Kork [1]


Kork [1]

Kork (lat. Suber), ein Dauergewebe der Pflanzen, dessen Aufgabe es ist, die darunter liegenden Schichten vor zu großer Wasserverdunstung sowie vor mechanischen Beschädigungen zu schützen.

Querschnitt durch die Rinde eines jährigen Zweiges von Ribes nigrum. e Epidermis, pr Rindenparenchym, K Periderm, k Korkschicht, c Phellogen, pd chlorophyllhaltige Peridermzellen, b Bast.
Querschnitt durch die Rinde eines jährigen Zweiges von Ribes nigrum. e Epidermis, pr Rindenparenchym, K Periderm, k Korkschicht, c Phellogen, pd chlorophyllhaltige Peridermzellen, b Bast.

Das Korkgewebe besteht aus mehr oder minder tafelförmigen, lückenlos verbundenen Zellen (Korkzellen) mit verkorkten Wänden und ohne lebenden Inhalt. Die Membranen der Korkzellen sind für Wasser und Gase nur in sehr geringem Grad durchlässig. Meist bildet dieses Gewebe an der Oberfläche der Pflanzenteile eine zusammenhängende Schicht (Korkschicht). Diese Korkschicht (Abbildung bei k) entsteht aus einem Bildungsgewebe (Korkkambium, Phellogen), auf dessen Zellteilung die Neubildung und fortwährende Ergänzung des Korkes beruht. K. (bei k) und Phellogen (c) werden als Periderm (s. d.) zusammengefaßt (K). Das Phellogen hat seinen Sitz entweder in der Epidermis selbst oder in mehr oder weniger tief gelegenen Rindenschichten. Bei einigen Bäumen, z. B. bei der Korkeiche (Quercus suber), wird durch fortgesetzte Tätigkeit des Phellogens ein dicker Korkmantel gebildet, der, in Platten abgelöst, zur Herstellung von Flaschenstopfen etc. technisch verwendet wird. Verkorkte Zellwände treten ferner überall da auf, wo in der Pflanze Zellen oder Gewebe an dem osmotischen Saftaustausch miteinander verhindert werden sollen. Eine in dieser Beziehung ausgezeichnete Bildung ist die Schutzscheide (Endodermis), welche die einzelnen Leitbündel des Stengels oder den gesamten Leitbündelzylinder der Sprosse und Wurzeln umgibt. Auch ölführende Sekretbehälter oder Milchsaftgefäße sind bisweilen von verkorkten Zellwänden umgeben. Endlich bildet sich K. auch an allen denjenigen Stellen, wo die Pflanze durch das natürliche Abfallen gewisser Teile, z. B. der Blätter, Wundstellen erhält, indem schon vor dem Ablösen dieser Teile an der künftigen Wundfläche aus den stehenbleibenden Zellen eine Korkschicht (Vernarbungsgewebe) in der gewöhnlichen Weise gebildet wird.

[Gewinnung und Verarbeitung.] Der K. des Handels stammt von der Korkeiche (Quercus suber), die im südwestlichen Teil des Mittelmeergebietes, besonders in Algerien und Marokko, aber auch in Spanien und Portugal wächst und bis 45° nördl. Br. geht. Sie wächst auch auf den Balearen, in Italien, Sizilien, Dalmatien, Istrien etc., scheint hier aber von alters her angepflanzt zu sein. Eine naheverwandte Eiche (Q. occidentalis) ist etwas härter, wächst namentlich in der Gascogne und liefert ebenfalls brauchbaren K., der aber nicht ausgeführt wird. Die größten Korkeichenwälder besitzt die Provinz Konstantine, und in Spanien kommt der Baum besonders in Andalusien und Katalonien vor. Letztere Provinz liefert den besten, Dalmatien und Istrien den schlechtesten K. Bei der Korkeiche erhält sich die Oberhaut der Rinde bis ins zweite und dritte Jahr, und wenn sie sich dann in dünnen Häuten von den Stämmen ablöst, so zeigt sich eine schon ausgebildete dünne Korkschicht als Ersatz der Epidermis. Unter dieser Schicht fährt das Korkkambium in der Bildung von K. fort; aber das Produkt ist hart und brüchig und nur zur Herstellung von Korksteinen, zur Umkleidung von Dampfröhren und Blumentöpfen, zu Gartenmöbeln, Grotten und als Schwimmkork verwendbar. Wenn dieser männliche K. abgeschält wird, bildet die Korkmutter, d. h. der zurückbleibende, aus dem innern Teil des primären Rindenparenchyms und dem Bast bestehende saftige, lebende Teil der Rinde, den wertvollen weiblichen K. Die erste Lage dieses Korkes bildet sich je nach Gegend und Standort der Bäume in deren 8. bis 20. Lebensjahr. Nach 8–10 Jahren kann er geschält werden, und dies wiederholt sich, bis der Baum 150 Jahre alt geworden ist. In seinem 50. bis 100. Lebensjahr soll er das beste Produkt liefern. Zur Abschälung des Korkes macht man in die Rinde rings um den Stamm in horizontaler Richtung laufende Einschnitte, die nicht bis ins Korkkambium reichen dürfen, verbindet diese Kreisschnitte durch einen Längsschnitt und löst die Korkschicht vom Korkkambium ab. Die abgelösten Platten befreit man von Moos, Flechten und Gewebsresten, taucht sie in großen Kesseln 5–6 Minuten in siedendes Wasser, wodurch sie um 30 Proz. dicker werden, preßt sie flach und trocknet (bisweilen über freiem Feuer: schwarzer K.). Die Güte des Korkes ist abhängig vom Klima, vom Standort und Alter des Baumes und von der Zubereitung. K. aus warmen Gegenden ist besser als auf nördlichen Standorten erwachsener. Die Korkplatten sind 5–20 cm dick und zeigen auf dem Querschnitt deutlich 8–15 Jahresringe. Senkrecht zu letztern stehen die dunkelbraunen Lenticellen in Form von dicken radialen Linien. Der K. enthält 70–80 Proz. Suberin, dazu Zellulose, Cerin (Phellylalkohol), Gerbsäure, Phlobaphen, Phloroglucin, Vanillin, auch ist ein Korkwachs und ein Phytosterin aus K. dargestellt worden. Die manganreiche Asche beträgt 0,5 Proz. K. brennt mit rußender, helleuchtender Flamme. Bei trockner Destillation gibt er Benzol, Toluol, Naphthalin, Anthracen, Phenole, Ammoniak etc.

