Monti


Monti

Monti, 1) Vincenzo, berühmter ital. Dichter, geb. 19. Febr. 1754 in Alfonsine bei Ravenna, gest. 13. Okt. 1828 in Mailand, studierte in Ferrara und versuchte sich schon früh in lateinischen und italienischen Gedichten. 1778 nahm ihn Kardinal Borghese mit nach Rom, wo Fürst Luigi Braschi, Neffe Pius' VI., ihn 1781 zu seinem Sekretär erwählte. Als er 1782 Alfieris »Antigone« gehört hatte, schrieb er die Tragödie »Aristodemo«, die, 1787 ausgeführt, großen Erfolg hatte. Weniger Beifall fand 1788 »Galeotto Manfredi«, obwohl die Figuren weit besser gezeichnet sind. Als 1793 der französische Gesandte Hugo Basville in Rom vom Volk ermordet wurde, schrieb M. die wie fast alle seine Gedichte unvollendete, antirevolutionäre »Cantica in morte di Ugo Basville«, der jedoch die plastische Realität Dantes, den M. nachahmt, fehlt. 1797 verließ er Rom, schrieb nun die jakobinistischen Gedichte »Il Fanatismo«, »La Superstizione« und »Il Pericolo« und bekam in der Zisalpinischen Republik Ämter, zuletzt eine Professur an der Brera. Napoleon feierte M. in der »Musogonia« (1797) und im »Prometeo« (1797, erst 1825 vollendet). Als das russisch-österreichische Heer 1799 in Italien einrückte, floh er nach Paris, wo er seine Tragödie »Cajo Gracco« (1800) schrieb. Nach der Schlacht von Marengo wurde er Professor der Beredsamkeit in Pavia, wo er bis 1804 Vorlesungen hielt. 1801 erschien die »Mascheroniana« auf den Tod des berühmten Mathematikers Mascheroni, das schönste Gedicht seiner ersten Zeit. 1804 wurde M. zum Dichter des Königreichs Italien, 1806 noch zu seinem Historiographen ernannt. In dieser Eigenschaft verfaßte er viele Fest- und Gelegenheitsgedichte zu Ehren der kaiserlichen Familie und den zur Verherrlichung der Napoleonischen Siege bestimmten »Bardo della Selva nera«. 1810 veröffentlichte er seine Übersetzung der »Ilias« (Neuausgabe Flor. 1891). Nach dem Sturz der Napoleonischen Dynastie brachte M. auch dem neuen Gebieter in Italien, Franz I., bereitwillig seine poetischen Huldigungen dar. Aus seinen spätern Lebensjahren sind außer der »Feroniade« (bereits 1782 begonnen) besonders seine (mit Perticari herausgegebene) »Proposta di alcune correzioni ed aggiunte al vocabolario della Crusca« (Mail. 1817–24, 6 Bde.), mit der er gegen die Einseitigkeit der Akademie zu Felde zog, und seine Ausgaben mehrerer Werke Dantes zu erwähnen. M hat durch sein Beispiel viel dazu beigetragen, seinen Landsleuten das Studium der alten Meister wieder;u empfehlen. Die vollständigsten Ausgaben seiner Werke erschienen in Mailand 1839–42, 6 Bde.; Florenz 1857, 5 Bde.; eine gute Auswahl lieferte Bertoldi (»Poesie di V. M.«, Flor. 1891); »Lettere inedite e sparse di V. M.« gaben Bertoldi und Mazzatinti heraus (Turin 1893–96, 2 Bde.). Vgl. Cantù, Vincenzo M. e l'etá che fu sua (Mail. 1879); Vicchi, V. M., le lettere e la politica in Italia dal 1750 al 1830 (bisher 4 Bde., die Zeit 1778–99 umfassend, Faenza 1879 u. 1883, Rom 1885, Fusignano 1887);-z Zumbini, Sulle poesie di V. M. (3. Aufl., Flor. 1894).

2) Alois, Mediziner, geb. 13. Okt. 1839 in Abbiategrasso bei Mailand, studierte in Wien, wurde 1862 Sekundärarzt im St. Annen-Kinderhospital, habilietierte sich 1870 als Privatdozent für Kinderheilkunde und wurde 1871 Abteilungsvorstand und 1893 Direktor der allgemeinen Poliklinik. M. zählt zu den bedeutendsten Förderern der Kinderheilkunde u. gründete mit Albert einen Verein zur Errichtung von Seehospitzen, der in San Pelagio bei Rovigno und in Sulzbach Kinderhospize eröffnet hat. M. schrieb: »Epidemische Cholera« (in Gerhardts »Handbuch der Kinderkrankheiten«, Bd. 2, Tübing 1877); »Krupp und Diphtheritis im Kindesalter« (2. Aufl., Wien 1885); »Die chronische Anämie im Kindesalter« (mit Berggrün, Leipz. 1892); »Kinderheilkunde in Einzeldarstellungen« (Wien 1897–1903, 3 Bde.); »Über Verdauung und natürliche Ernährung der Säuglinge; Über die Entwöhnung und Ernährung der Kinder bis zum zweiten Lebensjahr und die künstliche Ernährung der Säuglinge« (in der »Wiener Klinik«, 1897); »Das Wachstum des Kindes von der Geburt bis einschließlich der Pubertät« (ebenda 1898). Auch gibt er seit 1880 (mit Baginsky, dann mit Frühwald) das »Archiv für Kinderheilkunde« (Stuttg.) heraus.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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