Bandweberei


Bandweberei

Bandweberei (Bandwirkerei), ein Zweig der Weberei, dessen Ausübung im allgemeinen dieselben Hauptoperationen zu Grunde liegen, die dort in Anwendung kommen. Leinene Bänder bestehen aus einfachem Leinengarn (Leinwandbänder) oder aus zweidrähtigem Zwirn (Zwirnbänder); feinere geköperte Garn- oder Zwirnbänder heißen Niederländer Band. Die Strippenbänder (Struppen) sind ein grobes, geköpertes Zwirnband. Feine, leinwandartig gewebte Baumwollenbänder heißen Perkalbänder. Organdyband ahmt das Gewebe von Organdy nach. Wollene Bänder (Harrasbänder) sind glatt, geköpert oder gemustert (figuriert). Halbwollene Bänder haben Kette von Leinenzwirn, Eintrag von Wolle. Seidene Bänder erhalten im allgemeinen den Namen von dem Zeug, dem sie in der Beschaffenheit ihres Gewebes gleichen. Taftbänder haben Kette aus einfachen, Eintrag aus einfachen, doppelten oder dreifachen Fäden. Die schwersten Bänder (mit Ausnahme der Ordensbänder) sind die französischen Taftbänder oder Gros de Tours (Gros de Naples), mit Kette von doppelten und Eintrag von zwei-, drei- und vierfachen Fäden. Geköperte Seidenbänder, Florett- oder Zwilchbänder und das Frisolettband, werden meist aus Florettseide, oft mit Kette aus Baumwolle, verfertigt. Die Atlasbänder erhalten Kette aus einfachen, selten aus doppelten Fäden; der Eintrag ist doppelt oder dreifach, seltener mehrfach. Die aus roher Seide verfertigten Dünntuchbänder mit Leisten von gekochter Seide heißen Glasurbänder. Ihr Gewebe ist leinwandartig, und die einfachen Ketten- und Eintragfäden liegen sehr weit auseinander. Samtbänder kommen aufgeschnitten, unaufgeschnitten und teilweise aufgeschnitten, also mit Samtdessins, vor. Geringere Sorten enthalten einen Eintrag von Baumwolle. Elastische Bänder entstehen durch Einweben von Kautschukfäden. Der Handstuhl mit Freihandschütze findet nur noch zu sehr breiten und schweren Atlasbändern und zu Bändern mit sehr künstlichen Mustern oder zahlreichen Farben Anwendung und wird dann oft mit einer Jacquardmaschine versehen. Auf Stühlen mit gewöhnlichen Schnellschützen werden 2–8 Bänder, deren Ketten in einigem Abstand nebeneinander aufgespannt sind, zugleich gewebt. Der Schubstuhl oder Bandmacherstuhl, meist nur zu Samtband bestimmt, liefert 2–20 Bänder oder doppelt so viel, wenn die Ketten in zwei Reihen untereinander aufgespannt sind. Gegenwärtig ist am gebräuchlichsten der Mühlstuhl (Bandmühle); er heißt Bandwebmaschine, wenn er durch Elementarkraft bewegt wird, liefert gleichzeitig 8–40 Bänder und wird für gemusterte Bänder mit einer Jacquardmaschine versehen. Besondere Appretur erhalten nur die Atlasbänder sowie einige Tastbänder durch Gummieren und Kalandern, indem man die Bänder auf der untern Seite mit einer dünnen Auflösung von Tragant, Hausenblase, Pergamentleim bestreicht und in einem Walzenkalander glättet. Über die Herstellung von moirierten oder gewässerten Bändern (Gros de Tours-Bänder, schwere Ordens- und Tastbänder) s. Moiré. Auf den gaufrierten Bändern sind mittels Gaufrierwalzen erhabene Zeichnungen hervorgebracht. Samtbänder werden bisweilen mit Formen so gepreßt, daß das Haar an einzelnen Stellen niedergedrückt wird und sich ein Muster darauf bildet. Als Ersatz der besprochenen Bänder kommen namentlich für Hüte und als Besatz dienende billige aus Satin, Serge, Ottoman, Grain etc. geschnittene Bänder (Blenden) in den Handel, deren Ränder durch eine Maschine 1–2 mm breit umgelegt und festgeklebt werden. Unter einer Gaufriermaschine wird schließlich den Rändern, damit sie nicht zu sehr abstehen, eine Bindung ausgepreßt. Damassébänder, Moirébänder etc. lassen sich täuschend wiedergeben, auch werden farbige Muster bis zu acht Abtönungen aufgedruckt. Geschnittene Samtbänder aus billigem Velvet werden auf der Rückseite mit Satin beklebt, um sie seidenem Samt ähnlich zu machen.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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