Landtafel


Landtafel

Landtafel (lat. Tabulae terrae, tschech. Desky zemské), in Mähren die erste und ursprünglichste Art eines Grundbuches. Auf fichtene Tafeln ward dort im Mittelalter das Grundvermögen der Gemeindeangehörigen verzeichnet, und diese einfachste Art eines Grundbuches bildete die Grundlage für das gesamte »Tabularwesen« der österreichischen Monarchie, indem sich das Institut der Landtafeln von Mähren nach Böhmen, Steiermark etc. verpflanzte. An die Stelle jener Holztafeln waren freilich schon zuvor öffentliche Urkunden und Bücher getreten. Mit der Zeit wurde nun der Ausdruck L. auf das öffentliche Verzeichnis derjenigen Güter beschränkt, mit deren Besitz Landstandschaft verbunden war; daher der Ausdruck Landtafelgüter oder landtäfelige Güter für diejenigen Besitzungen, mit denen das Recht verbunden war, Sitz und Stimme auf dem Landtag zu führen. Dazu wurde bis zum Jahre 1848 die Landtafelfähigkeit erfordert, die nur dem Herren-, Ritter- und Prälatenstand sowie einigen privilegierten Städten und Personen, Universitätsprofessoren u. dgl. zukam. Seitdem kann jeder Staatsbürger landtäfelige Güter erwerben. Verschieden von der L. ist die Lehntafel, in welche die lehnbaren Güter eingetragen waren. Noch jetzt ist der Begriff von land- und lehntäfeligen Gütern in Österreich um deswillen von Wichtigkeit, weil mit ihrem Besitz das Wahlrecht in der Klasse der Großgrundbesitzer für die Landtage und für den Reichsrat verknüpft ist. Vgl. Bartsch, Die L. in ihrer gegenwärtigen Gestalt (Wien 1890).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Landtafel — Landtafel, 1) Kanzelei (Archiv, Registratur) eines Landes, der Landstände, od. auch nur eines Landgerichts; 2) öffentliches, obrigkeitliches Verzeichniß, worin die Rittergüter eines Landes, nach ihren Besitzern, Erben, Steuern, Schulden etc.… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Landtafel — Landtafel, in Österreich Grund und Hypothekenbücher über Liegenschaften (Landtafelgüter), an deren Besitz polit. Rechte geknüpft sind …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Landtafel — Register der böhmischen Landtafel Die so genannten Landtafeln (tschech. desky zemské) waren zuerst in Böhmen und Mähren eingeführte Register, in denen der Adel seine wichtigen Rechtsgeschäfte aufzeichnen ließ. In den Landtafeln wurde vor allem… …   Deutsch Wikipedia

  • Landtafel — f, ист. табель земли земельный регистр владений дворян и городов в средние века. До 1848 владеть участками земли, перечисленными в табеле, могли только господа, рыцари и прелаты. В земельный регистр записывались тж. законы земли и решения… …   Австрия. Лингвострановедческий словарь

  • Landtafel, die — Die Landtafel, plur. die n. 1) Eine jetzt größten Theils veraltete Benennung einer Landkarte. 2) Das Archiv eines Landes, der Landstände, oder auch nur eines Landgerichtes, und das zu dessen Aufsicht verordnete Collegium; doch nur in einigen… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Hebalpe — Wald und Weide prägen das Hebalmgebiet im Sommer. Auf der Hebalm liegen einige Seen …   Deutsch Wikipedia

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  • Daniel Freese — (auch Frese oder Fresen, * 1540 in Dithmarschen; begraben am 14. April 1611 in Lüneburg) war ein deutscher Maler und Kartograph. Darstellung von Hamburg nach einer Vorlage von Daniel Freese. Um 1588 (Bd.4, Taf.36) Er wohnte in Hamburg ca. 1568… …   Deutsch Wikipedia

  • Smil Flaska von Pardubitz — Smil Flaška von Pardubitz (tschechisch: Smil Flaška z Pardubic; * 1349; † 13. August 1403 bei Kutná Hora) bekleidete hohe politische und königliche Ämter in Böhmen und betätigte sich auch als Schriftsteller. Leben Smil Flaška von Pardubitz… …   Deutsch Wikipedia

  • Smil Flaška z Pardubic — Smil Flaška von Pardubitz (tschechisch: Smil Flaška z Pardubic; * 1349; † 13. August 1403 bei Kutná Hora) bekleidete hohe politische und königliche Ämter in Böhmen und betätigte sich auch als Schriftsteller. Leben Smil Flaška von Pardubitz… …   Deutsch Wikipedia