Kopfschmerz


Kopfschmerz

Kopfschmerz (Cephalalgia), häufige Begleiterscheinung verschiedener Krankheiten des Schädels, des Gehirns, der Hirnhäute, aber auch andrer Organe und namentlich vieler fieberhafter Krankheiten. Häufig läßt sich eine bestimmte anatomische Grundlage für den K. nicht nachweisen (idiopathischer K.). Der K. ist entweder anhaltend oder periodisch. Tritt er einseitig und in Anfällen auf, so handelt es sich um Migräne (s. d.). Oft sind Störungen im Blutkreislauf des Gehirns Ursache des Kopfschmerzes, und zwar kann man den K. durch Blutleere (anämischen K.) und den K. durch Blutwallung (kongestiven K.) unterscheiden. Der anämische K. befällt vor allem blutarme Mädchen und sonst anämische Kranke, er tritt namentlich auch akut nach starken Blutungen auf, wird durch horizontale Lage und Bettruhe erleichtert, durch Stehen verschlimmert. Das Gesicht sieht blaß aus, der Kopf ist kalt, und der Patient hat oft Neigung zu Schwindel und Ohnmacht. Die Behandlung muß sich hier auf das Grundleiden, die Anämie, richten; beim Anfall ist Bettwärme, horizontale Lage, Ruhe, frische Luft zu empfehlen, und bisweilen wirkt eine kleine Mahlzeit günstig. Mangelhafte Blutzirkulation im Schädel liegt auch dem K. zugrunde, der sehr häufig bei Arteriosklerose der Gehirnschlagadern sich findet. Beim kongestiven K. ist das Gesicht rot, der Kopf heiß, und die Kopfarterien klopfen. Durch Bewegung, Husten, Niesen, Bücken des Oberkörpers, durch Zurückhalten des Atems wird der Schmerz in der Regel gesteigert. Man mildert den K. durch kalte Umschläge, Übergießungen, hohe Lagerung des Kopfes, Senfteige in den Nacken, warme Hand- und Fußbäder, kalte Klistiere, Abführmittel. Der nervöse K. tritt nach körperlichen und geistigen Anstrengungen, Nachtwachen, deprimierenden Gemütsaffekten oder bei beginnender Desorganisation des Gehirns und seiner Umgebung auf. Sehr häufig ist auch Zahn- und Ohrenschmerz damit verbunden und die Empfindlichkeit außerordentlich erhöht. Der nervöse Schmerz macht den Kranken durchaus unfähig zum Arbeiten. Zu seiner Beseitigung sind Ruhe, Aufgeben anstrengender geistiger Beschäftigung, in schweren Fällen Aufenthalt im Gebirge, Kaltwasserkuren erforderlich. Hierher gehört der oft jahrelang andauernde, manchmal jeder Behandlung trotzende K. bei jungen Leuten in der Pubertätsentwickelung. Oft wird dieser K. durch Darreichung von Antipyrin, Phenacetin und ähnlicher Mittel gelindert. Der K. ist endlich sehr häufig auch gastrischen Ursprungs und entsteht durch verschiedene Diätfehler. Dabei sind bitterer oder pappiger Geschmack, Übelkeit, Aufstoßen, Erbrechen, Verstopfung oder Durchfall vorhanden. Erbrechen und Stuhlausleerung schaffen hierbei Erleichterung. Außerdem ist auf Beseitigung des gastrischen Leidens hinzuwirken. Nicht immer aber weist Erbrechen auf den gastrischen Ursprung des Kopfschmerzes hin, da auch Gehirnleiden häufig mit Erbrechen einhergehen. Der rheumatische K. entsteht meist durch Erkältung und hat seinen Sitz in der Kopfschwarte und den Kopfmuskeln. – Häufig sitzt der K. an ganz bestimmten umschriebenen Stellen. Eine charakteristische Art von K. ist der Klavus (Clavus hystericus). An einer kleinen umgrenzten Stelle, gewöhnlich in der Nähe der Pfeilnaht, hat der Kranke die Empfindung, als bohre man einen Nagel in den Kopf; der Schmerz strahlt aus in die Augenhöhle, und dem Kranken ist, als wolle das Auge größer werden und werde aus seiner Höhle hervorgedrängt. Hierbei handelt es sich um eine Neuralgie, die so heftig werden kann, daß während des Schmerzanfalles das Sehvermögen vollkommen oder teilweise schwindet. – Bohrende Schmerzen in den knöchernen Teilen des Kopfes, die besonders in der ersten Hälfte der Nachtzeit eintreten oder sich steigern, bei Tage gelinder werden oder ganz aufhören, deuten auf syphilitische Erkrankungen der Knochenhaut und der Kopfknochen. Aber auch rheumatische und gichtische Schmerzen im Kopfe werden oft nachts durch das Liegen auf Federbetten, durch die Bettwärme heftiger; dasselbe gilt von dem durch Bleivergiftung veranlaßten K. – Bohrender K., vorzüglich an den Nahtstellen des Schädels, gleichzeitig mit Auftreibungen und knotigen Anschwellungen in der Gegend der Schmerzen, die oft durch Warmhalten des Kopfes gemildert werden, lassen gichtischen Ursprung (Kopfgicht) vermuten. Drückender K. in der Gegend der Stirnhöhlen mit gleichzeitig verstopfter oder stärker absondernder Nase, morgens nachlassend, abends stärker werdend, rührt von der katarrhalischen Affektion oder auch von mit Eiterabsonderung einhergehender Entzündung der Schleimhaut der Stirnbeinhöhlen (Empyem der Stirnbeinhöhlen) her. Überhaupt werden Kopfschmerzen oft durch Erkrankungen der Nase, der Zähne, der Augen und Ohren hervorgebracht. K. bei Kindern, mit Übelkeit und Erbrechen beim Aufrichten des Kopfes und bei Bewegung des Körpers im Gefolge, läßt Gehirnentzündung besorgen. Begrenzter, ohne Nachlaß anhaltender, hartnäckiger K., mit Lähmungen, Sinnesstörungen, epileptischen Konvulsionen verbunden, deutet auf Erkrankungen innerhalb des Schädels. Nierenleiden gehen häufig mit K. einher, besonders tritt als Vorbote drohender Urämie häufig starker K. auf. K. bei Greisen ist meist eine Folge von Arteriosklerose. Bei jedem heftigern, namentlich mit Fieber verbundenen K. ist der Arzt zu konsultieren. Über einseitigen K. vgl. auch Migräne und Gesichtsschmerz.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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