Die physikalischen Eigenschaften des Korkes, seine Elastizität, Undurchdringlichkeit für Flüssigkeiten und Gase, seine geringe Dichte (spez. Gew. 0,24) und seine Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse haben ihm eine bedeutende technische Wichtigkeit verschafft, um so mehr, da er kaum durch eine andre Substanz zu ersetzen ist. In den Erzeugungsländern benutzt man K. zu Fußböden, Dachdeckungen, Sesseln etc. Hauptsächlich dient K. aber zu Pfropfen, die früher fast ausschließlich aus Spanien bezogen wurden, jetzt aber auch in Frankreich, Algerien, Istrien, Dalmatien, England, in Bremen, Delmenhorst, in Sachsen (Raschau), Thüringen, Baden und Hessen hergestellt werden. Die Erfindung wird dem Pater-Kellermeister der Abtei von Haut-Villers, Dom Perignon (zwischen 1670 und 1715), zugeschrieben. Man schnitt sie früher mit sehr scharfen Messern aus freier Hand, benutzt jetzt aber Korkschneidemaschinen, auf denen schnell rotierende kreisförmige Messer die geradlinig fortgezogene Korkplatte zerschneiden und ein nach Art einer Bandsäge über zwei Scheiben gelegtes messerartiges Stahlband aus dem rotierenden K. die zylindrischen Pfropfen formt, worauf ein kreisförmiges Messer die beiden Stirnflächen bearbeitet. Das Stahlband passiert bei seiner Bewegung zwei Schleifscheiben, die es scharf erhalten. Ein Arbeiter schneidet an einem Tag 1000–1200 Stück Weinkorke. Die Maschine liefert in 10 Stunden 20–24,000 Korke. Die fertigen Korke werden mittels einer Maschine, bei der parallele verstellbare Eisenstäbe eine Art Rost bilden, nach der Größe und dann nach der Güte sortiert. Die besten Korke werden für die Champagnerflaschen (nur katalonischer K.) und Mineralwasserflaschen benutzt. Durch Waschen oder Kochen mit Oxalsäure erhalten dir Korke eine Art Appretur und rötliche Färbung. Kocht man die Korke in Wachs oder Paraffin, so werden die Poren verschlossen, und chemische Agenzien wirken dann weniger auf die Korkmasse ein. Zum Durchbohren der Korke benutzt man Rundfeilen (Rattenschwänze), indem man zuerst ein Loch durch den Pfropfen sticht und dies dann erweitert, oder Korkbohrer, die aus Messingröhren bestehen, die an einem Ende geschärft sind, während das andre Ende zu einem starken Ring verdickt ist, durch den man einen Stab steckt, um mit Hilfe desselben die Röhre drehend und drückend durch den Pfropfen zu treiben. Anderweitige Verwendung findet K. zu Kunstarbeiten (s. Korkbildnerei), Korksohlen, Korkjacken, Hutfutter, Galanteriewaren, zu Schwimmern für Fischernetze und Ankerbojen, zu Schwimmgürteln und Rettungsbooten, zum Überziehen von Dampfleitungen, Mühlsteinen, die zum Entschälen der Hirse dienen, zu federnden Unterlagen für Ambosse, zum Ausfüllen von Sicherheitszellen auf Panzerschiffen (s. Korkdamm) etc. Abfälle dienen als Polster- und Packmaterial, zur Schnellessigfabrikation (statt der Buchenholzspäne) und werden auf Kamptulikon, Linoleum und Korksteine verarbeitet, Korkkohle benutzt man als schwarzen Farbstoff und Poliermittel. Die Korkproduktion der Welt wird auf etwa 1 Mill. dz geschätzt. Davon produziert Portugal etwa 450,000, Spanien 250,000 dz. Frankreich und Italien liefern weniger und geringern K. (Algerien etwa 4–5 Mill. kg). Theophrast wußte schon, daß die Rinde der Korkeiche nach der Schälung schnell nachwächst. Varro und Columella empfahlen den K. (cortex) seiner geringen Wärmeleitung wegen zu Bienenstöcken, und Plinius betonte die Brauchbarkeit zu Stöpseln, doch waren letztere zur Römerzeit noch wenig gebräuchlich. Im 15. Jahrh. wurde K. in Danzig zu Pantoffeln verarbeitet, zum Teil auch wieder nach Schweden verschifft. Vgl. Rousset, Culture, exploitation et aménagement du chêne liègeen France eten Algérie (Par. 1859); Höhnel, Über den K. und verkorkte Gewebe (Wien 1878); E. A. Müller, Über die Korkeiche (in den »Abhandlungen der Geographischen Gesellschaft in Wien«, 1900); Stefan, Die Fabrikation der Kautschuktypen etc. sowie die Verarbeitung des Korkes (2. Aufl., Wien 1900).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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