Digitālis


Digitālis

Digitālis L. (Fingerhut), Gattung der Skrofulariazeen, zwei- oder mehrjährige, kahle oder behaarte Kräuter, seltener Halbsträucher oder Sträucher mit abwechselnden, einfachen, am Grunde meist gehäuften Blättern, einseitigen, endständigen Blütentrauben, röhrig-glockenförmigen Blüten und eiförmigen, vielsamigen Kapseln, wächst in etwa 22 Arten in Europa, West- u. Mittelasien. D. purpurea L. (roter Fingerhut, s. Tafel »Giftpflanzen II«, Fig. 6), mit mehr als 1 m hohem Stengel, bis 20 cm langen, eiförmigen, gekerbten, rauhhaarigen Blättern und schönen purpurroten, innen behaarten, mit roten, weiß gesäumten Tropfen gefleckten Blüten, ist zweijährig und wächst in Gebirgswäldern Westeuropas. Die ganze Pflanze ist stark giftig. Die frisch widerlich, etwas narkotisch riechenden, ekelhaft scharf und bitter schmeckenden Blätter werden arzneilich benutzt und müssen von wild wachsenden blühenden Pflanzen gesammelt werden. Sie enthalten Digitalin (s. d.), Digitoxin und Digitonin. Die Blätter verlangsamen die Pulsfrequenz und führen sehr bedeutende Steigerung des mittlern arteriellen Blutdruckes herbei, bewirken also weniger häufige, aber ergiebigere Zusammenziehungen des Herzens, beseitigen die Stauung im venösen System und wirken infolge der Herstellung richtiger Druckverhältnisse in den Gefäßen bei Herzkranken harntreibend. D. stört meist die Verdauung, erzeugt Übelsein, Erbrechen und Durchfall. Bemerkenswert ist die kumulative Wirkung der D., die nach längerer Darreichung sehr kleiner Gaben plötzlich Vergiftungserscheinungen wie nach einer größern Dosis hervorruft. Der Tod erfolgt unter Lähmung des Herzens. Man benutzt D. bei Klappenfehlern des Herzens, Myokarditis und nervöser Erschlaffung des Herzens. Die Blätter wurden zuerst 1775 durch Withering in Birmingham in den Arzneischatz eingeführt. In Gärten kultiviert man den roten Fingerhut als Zierpflanze, besonders in der Varietät gloxiniae flora, ebenso D. ambigua Murr. (D. grandiflora All.) mit großen gelben, innen braun geäderten und gefleckten Blüten, aus Mittel- und Südeuropa, D. aurea Lindl., mit goldgelben, innen buntnetzartigen Blüten, aus Syrien und Griechenland, und die sehr heftig wirkende D. ferruginea L., mit rostfarbigen, inwendig gelblichen Blüten, aus Südosteuropa etc. Ein prächtiger, immergrüner Strauch auf den Kanaren ist D. sceptrum L., mit geradem Stamm, steifhaarigen Ästen und sehr schönen, herabhängenden, am Ende der Äste eine eiförmige Ähre bildenden gelblich rostfarbigen Blüten. Vgl. Lindley, Digitalium monographia (Lond. 1821).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Synonyme:

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  • Digitalis — Saltar a navegación, búsqueda ? Digitalis Digitalis ciliata Clasificación cientí …   Wikipedia Español

  • digitalis — [dij΄i tal′is; ] also [, dij′itā′lis] n. [ModL, foxglove < L digitalis, belonging to the finger < digitus, a finger, DIGIT: so named (1542) by L. Fuchs (see FUCHSIA), from its thimblelike flowers, after the Ger name fingerhut, thimble] 1.… …   English World dictionary

  • Digitalis — Dig i*ta lis, n. [NL.: cf. F. digitale. So named (according to Linn[ae]us) from its finger shaped corolla.] 1. (Bot.) A genus of plants of the family {Schrophulariaceae}, including the foxglove. [1913 Webster] 2. (Med.) The dried leaves of the… …   The Collaborative International Dictionary of English

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  • Digitalis — Digitalis, Fingerhut, durch D. purpurea, rother F., sehr bekannte Pflanzengattung aus der Familie der Scrophularinae, mit mehrern schönblumigen Arten; wichtig wegen D. purpurea, der unter die bedeutenderen Giftpflanzen gehört, ein betäubend… …   Herders Conversations-Lexikon

  • digitalis — 1660s, Mod.L. translation of Ger. fingerhut, the German name of foxglove, lit. thimble. Named by Fuchs (1542), and so called for its shape. The medicine (originally extracted from the plant) is so called from 1799 …   Etymology dictionary