Arkade


Arkade

Arkade (v. lat. arcus, »Bogen«), ein durch mehrere aneinander oder hintereinander gereihte, auf Säulen, Pfeilern oder Säulen und Pfeilern ruhende Bogenstellungen gebildeter Gang, der wenigstens nach einer Längsseite geöffnet ist. Arkaden kommen schon in den Tempeln und Palästen der alten Ägypter und in der altindischen Baukunst vor, weil der Orient vor der Sonne geschützte Raume im Freien verlangt. Griechen und Römer gaben ihnen die weiteste Anwendung; die öffentlichen Plätze für Volksversammlungen und Spiele, die Orte, wo ihre Philosophen lehrten, Straßen und Märkte waren häufig mit Bogengängen umgeben. Die Renaissance in Italien hat das Arkadenmotiv am weitesten ausgebildet und in den Städten so eingebürgert, daß südlich der Alpen fast jede größere Stadt einen von Arkaden umschlossenen Platz oder eine Straße mit Bogengängen hat (Hauptbeispiel: der Markusplatz in Venedig). Von Italien verbreitete sich die Anwendung der Arkaden weiter in das nördliche Europa. Die größten modernen Anlagen dieser Art sind das Palais Royal und die Rue Rivoli in Paris. Die altchristliche Baukunst trennte das Hauptschiff der Basiliken von ihren Seitenschiffen durch Arkaden (s. Tafel »Baustile II«, Fig. 17), das Mittelalter erweiterte im romanischen Stil sie bereits zum Kreuzgang (s. d.); die Gotik wie der romanische und schon der römische Stil kennt sie auch in kleinerm Maß stab als architektonisches Ornament. Wenn Bogen und Stützen zu dekorativen Zwecken unmittelbar an eine Mauer angelehnt werden, entsteht die Blendarkade, die besonders in der maurischen Baukunst sehr beliebt war (s. Tafel »Baustile I«, Fig. 12). In der Städtearchitektur des Mittelalters findet man sie als Laube (s. d.) im Parterregeschoß der Häuser von Städten wie Braunschweig und Bern ausgebildet und namentlich vor Rathäusern, wie in Bremen und Köln (sogen. Ratslauben), und andern öffentlichen Gebäuden (s. Tafel »Architektur IX«, Fig. 5; Tafel X, Fig. 5, und XI, Fig. 2 u. 5). Besonders mannigfaltig ist die Arkadenarchitektur im maurischen Stil (Alhambra) ausgebildet. Au Prachtgebäuden werden die durch die Pilaster auf der innern Mauerfläche gebildeten Nischenräume mit Malerei verziert; das schönste Beispiel einer solchen Dekoration aus neuester Zeit sind die Arkaden des Hofgartens in München. (S. Tafel »Architektur V«, Fig. 1, 11 u. 12; Tafel VI, Fig. 1; Tafel VII, Fig. 1).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Arkade — Arkade: I.Arkade,die:⇨1Bogen(1) II.Arkaden(Pl):⇨Bogengang …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Arkade — Sf Bogen , meist Pl. Bogengang (usw.) per. Wortschatz fach. (17. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus frz. arcade (zunächst in der Bedeutung Laubengang in der Gartentechnik, dann als Bogengang in der Architektur), dieses aus it. arcata (abgeleitet von… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Arkade — Arkade: Die Bezeichnung für »Bogen auf zwei Pfeilern oder Säulen«, meist im Plural gebraucht im Sinne von »fortlaufende Bogenreihe zwischen zwei Räumen, Bogengang«, wurde als Fachwort der Baukunst im 17. Jh. aus gleichbed. frz. arcade entlehnt,… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Arkade — Arkade, s. Arcade …   Lexikon der gesamten Technik

  • Arkade — Arkāde (frz.), eine Reiche von auf Pfeilern oder Säulen ruhenden Bogen; eine Bogenhalle, meist auf der einen Längsseite offen, als Trennung der Kirchenschiffe, als Fassadenschmuck, an Kreuzgängen [Abb. 115] …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Arkade — Arkaden am Palacio de Navarra in Pamplona, Spanien, 19. Jh. Eine Arkade (lateinisch arcus: Bogen) bezeichnet in der Architektur einen von Pfeilern oder Säulen getragenen Bogen. Der Bogen lässt wesentlich größere Spannweiten zu als dies beim… …   Deutsch Wikipedia

  • Arkade — Wandelgang * * * Ar|ka|de 1. 〈f. 19〉 auf Säulen od. Pfeilern ruhender Bogen 2. 〈Pl.〉 Arkaden Bogenreihe, Bogengang [<frz. arcade „Schwibbogen“; zu lat. arcus „Bogen“] * * * Ar|ka|de, die; , n [frz. arcade < ital. arcata, zu: arco =… …   Universal-Lexikon

  • Arkade — die Arkade, n (Aufbaustufe) Bogen, der von Pfeilern oder Säulen getragen wird Beispiel: Die Arkade war bereits in der Antike als architektonisches Element bekannt …   Extremes Deutsch

  • Arkade — Buegang …   Danske encyklopædi

  • Arkade — Ar·ka̲·de die; , n; 1 nur Pl; eine Reihe von Bogen, die von Säulen oder Pfeilern getragen werden und unter denen man (besonders an Gebäuden oder an Geschäftshäusern) durchgehen kann: sich unter den Arkaden die Schaufenster anschauen 2 geschr; ein …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache


We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.