Arnulf


Arnulf

Arnulf, 1) röm. Kaiser, natürlicher Sohn des ostfränkischen Königs Karlmann, geboren zwischen 840 bis 853, gest. 899, erbte nach seines Vaters Tode (880) Pannonien und Kärnten und wurde nach Karls des Dicken Absetzung (887) König von Ostfranken. Er schlug 891 die Normannen bei Löwen an der Dyle. Vom Papst Formosus gegen Guido von Spoleto, der nach der Kaiserwürde trachtete, zu Hilfe gerufen, machte er 894 einen Zug nach Italien, mußte jedoch infolge des Abfalls der Großen in Piacenza umkehren. Seine Macht blieb auf Bayern, Franken und Schwaben beschränkt. Weniger glücklich waren seine Kriege gegen Swatopluk von Mähren (892–93). 895 aber von neuem in Italien, benutzte er die Streitigkeiten zwischen dem Herzog Berengar von Friaul, der sich zum König von Italien aufgeworfen, und Guidos Sohn Lambert um die Kaiserwürde so geschickt, daß ihn Formosus 22. Febr. 896 in Rom, das er im Sturm genommen hatte, zum Kaiser krönte. Er wurde in St. Emmeran in Regensburg, seiner gewöhnlichen Residenz, begraben. Ihm folgte als König sein Sohn Ludwig das Kind (s. d.). Von einer Beischläferin, Holenrada, hatte A. zwei Söhne: der eine, Zwentibold, ward 895 König von Lothringen, der andre, Ratold, wird als Ahnherr der Grafen von Meran angesehen. Vgl. Dümmler, Geschichte des ostfränkischen Reiches, Bd. 2 (2. Aufl., Berl. 1888).

2) Bischof von Metz, Ahnherr der Arnulfinger und Karolinger (s. d.), geb. um 582, gest. 16. Aug. 641, unter Theudebert II. austrasischer Palastaufseher, trat in den geistlichen Stand und wurde 612 Bischof von Metz. Mit dem Majordomus Pippin von Landen, dessen Tochter Begga an Ansegisel, Arnulfs ehelichen, vor Eintritt in den geistlichen Stand erzeugten Sohn, verheiratet war, gemeinsam war er als Ratgeber der Merowingerkönige Chlotar II. und Dagobert I. einflußreich. 627 legte er sein Bistum nieder und zog sich nach Horenberg im Wasgau zurück. Arnulfs Leichnam wurde 642 in der seitdem Arnulfskirche genannten Apostelkirche in Metz beigesetzt.

3) Herzog von Bayern, Sohn des Markgrafen Luitpold, der 907 gegen die Magyaren fiel, schlug diese 913 am Inn und machte sich zum Herzog. Gegen Konrad I. wahrte er seine Selbständigkeit; Heinrichs I. königliche Oberhoheit erkannte er zwar 921 in einem Vertrag an, behielt sich aber wichtige Hoheitsrechte, auch die Besetzung der Bistümer, vor. Er starb 14. Juli 937 in Regensburg. – Sein Sohn Eberhard verlor im Kampf gegen Otto I. 938 das Herzogtum, das 945 dem Gemahl seiner Schwester Judith, Heinrich, verliehen wurde.

4) Prinz von Bayern, geb. 6. Juli 1852 in München, dritter Sohn des Prinz-Regenten Luitpold, trat in das bayrische Infanterieleibregiment ein, wurde rasch dessen Kommandeur, dann Brigadekommandeur im 1. Armeekorps, Kommandeur der 1. Division, 1892 General der Infanterie und Kommandeur des 1. bayrischen Armeekorps; er ist Inhaber des bayrischen 12. Infanterieregiments Prinz A., Chef des preußischen Infanterieregiments Nr. 52 und Oberstinhaber des k. u. k. Infanterieregiments Nr. 80. Er ist seit 12. April 1882 mit der Prinzessin Theresia von und zu Liechtenstein (geb. 28. Juli 1850) vermählt; sein einziger Sohn, Prinz Heinrich, ist 24. Juni 1884 geboren.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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