Kirchbach


Kirchbach

Kirchbach, 1) Hugo Ewald, Graf von, preuß General, geb. 23. Mai 1809 zu Neumarkt in Schlesien, gest. 6. Okt. 1887 zu Moholz in der Lausitz, trat, im Kadettenkorps gebildet, 1826 als Fähnrich ins Heer, kam 1851 als Major in den Generalstab, ward bald Abteilungschef im Großen Generalstab und Generalstabschef des 3. Armeekorps und kommandierte seit 1859 als Oberst nacheinander das 36., 26. und 66. Regiment. 1863 Kommandeur der 19. Infanteriebrigade und Generalmajor geworden, befehligte er 1864 die mobile 21. Infanteriebrigade in Schleswig, 1866 die 10. Infanteriedivision, war an den Schlachten von Nachod und Skalitz und am Gefecht bei Schweinschädel beteiligt und erhielt den Orden pour le mérite. Beim Ausbruch des deutsch-französischen Krieges mit dem Kommando des 5. Armeekorps betraut, focht er bei Weißenburg und Wörth, wo er leicht am Genick verwundet wurde, und dann bei Sedan, wo er den Franzosen den Rückzug nach Mézières verlegte. Durch die Besetzung von Versailles 19. Sept. schloß K. die Zernierung von Paris im Südwesten ab, hatte während ihrer ganzen Dauer (bis 9. Febr. 1871) das Hauptquartier des Königs und des Kronprinzen in Versailles zu decken und schlug alle Ausfälle der Pariser zurück, namentlich den letzten großen Ausfall vom 19. Jan. 1871 (Schlacht am Mont Valérien). Bei seiner Verabschiedung 1880 in den Grafenstand versetzt, zog er sich auf sein Gut Moholz in der Lausitz zurück. 1889 erhielt das 1. niederschlesische Infanterieregiment Nr. 46 den Namen Infanterieregiment Graf K.

2) Wolfgang, Dichter und Schriftsteller, geb. 18. Sept. 1857 in London als Sohn eines deutschen Malers, studierte, in Dresden vorgebildet, in Leipzig Philosophie und Geschichte, ließ sich 1879 als Schriftsteller in München nieder, unternahm eine längere Studienreise nach Italien und siedelte 1888 nach Dresden über, wo er bis Herbst 1889 die Redaktion des »Magazins für Literatur des In- und Auslandes« führte. Jetzt lebt er abwechselnd in Berlin und Paris. Nächst seinen »Märchen« (Leipz. 1879) bewährte er sein eigentümliches Talent in dem Künstlerroman »Salvator Rosa« (das. 1880, 2 Bde.), in den Novellen: »Kinder des Reichs« (das. 1883, 2 Bde.; 2. Aufl. u. d. T.: »Nord« und »Süd«, 1885), »Miniaturen und Novellen« (Stuttg. 1892) und »Die neue Religion« (Berl. 1903), in den Romanen: »Der Weltfahrer« (Dresd. 1891), »Das Leben auf der Walze« (Berl. 1892), in den »Ausgewählten Gedichten« (das. 1883) und den »Liedern vom Zweirad« (das. 1900, 2. Aufl. 1904), in den dramatischen Dichtungen: »Waiblinger« (2. Aufl., Münch. 1887), »Die letzten Menschen« (Dresd. 1890), »Des Sonnenreiches Untergang«, Kulturdrama (das. 1894), »Gordon Pascha« (das. 1895), »Eginhardt und Emma« (das. 1896), »Wein« (Berl. 1899), in den Lustspielen: »Der Menschenkenner« (Dresd. 1888), »Warum Frauen die Männer lieben« (1892) und »Jung gefreit« (Dresd. 1897). Ferner schrieb er: »Was lehrte Jesus? Zwei Ur-Evangelien« (2. Aufl., Berl. 1902). Eine Anzahl kleinerer Schriften, Reisegedanken und Aufsätze erschien u. d. T. »Ein Lebensbuch« (Münch. 1885). K. ist ein geistreicher kritischer Schriftsteller, dessen poetische Kraft jedoch unter seiner Neigung zur Konstruktion leidet.

3) Frank, Maler, Bruder des vorigen, geb. 1859 in London, begann seine Studien auf der Kunstakademie in Dresden und begab sich dann nach München, wo er sich seit Mitte der 1870er Jahre bei A. Wagner weiter ausbildete. Er machte sich zuerst auf der Münchener internationalen Kunstausstellung von 1883 durch ein vom dortigen Kunstverein angekauftes Geschichtsbild: Herzog Christoph der Kämpfer an der Leiche des letzten Abensbergers, bekannt. 1884 schuf er einen Zyklus von Wandgemälden aus dem »Nibelungenlied« in Schloß Drachenburg bei Königswinter am Rhein, und in demselben Jahr begab er sich zu weitern Studien nach Paris, wo er einen Raub des Ganymed malte. 1888 vollendete er das Kolossalgemälde: Christus treibt die Wechsler aus dem Tempel, das sich durch große Virtuosität des Kolorits und durch lebendige Charakteristik der einzelnen Figuren auszeichnet. In derselben Richtung bewegt sich: Christus und die Kinder (1894). 1889 wurde er als Lehrer der Malerschule an das Städelsche Institut in Frankfurt a. M. berufen, wo er bis 1896 tätig war. Seitdem lebt er wieder in München. Von seinen übrigen Werken sind noch Leonore (nach Bürgers Ballade), die Grablegung Christi (1899), Christus am Kreuz (1900) und das Triptychon: Menschenlos (1903) hervorzuheben.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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