Lesbos


Lesbos

Lesbos (im Mittelalter Mytilene, jetzt Mytilini, türk. Midillü), die größte unter den Inseln des Ägäischen Meeres, an der Küste von Troas und Mysien (Kleinasien) gelegen (s. Karte »Griechenland«), gehört zum türkischen Insel-Wilajet und umfaßt 1750 qkm mit 115,000 griechischen und 10,000 türk. Einwohnern, von denen 53,000 auf die Hauptstadt Kastro kommen. Von SW. dringt der Busen von Kaloni (der antike Euripos Pyrrhäos) tief ins Land, von SO. der Golf von Hiera (Euripos). Dadurch zerfällt die ungefähr dreieckige Insel in drei verschieden große Teile. Sie ist ziemlich gebirgig; die Hauptgipfel hießen im Altertum Ordymnos (542 m) im W., Lepthymnos (838 m, jetzt Korákas) und Olympos (938 m, jetzt Hagios Ilias). Der Osten besteht aus einem Kern von Glimmerschiefer und Marmor, an den sich im O. und W. zwei Serpentinzonen anlegen, der Westen aus Eruptivgesteinen. Die Insel hat ein vortreffliches Klima, ist fruchtbar und reich an Holz (Pinus maritima), Getreide, Wein, Feigen und Oliven und führt namentlich Öl (145 Ölmühlen), Seife (40 Seifenfabriken) und Valoneen (zusammen für 5,5–11 Mill. Mk.) aus. Der Wein von L., namentlich der von Methymna, gehörte schon im Altertum zu den besten. Der Schiffsverkehr betrug 1902: 4119 hauptsächlich russische, türkische, österreichisch-ungarische, griechische etc. Schiffe mit 761,169 Ton. – Über die Ureinwohner von L. schweigt die Überlieferung; sie beginnt erst mit der äolischen Einwanderung, die, später zusammen mit Ioniern, die ganze Insel besetzte und eine Reihe von Städten an dem hafenreichen Ufer gründete. Durch ihre Lage zu Macht und Reichtum gelangt, bemächtigten sie sich auch der Herrschaft über einen Teil des gegenüberliegenden Festlandes, mußten dies aber den vordringenden Persern abtreten und sich auch selbst ihnen unterwerfen. 476 v. Chr. schloß sich L. dem Athenischen Seebund an, empörte sich 428 im Peloponnesischen Kriege, wurde aber 427 von Athen wieder unterworfen und hart bestraft; später gehörte es zum mazedonischen, dann zum römischen Reich. Berühmt ist die Insel besonders als Heimat der musischen Künste und als Vaterland einer Reihe hervorragender Männer: der Philosophen Pittakos und Theophrastos, des Historikers Hellanikos, der Dichter Arion und Terpandros, des Alkäos und der Sappho etc. Die Einwohner waren wegen ihres Hanges zur Weichlichkeit und Unsittlichkeit (s. Lesbische Liebe) übel berufen, zeichneten sich aber aus durch den hohen Stand ihrer Bildung. Die fünf wichtigsten Städte der Insel waren Methymna (jetzt Molyvo), Antissa (bei Sigri), Eresos (Ereso), Pyrrha (Ruinen Pira) und Mytilene (Kastro). Im 14. Jahrh. wurde L. von den Byzantinern an die genuesische Familie Gateluzzio abgetreten, deren letzter Herzog, Niccolo, 1462 die Insel an Mohammed II. verlor. Vgl. Conze, Reise auf der Insel L. (Hannov. 1865); Koldewey, Die antiken Baureste der Insel L. (29 Tafeln, Berl. 1890; daraus in Sonderdruck: »Itinerare auf der Insel L.«, mit Karten von Kiepert); de Launay, Description géologique des îles de Metelin et de Thasos (in den »Nouv. Arch. missions scientifiques«, Bd. 1, Par. 1891); Georgeakis und Pineau, Le Folk-lore de L. (Par. 1894).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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