Montpellier


Montpellier

Montpellier (spr. mongpelljē), Hauptstadt des franz. Depart. Hérault, liegt 12 km vom Mittelländischen Meer auf einer Anhöhe über dem kanalisierten Lez und ist Knotenpunkt der Südbahn, Mittelmeer- und Héraultbahn. Unter den 22 Kirchen (darunter eine reformierte Konsistorialkirche) zeichnet sich namentlich der große Dom St. Peter (aus dem 14. Jahrh.) mit 4 Türmen, einschiffigem Innern und neuem gotischen Choranbau aus. Sonstige hervorragende Gebäude sind: der Justizpalast (ehemals Ständehaus von Languedoc) mit den Statuen von Cambacérès und Kardinal Fleury; die medizinische Schule (ehemaliges Benediktinerkloster) mit großem amphitheatralischen Hörsaal und schönem anatomischen Museum; das Fakultätsgebäude (von 1890), das Stadthaus, die Präfektur, das schöne Theater (1885–88). Auf dem weiten Platz Peyrou mit Anpflanzungen und einer Reiterstatue Ludwigs XIV. (von Debay) erheben sich östlich ein zu Ehren Ludwigs XIV. 1692 erbautes Triumphtor und westlich ein tempelartiges Wasserschloß, dem ein 1733–66 errichteter Aquädukt das Wasser zuführt. Die übrigen Plätze der Stadt sind mit hübschen Fontänen geschmückt. Ein schöner Spaziergang ist die Esplanade, an die der Exerzierplatz mit der Zitadelle und den Kasernen stößt. M. zählt (1901) 71,758 (als Gemeinde 75,950) Einw. Die Industrie ist durch Fabriken für Kerzen und Seifen, Wolldecken, chemische Produkte, Schokolade, Branntwein, Fässer, Korkpfropfen etc. vertreten. Sehr rege ist der Handel, insbes. mit Wein, Branntwein und Seide. An höhern Unterrichtsanstalten besitzt M. vier Fakultäten und zwar eine von alters her berühmte medizinische Fakultät (1289 gegründet) mit einer Schule für Pharmazie, dann Fakultäten für Jurisprudenz, Wissenschaften und Literatur mit Bibliotheken von 88,000 Bänden; sie zählen zusammen (1903) 1686 Studierende (darunter 133 Ausländer, meist Deutsche); von 122 weiblichen Studierenden stammten 107 aus dem Auslande. Ferner befinden sich in M. ein Seminar, ein Lyzeum, Bildungsanstalten für Lehrer und Lehrerinnen, eine Kunstschule, eine Ackerbau-, eine Weinbau- und eine Handelsschule, ein Mädchenlyzeum, eine Stadtbibliothek von 130,000 Bänden, ein Museum (vom Maler Fabre gegründet) mit mehr als 800 Gemälden, vielen Zeichnungen, Bronzen, Skulpturen, Münzen etc. Erwähnenswert sind außerdem: der Botanische Garten (1593 an gelegt, der älteste in Frankreich), das Artillerie-, das anatomische Museum, das Naturalienkabinett, die Sternwarte, das Blinden-, Taubstummen- und Waiseninstitut, die Irrenanstalt, das allgemeine Krankenhaus und mehrere humanitäre und wissenschaftliche Gesellschaften. M. ist der Sitz des Präfekten, eines Bischofs, eines reformierten Konsistoriums, eines Appell- und Assisenhofs, eines Handelsgerichts, einer Handels- und einer Ackerbaukammer, einer Filiale der Bank von Frankreich, einer Börse sowie des Generalkommandos des 16. Armeekorps. Südlich von M. liegt an der Küste das Seebad Palavas (944 Einw.). – M. (Mons puellarum der Römer und Mons pessulanus im Mittelalter) war noch im 10. Jahrh. ein Dorf, das dem Bischof von Maguelone gehörte. Von 1162–1258 wurden hier mehrere Konzile (Monspellensia concilia) gehalten. 1204 fiel es an Aragonien, und 1276 kam es an die Könige von Mallorca, denen es 1349 König Philipp VI. von Frankreich abkaufte. 1538 wurde das Bistum von Maguelone nach M. verlegt. Unter Heinrich III. bemächtigten sich die Hugenotten der Stadt und errichteten daselbst eine Art Republik. Erst nach langer Belagerung unterwarf sich M., und durch das Edikt oder den Frieden von M. vom 19. Okt. 1622 wurde der neunte Hugenottenkrieg beendigt (s. Hugenotten, S. 608). Im Mai 1890 wurde in M. die sechste Säkularfeier der dortigen Universität begangen. Vgl. Aigrefeuille, Histoire de la ville de M. (1739, 2 Bde.; neue Ausg., Montpellier 1877–88, 4 Bde.); A. C. Germain, Histoire de la commune de M. (das. 1851, 3 Bde.) und Histoire du commerce de M. (das. 1861, 2 Bde.); Guiraud, Recherches topographiques sur M. an moyen-âge (das. 1895); A. Fabre, Histoire de M. jusqu'à la fin de la Révolution (das. 1897).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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