Liturgīe


Liturgīe

Liturgīe (griech.), in Athen (leiturgia) eine von Bürgern für den Staat persönlich und auf eigne Kosten übernommene Leistung, wie die Choregie und Trierarchie. Im Neuen Testament bezeichnet das Wort L. entweder überhaupt eine Dienstleistung im Sinne der Wohltat oder im engern Sinne das Priesteramt und den priesterlichen Gottesdienst. In der Gegenwart versteht man unter L. den Inbegriff aller ordnungsmäßig bestehenden gottesdienstlichen Handlungen, und der Geistliche wird in dieser Beziehung Liturg genannt. Des nähern bedeutet L. ein Formular oder Buch, welches das bei dem öffentlichen Gottesdienst zu befolgende Ritual enthält, also soviel wie Agende (s. d.). In der ältern Kirche bestand noch kein einheitlicher Gebrauch; aber die Filialkirchen nahmen die L. der Mutterkirche an. Allmählich war man darauf bedacht, eine Gleichheit in der Form des Gottesdienstes zu erzielen; Kirchenversammlungen, dann im Abendland besonders die Päpste erließen die hierzu nötigen Verordnungen. Gleichwohl kamen mit der Teilung des römischen Reiches Nationalliturgien auf. Im 5. Jahrh. war die auf Basilius d. Gr. zurückgeführte L. fast im ganzen Orient verbreitet; von Konstantinopel aus fand eine durch Chrysostomos verkürzte Gestalt derselben Eingang und ist im wesentlichen noch in der griechischen Kirche gebräuchlich. Auch im Abendland haben vielgebrauchte liturgische Bücher (Sakramentarium, Evangeliarium, Epistolarium, Missalen, Brevier, Martyrologium, Ritual, Agende; s. diese Artikel), Offizien genannt, eine gewisse Übereinstimmung der L. durchgeführt, wobei die römische Form schließlich den Sieg über die gallische und mailändische davontrug. Das Konzil zu Trient hat das Recht zu liturgischen Bestimmungen lediglich dem Papst zugesprochen (s. Römisch-katholische Kirche). Die Reformatoren haben den Inhalt der L. auf Schriftverlesung, Gebet und Gesang beschränkt. Luther selbst gab 1526 seine »Deutsche Messe oder Ordnung des Gottesdienstes« heraus, worin viele Gebräuche der römischen Kirche beibehalten, dagegen die lateinische Sprache im Gottesdienst und die Privatmesse beseitigt, die Predigt zum Hauptstück des Kultus erhoben, die Verwaltung des Abendmahls in beiderlei Gestalt angeordnet und diesem die Beichte als Vorbereitung hinzugefügt ward. Die reformierte Kirche brach noch gründlicher mit der L. der katholischen Kirche und beseitigte namentlich fast den gesamten liturgischen Altardienst. Nicht unmittelbar aus den reformatorischen Prinzipien über den Kultus (s. d.) ableitbar ist das, was neuerdings liturgischer Gottesdienst heißt, worin Gesang und Gebet, namentlich neben dem Gemeindegesang auch Chorgesang, die wesentlichsten Elemente bilden, während die Predigt ganz fehlt. S. Liturgik.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • LITURGIE — La liturgie est le protocole du culte. Elle ne se réduit pourtant ni à l’érudition du rubriciste, ni au savoir faire du maître de cérémonie. Elle est redevenue une question d’actualité, en raison de la réforme liturgique entreprise depuis le 4… …   Encyclopédie Universelle

  • liturgie — LITURGIE. s. f. L ordre & les ceremonies qui s observent dans la celebration du service divin. Il se prend principalement pour les prieres & les ceremonies de la Messe. La Liturgie Grecque. la Liturgie de l Eglise Latine. l ancienne Liturgie.… …   Dictionnaire de l'Académie française

  • Liturgie — Sf erw. fach. (17. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus kirchen l. liturgia, dieses aus gr. leitourgía Staats , Dienstleistung, Liturgie , zu gr. lḗïton Gemeindehaus, Stadthaus (Laie) und gr. érgon n. Arbeit, Dienst (Energie).    Ebenso nndl. liturgie,… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Liturgie — (v. gr.), alle Verrichtungen der Geistlichen beidem öffentlichen Gottesdienste, mit Ausschluß der Predigt. Während in der Mosaischen Religion mehr symbolische Handlungen vorkamen u. erst in den Prophetenschulen u. seit Esra u. Nehemia ein… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Liturgie — Liturgīe (grch. leiturgīa, »Leistung«), bei den Athenern gewisse von den Bürgern auf eigene Kosten übernommene öffentliche Dienstleistungen; im kirchlichen Sprachgebrauch die Formulare für die gottesdienstlichen Handlungen, in der kath. Kirche… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Liturgie — Liturgie, die Einrichtung des öffentl. Gottesdienstes in den christlichen Kirchen. Da derselbe in der Regel nach bestimmten Formen gehalten wird, so nennt man auch die Bücher welche diese Vorschriften enthalten, Liturgien. – s …   Damen Conversations Lexikon

  • Liturgie — Liturgie, griech. deutsch, die Verwaltung eines öffentlichen Amtes auf eigene Kosten; der Opferdienst des Priesters; die Darbringung des h. Meßopfers, der Altardienst; dann die Gesammtheit der symbolischen Handlungen und Gebete beim hl. Meßopfer …   Herders Conversations-Lexikon

  • Liturgie — Liturgie,die:⇨Ritual(1) …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Liturgie — Liturgie: Die Bezeichnung für die offizielle Ordnung des Gottesdienstes wurde im 17./ 18. Jh. aus gleichbed. kirchenlat. liturgia entlehnt, das auf griech. leitourgía »öffentlicher Dienst« zurückgeht. Dies ist eine Bildung aus griech. lē̓itos… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Liturgie — Christus mit den eucharistischen Gestalten Der Begriff Liturgie (v. griech.: λειτουργία leiturgia ‚öffentlicher Dienst‘, aus λειτóς ‚öffentlich‘ von λαός/λεώς ‚Volk/Volksmenge und ἔργον érgon ‚Werk‘, ‚Dienst‘) bezeichnet die Ordnung und… …   Deutsch Wikipedia