Modĕna [1]


Modĕna [1]

Modĕna, früheres Herzogtum in Italien, vom Etruskischen Apennin bis zum Po und zum Ligurischen Meer reichend, umfaßte 6132 qkm (110 QM.) mit etwas mehr als 600,000 Einw. (s. Geschichtskarte bei »Italien«). Gegenwärtig bildet M. drei Provinzen des Königreichs Italien: Modena (s. d.) und Reggio, beide zur Landschaft Emilia, dann Massa e Carrara, zu Toskana gehörig. – Die Geschichte Modenas als eines Fürstentums beginnt zu Ende des 13. Jahrh. mit der Gründung der Herrschaft des Hauses Este (s. d.) in M. und Reggio. Borso von Este ward 1452 von Kaiser Friedrich III. zum ersten Herzog von M. und Reggio erhoben und erhielt 1471 vom Papst auch für Ferrara, wo das Fürstenhaus residierte, den Herzogstitel. Herzog Alfons I. (1505–34) wurde 1527 von Karl V. mit dem Fürstentum Carpi belehnt. Als 1597 die Hauptlinie ausstarb, behielt Cesare von Este, der Sohn eines unebenbürtigen Sohnes Alfons' I., nur M. und Reggio, während Ferrara vom Papst eingezogen ward. Sein Sohn Alfons III. (1628–44) erhielt für seine Teilnahme am Mantuanischen Erbfolgekrieg zugunsten Spaniens von Kaiser Ferdinand 1635 das Fürstentum Correggio. Rinaldo (1694 bis 1737) erwarb 1711 das vom Kaiser eingezogene Herzogtum Mirandola und wurde 1737 auch mit dem Herzogtum Novellara belehnt. Der letzte Herzog von M. aus dem Haus Este, Herkules III. Rinaldo (seit 1780), der als Erbprinz die Herzogtümer Massa und Carrara erheiratet hatte, verlor 1796 sein Land an die Franzosen und erhielt 1803 den Breisgau zur Entschädigung, den er seinem Schwiegersohn Ferdinand, Erzherzog von Österreich, dem Stifter des Hauses Österreich-Este (gest. 24. Dez. 1806), überließ; er starb 1803 in Treviso. M. wurde ein Bestandteil der zisalpinischen, darauf der italienischen Republik, endlich des Königreichs Italien und erst 1814 dem Sohne Ferdinands, Herzog Franz IV., zurückgegeben. Auch dessen Mutter Maria Beatrix trat 1814 die Regierung ihres 1790 von ihrer Mutter ererbten Herzogtums Massa e Carrara wieder an, wozu der Wiener Kongreß noch die kaiserlichen Lehen in der Lunigiana fügte, die nebst dem Herzogtum bei ihrem Tode 14. Nov. 1829 an ihren Sohn fielen. Franz IV. machte sich durch seine unter dem Einfluß der Jesuiten stehende absolutistische Regierung so verhaßt, daß 3. Febr. 1831 die Revolution in M. ausbrach. Der Herzog mußte flüchten, ward aber durch österreichische Truppen 9. März zurückgeführt und ließ nun über die Anstifter des Aufstandes strenges Gericht ergehen. Fortan zeichnete sich seine Regierung noch mehr als zuvor durch grausame Verfolgung aller liberalen Bestrebungen aus. Nach dem Tode Franz' IV. (21. Jan. 1846) folgte ihm sein Sohn Franz V., der dem Regierungssystem seines Vaters treu blieb. Infolge früherer Verträge fiel nach der Abdankung des Herzogs von Lucca dieses Land an Toskana, dagegen mußte dieses Tivizzano an M. abtreten (4. Dez. 1847). Nach dem Ableben der Herzogin von Parma fiel infolge des Pariser Vertrags von 1817 Guastalla 8. Jan. 1848 an M., wodurch dieses eine Gebietsvergrößerung von 320 qkm (53/4 QM.) mit 50,000 Einw. erhielt. Tumultuarische Auftritte in mehreren Städten hatten ein Schutz- und Trutzbündnis zwischen den Herzogen von Parma und M. und Österreich (im Februar 1848) zur Folge. Dennoch legte sich die Aufregung nicht, und im März sah sich der Herzog zur Flucht genötigt. Hierauf wurde eine provisorische Regierung ernannt, Franz V. des Thrones verlustig erklärt und 29. Mai der Anschluß an Sardinien proklamiert. Aber nach den Erfolgen Radetzkys in der Lombardei und der Räumung Mailands durch die Piemontesen kehrte Franz unter dem Geleit österreichischer Truppen 10. Aug. 1848 in seine Hauptstadt zurück, nachdem er 8. Aug. von Mantua aus zeitgemäße Staatseinrichtungen versprochen hatte. Nach seiner Rückkehr erließ er eine Amnestie, die aber nur wenigen zugute kam. Die Unruhen dauerten fort, und 18. Nov. versuchte ein Gutsbesitzer, Rizzali, ein Attentat auf den Herzog. Als beim Wiederausbruch des Krieges zwischen Sardinien und Österreich im März 1849 die Österreicher aus M. abzogen, verließ der Herzog 14. März abermals die Residenz und begab sich nach Brescello, während das Ministerium die Geschäfte in M. unter dem Schutz eines zurückgebliebenen österreichischen Bataillons fortführte. Im Mai kehrte der Herzog nach M. zurück und stützte sich wie früher auf eine starke Militärmacht. Die italienische Bewegung im Frühjahr und Sommer 1859 veranlaßte den Herzog, an der Spitze seiner Truppen sich dem österreichischen Heer anzuschließen, worauf sich eine provisorische Regierung bildete und die berufene Landesversammlung die Entsetzung des Hauses Este und den Anschluß an Sardinien aussprach, der offiziell 18. März 1860 erfolgte. Der Herzog begab sich nach Österreich. Mit seinem Tode 20. Nov. 1875 erlosch auch das Haus Österreich-Este im Mannesstamm. Vgl. Muratori, Delle antichità Estensi ed italiane (Modena 1717–40, 2 Bde.); Tiraboschi, Memorie storiche Modenesi (das. 1811, 9 Bde.); Roncaglia, Statistica generale degli stati Estensi (das. 1849, 2 Bde.); Scharfenberg, Geschichte des Herzogtums M. und des Herzogtums Ferrara (Mainz 1859); Bianchi, I ducati Estensi dall' anno 1815 all' anno 1850 (Turin 1852, 2 Bde.) und Cronaca Modenese (Parma, bis 1876, 9 Bde.); »Documenti risguardanti il governo degli Austro-Estensi in M. (Modena 1860, 3 Bde.).«


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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