde. Vgl. Andés, Verarbeitung des Horns, Elfenbeins etc. (Wien 1885).

Das beste Elfenbeinsurrogat bilden neben dem Zelluloid (s. d.) die seit 1826 in den Handel gebrachten Elfenbeinnüsse (Steinnüsse, Corossos-, Corusco-, Korozo-, Taguanüsse, vegetabilisches E.) von der südamerikanischen Elfenbeinpalme, Phytelephas macrocarpa, und andern Phytelephas-Arten. Diese haben die Größe von Tauben- oder Hühnereiern, sind unregelmäßig rundlich und bestehen unter der 1 mm dicken, steinharten, spröden Schale aus einer harten, gleichmäßig weißen, etwas durchscheinenden Masse, die sich recht gut bearbeiten läßt. Es werden im Handel nach der Herkunft mehrere Sorten unterschieden, von denen die feinern, wie Savanilla und Tumaco, weniger rissig sind als die großen Colon- und Guayaquilnüsse. Man verarbeitet sie auf kleinere Gegenstände, besonders auf Knöpfe, und kann sie sehr dauerhaft färben, wenn man sie durch kurze Einwirkung konzentrierter Schwefelsäure oberflächlich in eine dem Pergamentpapier ähnliche Masse verwandelt. Die Abfälle dienen zum Fälschen der Gewürze und Kaffeesurrogate, auch als Futtermittel. Brasilien, Kolumbien, Ecuador führten 1900361,036 Ztr. aus, davon über 206,000 Ztr. nach Deutschland. Seit 1876 werden auch die Früchte einiger Sagopalmen der Karolinen und der Salomoninseln als Elfenbeinsurrogat eingeführt. Die Fidschinuß (Tahitinuß, Karolinennuß, australische Nuß, Wassernuß) von Coelococcus (Metroxylon) carolinensis Dingl., von der Größe eines Apfels, etwas weicher als Steinnuß und gelblich, u.a. sind ebenfalls als Elfenbeinsurrogat eingeführt worden. Die Salomonsnuß stammt von Coelococcus salomonensis Warb. Von den polynesischen Nüssen wurden 1895: 13,000 Ztr. nach Europa gebracht. Elfenbeinmassen, aus Gips und andern mineralischen Substanzen mit verschiedenen Bindemitteln hergestellt, sind in großer Zahl vorgeschlagen worden, vgl. Enkaustieren. Elfenbeinpapier zu Miniaturmalerei besteht aus mehreren auseinander geleimten Lagen guten Zeichenpapiers und erhält nach dem Abschleifen mit Glaspapier einen Anstrich aus feinstem Gips und Leimwasser, der nach dem Trocknen glatt geschliffen wird, worauf man das Papier noch dreimal mit schwachem Leimwasser tränkt.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Elfenbein — ↑Ebur …   Das große Fremdwörterbuch

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