Mehemed Ali


Mehemed Ali

Mehemed Ali, Statthalter von Ägypten, geb. 1769 zu Kawala in Mazedonien, gest. 12. Aug. 1849, wurde 1787 Offizier der irregulären Miliz und war nebenbei Tabakhändler. 1798 bei dem Einbruch Bonapartes in Ägypten einem mazedonischen Aufgebot beigegeben, wurde er namentlich wegen seines Verhaltens in dem Gefecht von Rahmanieh bald zum Befehlshaber des Arnautenkorps ernannt und erwarb sich in den Kämpfen, die sich nach dem Abzug der Franzosen (1801) zwischen den Mameluken und den türkischen Herrschern entspannen, eine fast unabhängige Stellung. Im März 1804 verjagte er den Mamelukenführer Osman Bardissi aus Kairo, verdrängte den von ihm selbst als Pascha von Ägypten eingesetzten Türken Kurschid 1805 und wurde 1806 von der Pforte als Statthalter Ägyptens bestätigt. Die Mamelukenbeis ließ er 1. März 1811 bei einem Feste treulos ermorden und begann nun die Verwaltung des Landes zu organisieren. Von der Pforte mit dem gefährlichen Kriege gegen die Wahhabiten in Arabien beauftragt, dehnte er, da sein Adoptivsohn Ibrahim 1816–18 glücklich focht, seine Herrschaft über einen großen Teil Arabiens aus und unterwarf sich auch von 1820 an Nubien und selbst Kordofan. Um die Mittel für eine europäisch organisierte Land- und Seemacht zu gewinnen, erklärte sich M. 1814 selbst zum alleinigen Eigentümer aller Grundstücke, für die Pacht bezahlt und deren Erzeugnisse zu festgesetzten Preisen abgeliefert werden mußten, und machte auch alle Industrie zum Monopol. Für die Verluste bei dem Zug Ibrahims nach Griechenland, mit dessen Unterwerfung ihn Sultan Mahmud beauftragt hatte, verlangte er das Paschalik von Damaskus für Ibrahim, erhielt aber nur das von Kreta. Entrüstet begann er 1831 den Krieg gegen die Pforte; sein Heer schlug die Türken 29. Juli 1832 bei Bylon und 20. Dez. bei Konia. Erst als Rußland dem Sultan seine Hilfe anbot, willigte M. in den Frieden von Kutahia (4. Mai 1833), durch den er Syrien und für seinen Sohn Ibrahim die Würde eines Scheich el Haram von Mekka, den Bezirk Dschidda in Arabien und den von Adana in Syrien erhielt. Der Friede war nicht von langer Dauer; bereits 1838 brach der Krieg wieder aus. Das türkische Landheer wurde jedoch bei Nisib 24. Juni 1839 geschlagen, und die Flotte ging 14. Juli zu M. über. Dieser forderte jetzt die erbliche Herrschaft über Ägypten etc., über Syrien mit Adana und über Kreta, mußte sich aber, nur von Frankreich vorübergehend unterstützt, den andern Großmächten fügen, die eine Flotte nach Alexandria schickten, 27. Nov. 1840 Syrien räumen und die türkische Flotte herausgeben. Am 13. Febr. 1841 bestätigte ihn ein großherrlicher Hattischerif als erblichen Statthalter Ägyptens gegen einen jährlichen Tribut. M. war in gewisser Hinsicht eine Art Friedrich d. Gr., ins Orientalische vergröbert. Übermäßige sinnliche Genüsse hatten zuletzt einen raschen Verfall seiner geistigen und körperlichen Kraft herbeigeführt. Ihm folgte sein Enkel Abbas Pascha (s. Ägypten, Geschichte). Vgl. Mengin, Histoire de l'Egypte sous Mohammed Aly (Par. 1839); Mouriez, Histoire de M. (das. 1855–58, 4 Bde.); v. Prokesch-Osten, M., Vizekönig von Ägypten. Aus meinem Tagebuch 1826–1841 (Wien 1877); Sir Ch. A. Murray, Memoir of Mohammed Ali (Lond. 1898); Dehérain, Le Soudan égyptien sous M. (Par. 1898).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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