Marnix

Marnix

Marnix, Philipp von, Herr von Saint-Aldegonde, niederländ. Schriftsteller und Staatsmann, geb. 1538 in Brüssel, gest. 15. Dez. 1598 in Leiden, studierte in Genf unter Calvin und Beza Theologie, an andern Hochschulen die Rechte und ging zur reformierten Kirche über. Seit 1560 in sein Vaterland zurückgekehrt, wirkte er eifrig für die Reformation und nahm tätigen Anteil an dem Kompromiß der Edelleute (1565). Bei Albas Ankunft 1567 floh er nach Deutschland und trat in pfälzische Dienste, wurde aber vom Prinzen Wilhelm von Oranien um 1570 in seine Dienste genommen und 1572 zur ersten Versammlung der Staaten von Holland als sein Vertreter nach Dordrecht geschickt. Bei der Einnahme von Maaslandsluys 1573 geriet er in spanische Gefangenschaft, ward aber 1574 ausgetauscht. Er vertrat hierauf die aufständischen Niederlande an den Höfen zu Paris und London, wohnte 1578 dem Reichstag in Worms bei, wo er eine berühmte Rede hielt, hatte an der Utrechter Union hervorragenden Anteil und wurde 1583 Bürgermeister von Antwerpen. Da er diese Stadt nach 13monatiger Verteidigung gegen die Spanier 1585 übergab und deswegen von den Engländern und ihren Freunden heftige Angriffe erfuhr, zog er sich von den öffentlichen Geschäften zurück, übernahm aber 1590 wieder eine Mission nach Paris. Hierauf lebte er auf seinem Landgut in Zeeland und in Leiden, wo er an einer Übersetzung der Bibel arbeitete. M. wird als Mitbegründer jenes kräftigen Aufschwungs in der holländischen Literatur betrachtet, dem die klassische Periode der Vondel, Hooft u. a. folgte. Unter seinen Werken ist besonders die Satire »De roomsche byen-korf« (1569) hervorzuheben, die Fischart seinem »Römischen Bienenkorb« zugrunde legte. Als Dichter verfaßte M. eine vorzügliche gereimte Psalmenübersetzung (1580); auch das berühmte »Wilhelmus van Nassouwe«, das neben dem »Wien Neerlandsch bloed« von Tollens offiziell als niederländisches Nationallied anerkannt ist, wird ihm zugeschrieben. Eine Ausgabe seiner Werke, von Lacroix und Quinet, erschien in Brüssel 1855–1859 in 7 Bänden. Seine religiösen und theologischen Arbeiten gab van Toorenenbergen heraus (Haag 1871–91, Bd. 1–3). Vgl. Broes, Fil. van M., beer van Sint-Aldegonde (Amsterd. 1838–40, 2 Bde.); Quinet, M. de Saint-Aldegonde (Par. 1854); Juste, Vie de M. (Haag 1858); Frédéricq, M.en zijne nederlandsche geschriften (Gent 1882); Tjalma, Philips van M., heer van Sint-Aldegonde (Amsterd. 1896).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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